Bergwald – Tafel 4 auf dem Geolehrpfad Herzogstand

Bergwald ©GEO-TRIP

Durch die fortschreitende Besiedelung und Nutzung der Alpen durch den Menschen kommt den Bergwäldern eine immer größere Bedeutung zu. Neben der Erholungs- und Nutzfunktion (Produktion von Holz) sind sie vor allem für den Schutz der Siedlungen und Verkehrsweg im Gebirge wichtig. Die Forstwirtschaft hat deshalb die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass stabile Bergwälder mit standortangepaßten Bäumen erhalten, bzw. wieder hergestellt werden. Um Kosten zu sparen, sollen die Wälder möglichst von selbst nachwachsen. Diese natürliche Verjüngung hängt jedoch von vielen Faktoren ab: die Bodenbeschaffenheit, das regionale Klima, die Höhenlage und die Ausrichtung der Standorte nach der Himmelsrichtung, die Schäden durch Wild- und Weidetiere, das Vorhandensein von Bäumen, die keimfähiges Saatgut liefern – all das spielt eine wichtige Rolle für das Nachwachsen der Wälder. Der Klimawandel erfordert von Waldbesitzern und Förstern besondere Kenntnisse und Weitblick – sie müssen die Baumartenzusammensetzung so wählen, dass die Wälder den immer öfter auftretenden Klimaextremen wie Hitzeperioden, häufigen Starkregen, heftigen Stürmen und großen Schneemassen widerstehen können. Da Bäume in höheren Lagen nur langsam wachsen, dauert es mitunter einige hundert Jahre, bis ein stabiler Bergmischwald entsteht. Die Bewirtschaftung der Wälder ist im Gebirge eine anspruchsvolle Tätigkeit. Sowohl die Geländeformen, als auch der Schutz der empfindlichen Böden, verbieten meist den Einsatz von schweren Maschinen. Gefällte Bäume werden mit mobilen Seilbahnen oder kleinen Schleppern abtransportiert. In besonders sensiblen Bereichen setzen erfahrene Forstarbeiter auch Pferde ein und in extrem unzugänglichen Gebieten wird Holz manchmal sogar mit dem Hubschrauber ins Tal gebracht.

 

Nadelhölzer im Bergwald

Nadelhözer im Bergwald ©GEO-TRIP

Das Aussehen der Wälder ist auf den Einfluss des Menschen zurückzuführen, der schon seit vielen hundert Jahren Wälder bewirtschaftet und ihr Holz für verschiedenste Zwecke nutzt. In den Wäldern der bayerischen Alpen herrschen Nadelbäume vor. Die Fichte nimmt dabei einen sehr großen Anteil ein. Sie wächst schnell, liefert schöne gerade Stämme und lässt sich zudem gut bearbeiten. Auch Kiefern und Lärchen liefern wertvolles, schön gemasertes Holz. Die seltene Eibe spielt dagegen in der Fortwirtschaft keine Rolle. Fichten, Kiefern und Lärchen bilden im Inneren des Stammes einen Kern aus besonders hartem, sehr widerstandsfähigem Holz, der von einem Mantel aus weicheren, elastischen Holzfasern umgeben ist. Das verleiht den Bäumen eine besondere Stabilität – ideal für die harten Lebensbedingungen im Bergwald.

Höhenstufen im Bergwald

Höhenstufen im Bergwald ©GEO-TRIP

Die Zusammensetzung der Bergwälder ist unter anderem abhängig von der alpinen Höhenstufe. Die natürliche Baumartenzusammensetzung verändert sich mit zunehmender Höhe. Sie wird bestimmt durch Abnahme der Temperaturen, Verkürzung der Wachstumszeit, Menge der Niederschläge, Windstärke, Dauer der Schneebedeckung und Zunahme der direkten Sonneneinstrahlung. Je nach Lage und Ausrichtung können sich die Höhenstufen deutlich verschieben. Deshalb stehen in südseitigen Lagen Bäume noch in Höhen, in den auf den Nordseiten nur noch Stauden und Latschen wachsen.

Wachsen ja, aber wo?
Im Gebirge haben es selbst die Pflanzen, die hart im Nehmen sind, nicht immer leicht. Manche Standorte sind besonders abweisend – wie hier am Fahrenberg. Felsiger Untergrund mit wenig Mutterboden macht es Bäumen und anderen Pflanzen schwer, Fuß zu fassen. Sind die Flächen gar noch nach Süden ausgerichtet, brennt die Sonne gnadenlos auf den Boden und heizt im Sommer die Hänge bis auf 50-60° C auf – ein wahrer Backofen. Die Süd-Ost Seite des Fahrenbergs ist zu einem großen Teil sehr steil, im Schnitt beträgt die Hangneigung 40°. Regenfälle fließen dort besonders schnell ab und spülen oft Teile des wertvollen Mutterbodens weg. In der Folge kann nur wenig Wasser im Boden gespeichert werden. Nur ganz besonders anspruchslose Bäume, wie die Kiefern, schaffen es, hier Fuß zu fassen. Mit ihren kräftigen Wurzeln klammern sie sich in Ritzen und Felsspalten fest und dringen weit in den Boden ein, um an die Feuchtigkeit in den tiefen Bodenschichten zu gelangen. Sehr viel schwerer haben es dagegen die Fichten. Mit ihren flachen Wurzeln können sie nicht an tiefliegende Wasserreserven gelangen. Wenn das Klima tatsächlich wärmer und trockener wird, wie Klimaexperten ja vorhersagen, hat das auf unsere Bergwälder massive Auswirkungen.

Alte Bergkiefern

Alte Bergkiefern ©GEO-TRIP

Bis ein stabiler Bergmischwald mit verschiedenen Holzarten und Bäumen aller Altersstufen entsteht, vergehen zwei bis dreihundert Jahre. Normalerweise würden die alten Bäume nach und nach absterben und durch nachwachsende junge Pflanzen ersetzt werden. Wenn diese natürliche Verjüngung des Waldes jedoch nicht stattfi ndet, führt das zu einer Überalterung der bestehenden Wälder. Die absterbenden Bäume hinterlassen Lücken im Bergwald und
im Lauf der Zeit entstehen daraus immer größere Lichtungen. Nach starken Schneefällen besteht dann die Gefahr von Lawinenabgängen, da nun keine Bäume mehr die Schneemassen zurückhalten können. Die Lawinen wiederum reißen weitere Bäume mit und vermindern die Lawinenschutzfunktion des Waldes immer weiter. Irgendwann entstehen große Lawinenstriche, die mit teuren und aufwändigen Maßnahmen verbaut werden müssen.

Wenn der Wald sich nicht verjüngt oder Katastrophen passieren:
Wenn Bäume nicht auf natürliche Art nachwachsen oder Großschadensereignisse wie Waldbrände oder Stürme Wälder zerstören, müssen baldmöglichst junge Bäumchen nachgepflanzt werden. Nur so können Schäden eingedämmt und langfristig behoben werden. In speziellen Baumschulen werden dafür Bäume aus ausgewähltem und für den späteren Standort geeignetem Saatgut herangezogen. Die Pflänzchen werden entweder wurzelnackt (ohne Erde) oder, wie hier auf dem Bild, mit dem Topfballen geliefert. Pro Stück kosten die Pflänzchen ca. 3,50 – 4,00 Euro (von der Aufzucht einschließlich der Pflanzung – Stand 2009). Da jedes Bäumchen nur von Hand gepflanzt werden kann, sind Pflanzaktionen zeit- und personalaufwändig und in schwierigem Gelände mitunter auch gefährlich. In gefährdeten Bergwaldbereichen ziehen sich Sanierungsarbeiten oft über Jahrzehnte hin. Deshalb können die Kosten schnell auf mehrere Hunderttausend Euro für nur eine begrenzte Fläche anwachsen. Ein Grund mehr also, unsere Wälder sorgsam zu behandeln.

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