Alpenpflanzen – Überlebenskünstler der Eiszeit

Tafeln_STA_02_Alpinum_Kor3Die drei Lehrtafeln des Landratsamts Starnberg mit dem Titel „Die von den Alpen kamen – Alpenpflanzen im Landkreis Starnberg“ erklären das geobotanische Phänomen, dass sich Alpenpflanzen sowohl im Gebirge als auch in den Ebenen des Voralpenlandes ausgebreitet haben. Die Tafeln befinden sich im Kustermann-Park, am Johannishügel und im Naturschutzgebiet Karpfenwinkel.

Mit den Verschiebungen in der Eiszeit wanderten viele Alpenpflanzen aus den hochalpinen Regionen in die Ebenen des Alpenvorlands. Mit steigenden Temperaturen siedelten sie sich wieder in den höheren Lagen an. Einige der Alpenpflanzen gedeihen auch weiterhin als typische Vegetation in den tieferen Regionen des Alpenvorlandes. Insbesondere finden sie auf Mooren und Streuwiesen die nötigen Standortbedingungen wie beispielsweise im Naturschutzgebiet Karpfenwinkel. Die Feuchtigkeit des Bodens kompensiert hier die hohen Niederschläge in den Bergen. Zu den sogenannten „echten“ Alpenpflanzen zählen Enziane, Primeln, Kreuzblümchen und Rittersporn.

Daneben gibt es im Alpenvorland und Gebirge auch sogenannte „Steppenpflanzen“, die als ideale Bedingungen trockene Standorte wie den Halbtrockenrasen am Johannishügel benötigen. Auch sie sind mit dem Ende der Eiszeit ins Gebirge gewandert, kommen aber ursprünglich aus anderen Regionen. Zu den Steppenpflanzen zählen Edelweiß und Küchenschelle, welche aus Asien stammt.

Vergleicht man Pflanzen verschiedener Regionen miteinander, so zeigen sich kleine genetische Unterschiede als Folge der Anpassung an die Umwelt. In dem Steingarten, dem sogenannten Alpinum, im Kustermann Park, gedeihen u. a. Enzian, Mehlprimel und Küchenschelle, deren Saatgut zuvor wildwachsenden Pflanzen um Tutzing entnommen und im Gewächshaus vermehrt wurde. Diese Vorgehensweise zur Gewinnung von autochthonem Saatgut entspricht dem vorgegebenen Standard. Mit der Verwendung autochthonen Materials wird sicher gestellt, dass die kleinräumige genetische Anpassung der Arten an den Standort erhalten bleibt.

Beispiele für „echte“ Alpenpflanzen und Steppenpflanzen:

Lungenenzian © Andreas Zehm.

Lungenenzian
© Andreas Zehm.

Der Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe) – eine „echte“ Alpenpflanze
Aussehen: Blüten azurblau, glockig bis trichterförmig mit fünf grünen Längsstreifen an der Außenseite; bis 50 cm hoch
Standort: Feuchtwiesen und Flachmoore; torfige, wechselfeuchte Böden
Verbreitung: Tiefland bis mittlere Gebirgslagen
Gefährdung: Da es immer weniger geeignete Standorte gibt und diese in der Regel noch vor der Blüte bzw. Samenbildung im Juli gemäht werden, ist der Lungenenzian stark gefährdet.
Wissenswertes: Früher wurde Kraut und Wurzel mit Bitterstoffen als Heilmittel für Lungenkrankheiten verwendet; die Blüten dienten zu Färben, außerdem galt die Pflanze wegen ihrer Blaufärbung als Zauberpflanze, welche die Pest abhalten konnte.

 

Küchenschelle © Andreas Zehm

Küchenschelle
© Andreas Zehm

Die Kuh- oder Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) – eine Steppenpflanze aus Asien

Aussehen: Blüten violett mit gelben Staubblättern im Zentrum; bis 40 c,m hoch; seidig behaart; Entwicklung der Blätter während der Blütezeit zwischen April und Mai zottig buschiger Fruchtstand nach der Bestäubung.
Standort: Trockenrasen, trockene Wälder, Gebüsche oder als Zierpflanze im Garten
Verbreitung: Tiefland bis Hochgebirge
Gefährdung: Da es immer weniger geeignete Standorte gibt, gilt die Küchenschelle als gefährdet.
Wissenswertes: Der Name Kü(h)chenschelle verweist auf die Form der Blüte, die an eine Kuhschelle erinnert. Der lateinische Name Pulsatilla leitet sich von pulsare (schlagen) ab und nimmt Bezug auf die Blüte, die im Wind hin und her „schlägt“. Die Pflanze galt schon in der Antike als Heilmittel und wird heute überwiegend in der Homöopathie verwendet. Mit ihren Wurzeln, die bis zu 1,5 m tief reichen, gelangt die Küchenschelle bei Trockenheit problemlos an Wasser aus tieferen Bodenschichten.

Zum Download (PDF-Datei): Infotafel_Karpfenwinkel, Infotafel_Johannishügel, Infotafel_Alpinum

„Echte“ Alpenpflanzen und Steppenpflanzen des Alpinums

Alpenpflanzen

Fransenenzian (Gentianella Germanica)
Fransenenzian (Gentianella Germanica)
Frühlingsenzian (Gentiana verna)
Frühlingsenzian (Gentiana verna)
Echte Betonie (Betonica officinalis)
Echte Betonie (Betonica officinalis)
Schwalbenwurzenzian (Gentiana asclepiadea)
Schwalbenwurzenzian (Gentiana asclepiadea)
Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris)
Gewöhnlicher Teufelsabbiss (Succisa pratensis)
Gewöhnlicher Teufelsabbiss (Succisa pratensis)
Gewöhnliche Simsenlilie (Tofieldia calyculata)
Gewöhnliche Simsenlilie (Tofieldia calyculata)
Schlauchenzian (Gentiana utriculosa)
Schlauchenzian (Gentiana utriculosa)
Sumpfherzblatt (Parnassia palustris)
Sumpfherzblatt (Parnassia palustris)
Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
Stenggelloser Enzian (Gentiana clusii)
Stenggelloser Enzian (Gentiana clusii)
Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)
Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)
Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)
Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)
Sumpfherzblatt (Parnassia palustris)
Sumpfherzblatt (Parnassia palustris)
Küchenschelle (Fruchtstand) (Pulsatilla vulgaris)
Küchenschelle (Fruchtstand) (Pulsatilla vulgaris)
Mehlprimel (Primula farinosa)
Mehlprimel (Primula farinosa)
Mehlprimel (Primula farinosa)
Mehlprimel (Primula farinosa)
Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
Echte Betonie (Betonica officinalis)
Echte Betonie (Betonica officinalis)

 

 

Quelle: Landratsamt Starnberg

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