Ammer pur und erstes Bahnkraftwerk der Welt

Der erste Felsdurchbruch

Der erste Felsdurchbruch

Mit dieser kleinen Tour will ich anregen zum Verweilen und Schauen und – um Gegensätze zu sehen. Bequem auch mit Kindern in 4 Stunden hin und zurück. Eines ist sicher: Danach wissen wir, wie schön Alpenflusslandschaften sein können, und warum wir diese schützen müssen. Die Herausforderung Wasserkraft und wilde, unberührte Landschaft dürfen wir am Endpunkt sehen und selbst beurteilen.

Ausgangspunkt ist der Bahnhof in Altenau (Bahnstrecke von Murnau nach Oberammergau). Durch den Ort den Wegweisern folgend Richtung „Achele über Schlucht“. Am Ortsende von Altenau geht es an einem kleinen Parkplatz rechts weg von der Hauptstraße. Nach etwas 1 km über herrliche Hügellandschaft an einer Kapelle links weiter. Der Feldweg wird immer schmaler bis er in einem Pfad durch eine waldige Schlucht führt. Ein sehr schöner Waldpfad führt uns (etwas steile Treppen durch die Schlucht selbst) hinüber zur Straße und steil hinab zum Kraftwerk Kammerl.

Das Wasserkraftwerk Kammerl ist ein altes Laufwasserkraftwerk an der Ammer. Es wurde in den Jahren 1897 bis 1899 zur Versorgung der Ammergaubahn gebaut, einer Nebenbahn von Murnau nach Oberammergau, die nach anfänglichen Schwierigkeiten ab 1905 als erste deutsche Bahn planmäßig mit Einphasenwechselstrom niedriger Frequenz betrieben wurde.

Felsdurchbruch

Felsdurchbruch

Das Wasserkraftwerk Kammerl war bis zu seiner Stilllegung im Jahr 2013 das älteste noch betriebene Bahnkraftwerk dieser Art auf der Welt. Zudem speiste es als eines von nur zwei deutschen Bahnstromkraftwerken (das andere ist in Bad Abbach) den erzeugten Strom nicht in das 110-kV-Bahnstromnetz, sondern direkt in die Oberleitung der Ammergaubahn ein. Dies geschah über ein 15-kV-Kabel nach Saulgrub.

In den Jahren 2013 bis 2015 wurde neben dem alten Kraftwerk ein neues mit höherer Leistung gebaut, welches jedoch keinen Strom für die Bahn erzeugt.

Die Ammer bei Kammerl

Die Ammer bei Kammerl

Auf der Brücke hinüber zum Kraftwerk können wir flussauf- und flussabwärts die wunderbare, hier noch wilde Ammer bewundern. Ganz anders als in Oberammergau (siehe hier), wo sie zu einem armseligen, einfallslosen Kanal für den lokalen Hochwasserschutz mit Kostenverschiebung nach Passau verbannt ist. Lohnend, ein paar Meter flussabwärts, auf der Kiesbank am Flussufer eine Pause machen und dem  Rauschen der Ammer lauschen. Es ist Ruhe angesagt. Bitte auf die Natur achten. Es handelt sich hier um ein großartiges Juwel der Alpenflusslandschaften nördlich der Alpen. Die Ammerschlucht selbst ist nicht zu begehen, und das ist gut so. Natur braucht wie der Mensch, Rückzugmöglichkeiten. Wenn wir uns wahr-nehmen, sind wir Natur.

Auf dem selben Weg geht es zurück nach Altenau. Wenn wir dann im modernen Nahverkehrszug (seit 2013 vom Typ Bombardier Talent 2 , Baureihe 442 im Vorlaufbetrieb) zurück nach Murnau fahren, erinnern wir uns, wo der Strom für diese Strecke weit über 100 Jahre lang herkam. Und, wie nur wenige Meter entfernt, eine Flusslandschaft par excellence uns zeigt, wie schön Natur sein kann. Welches Juwel müssen wir schützen trotz Energiebedarf und Wohlstand?

Track zum Herunterladen: Tour der Natur 03

Zum Schluss ein wichtiger Hinweis: Planen Sie die Tour gut mit Karte und Führer, das Smartphone und die Touren Vorschläge in diesem Artikel nehmen Ihnen nicht das Denken und die eigene Verantwortung ab. Wir wollen auch keinen Wanderführer ersetzen, da gibt es ein sehr gutes und preiswertes Angebot im Handel. Wir wollen zu Ideen anregen, die der Natur und den Menschen gerecht werden.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.