Bayerischer Kanu-Verband (BKV) für naturverträglichen Kanusport

Der Bayerischelogo_bkv Kanu-Verband (BKV) setzt sich für einen naturverträglichen Kanusport ein und unterstützt den Erhalt sowie ggf. die Wiederherstellung von naturnahen Gewässern sowie geeignete Lenkungsmaßnahmen und Regelungen zu deren Schutz. Über das Ressort Umwelt und Gewässer pflegt der BKV deshalb Kontakte zu anderen Gewässernutzern, Umweltschutzorganisationen sowie Wasserwirtschaftsämtern und Naturschutzbehörden. Er fordert seine Mitglieder sowie andere Gewässernutzer zur Einhaltung geltender Beschränkungen und freiwilliger Selbstverpflichtungen auf. Darüber versucht der BKV (u.a.), Gewässernutzer zu einem freiwilligen Verzicht auf Befahrungen von besonders sensiblen Kleinflüssen oder Gewässern bei Niedrigwasserständen zu motivieren und gibt hierfür z.B. Empfehlungen für kanusportlich sinnvolle Mindestpegel heraus.

Zahlreiche Verordnungen schränken den verfassungsgemäßen Gemeingebrauch unserer Gewässer leider zunehmend häufig und in meist völlig undifferenzierter Weise ein: Beschränkungen orientieren sich dabei in der Regel leider mehr an postulierten Stör-/Schadwirkungen statt an tatsächlich nachgewiesenen Belastungen und schränken die Möglichkeiten zum Ausweichen auf umweltgerechtere Alternativen (z.B. bei örtlichen Niedrigwasserständen) jahreszeitlich massiv ein. Dies führt zu einer stetig weiter zunehmenden zeitlichen und räumlichen Konzentration der Erholungssuchenden und erzeugt allein hierüber ggf. weiteren Handlungsbedarf. Das Ressort stellt sich aus diesem Grund gegen weitere Beschränkungen und insbesondere (jahreszeitliche) Komplettsperrungen, welche keine Rücksicht auf die tatsächliche Situation am Gewässer (z.B. Pegelstand) nehmen und denen keine belastbare Bewertung der tatsächlichen Stör-/Schadwirkungen zugrunde liegen. Im Gegensatz dazu werden der BKV sowie das Ressort ausgewogene Lösungen aktiv unterstützen, die alle Gewässernutzer (insbesondere auch individuell) für Ihr naturverträgliches Verhalten sowie den Schutz von Fauna und Flora in die Verantwortung nehmen (und ggf. auch sanktionieren!) – und dabei keine einseitigen, partikulären Interessen verfolgen.

Autoren: Dr. Stefan Schmidt und Rolf Renner
Bayerischer Kanu-Verband
Ressort Umwelt und Gewässer

Positionspapier des Bayerischen Kanu-Verbands (BKV)

Handlungsbedarf zur Freizeitnutzung und zur kommerziellen Nutzung der Isar

1. Situationsbeschreibung

Zwischen Sylvensteinspeicher und München ist schon seit Jahren eine intensive und zunehmende Freizeitnutzung der Isar festzustellen. Vordergründig wird dabei die große Zahl der Schlauchboote angeführt, aber auch die Freizeitnutzung und Belastung der gesamten Flusslandschaft ist dabei festzustellen. Hervorzuheben ist die kommerzielle Nutzung der Isar im Naturschutzgebiet und die hohe Anzahl von privaten Schlauchbootfahrern. In Bezug auf ökologische Auswirkungen ist grundsätzlich das gesamte Geschehen am Wasser, auf dem Wasser und im Wasser zu betrachten und gegebenenfalls zielgerichtet gegenzusteuern.
Ziel muss dabei sein, allen, die sich umweltbewusst und umweltschonend im Naturraum Isar bewegen, weiterhin den „Genuss der Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur“ gemäß Artikel 141 Abs. 3 Satz 1 der Bayerischen Verfassung zu ermöglichen.

2. Ermitteln der tatsächlichen Belastung durch Freizeitnutzungen

Bezüglich der Belastung des Naturraumes Isar existieren bisher keine belastbaren Erkenntnisse – weder zur Nutzungsintensität insgesamt, noch jahres- & tageszeitlichen Belastung durch die einzelnen Nutzergruppen. Eine derartige, detaillierte quantitative wie qualitative Erfassung der Nutzungsarten und Nutzungsintensität ist jedoch zwingende Voraussetzung, um geeignete Maßnahmen zur Steuerung und ggf. Begrenzung der Freizeitnutzung zu entwickeln und umzusetzen.
Hierbei sind die Einflüsse aller Nutzergruppen (d.h. neben den Bootfahrern auch Badende, Spaziergänger, Radfahrer, Hundehalter, … bis hin zur Fischerei inkl. der Besatzmaßnahmen) objektiv zu erfassen. In Bezug auf die Nutzung der Isar durch Boote ist z.B. mit Zählungen zu ermitteln, zu welchen Tages- & Jahreszeiten wie viele Boote auf den jeweiligen Flussstrecken unterwegs sind, welche verschiedenen Bootstypen hierbei genutzt werden, wie groß die Boote sind bzw. mit wie vielen Personen diese besetzt sind. Weiter sollte (aufgrund der häufig beklagten Selbstgefährdung von Bootsbesatzungen) der Ausrüstungsstand – sowie bei verliehenem Bootsmaterial und kommerziellen Touren – das jeweilige Unternehmen erfasst werden.
Als geeignete Vorlage für ein entsprechendes Vorgehen kann z.B. die Untersuchung der Isar zur Freizeitnutzung im Rahmen eines Gutachtens von Prof. Dr. Reichholf aus dem Jahr 1998 herangezogen werden: Die Ergebnisse des Gutachtens sind aus unserer Sicht zum Großteil heute noch gültig und aussagekräftig.

3. Überprüfen und Anwenden der existierenden Rechtsgrundlagen

Sofern erforderlich, sollte eine (gesetzlich bereits heute möglich) Einschränkung kommerzieller Bootsfahrten im NSG „Isarauen“ konsequent durchgesetzt werden.
Ergänzend hierzu sind ggf. Maßnahmen zu entwickeln, um auch die kommerzielle Bereitstellung (Verleih) von Booten / Wassersportgeräten entsprechend rechtskonform einzuschränken (z.B. über eine Kennzeichnungspflicht kommerziell bereitgestellter Sportgeräte).
Schlussendlich sollten die rechtlichen Möglichkeiten zum Erlass eines Alkoholverbotes (analog zur Führung eines Kfz) für – auch private – Bootsführer geprüft werden.

 

 

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Ein Kommentar

  1. Als Isar-Experte in der LBV-KreisgruppeTÖL möchte ich dem Positionspapier des BKV nicht etwa ein Positionspapier des LBV an die Seite stellen, sondern nur einige Bemerkungen dazu machen.
    Es stimmt, dass lange Zeit der Inhalt der Verordnungen für die Isar-Schutzgebiete nur unzureichend bekannt gemacht wurde. Erst der LBV-TÖL änderte dies mit seiner Kampagne „Bedrohte Kiesbankbrüter“, indem er in Verbindung mit Landratsamt und Regierung offizielle „Vogelschutzbereiche“ schuf und Schilder und bebilderte Tafeln aufstellte. Das Landratsamt zog mit Faltblättern und der Einführung von Rangern nach. Die Info erreicht derzeit einen immer höheren Stand.
    In der Anfangszeit begann ich sehr bald im Ressort Umwelt und Gewässer des BKV mitzuarbeiten, um dort Fachinfos für Mltgliederschulungen weiter zu geben. Dadurch lernte jch das segensreuche Wirken des BKV in Sachen Umwelt und auch die damit verbundenen Sorgen kennen.
    Zu den Sorgen gehört, dass immer wieder einmal eine Schädigung, die zu Einschränkungen führte, nicht ausreichend plausibel nachgewiesen worden war. Manchmal sind auch Zeitgrenzen von Beschränkungen zu weit gefasst worden. In der Natur sind die Spielräume groß und als Schützer möchte man auf Nummer Sicher gehen…
    Robuste Kausalzusammenhänge zwischen Störungstyp und Folgen aufzudecken, wäre ideal,
    ist aber unter Umständen im Freiland gar nicht machbar. Beim Flussuferläufer kann als Messgröße die Zahl geschlüpfter und/oder flügge gewordener gewordener Jungvögel genommen werden. Aber wie quantifiziere ich die Störgröße?
    Gewöhnlich wurden bewachte Uferläufer-Reviere mit unbewahten verglichen. Am Rißbach und Vorderrhein war die Zahl der Flügglinge deutlich höher. Verluste entstehen aber auch durch natürliche Feinde. Für eine statistische Absicherung, dass Menschen die Ursache waren, brauche ich viele Reviere mit je einer Beobachterin… Wir würden aber durchaus gerne unsere Untersuchung der Revier-Paare von 2016 2017 in störungsökologischer Richtung ergänzen.
    Das im Positionspapier zitierte Gutachten von Prof. Reichhold weist übrigens doch auf einen interessanten Zusammenhang hin: Der Flussuferläufer hat bei ohne Lärm mit geradem Kurs vorbei gleitenden Booten nur eine Fluchtdistanz von 6-8m, ist also gar nicht scheu!!
    Beim Huchen müsste man schauen, wie oft ein Pärchen durch Störung den Laichakt unterbricht.
    Hinsichtlich Frühjahrslaicher sind wohl die kritischen Monate März bis Mai. Wieviele Boote fahren da überhaupt schon? Für geeignete Schutzmaßnahmen sollten die Fischer alle Laichplätze und die Zeit des Laichens dort kennen!
    Ein total gesperrter Zeitraum für Boote müsste sehr gut begründet werden!
    Bootszählungen wären hilfreich und sollten durch Luftbilder an ganz bestimmten Terminen ergänzt werden. Es könnte dann die Gesamtbesetzung der Isaraue durchgezählt werden.
    Für eine Einschränkung des Gemeingebrauchs wurden viele gute Vorschläge gemacht. Viele Leute sollten intensiv darüber nachdenken! Für außerordentlich wichtig halte ich die Registrierung kommerzieller Boote, gesondert nach „mit Guide“ (z. B. G 8), ohne Guide (15).
    Eines ist für mich sicher: Mit einer guten Info allein ist das Problem nicht mehr zu lösen!
    Beim Huchen müsste wohl beobachtet werden, wie häufig Pärchen durch Störung den Laichakt unterbrechen

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