Buckelwiesen „Auf den Riedern“ – Station 1 des Franziskus-Pilgerwegs

Buckelwiese „Auf den Riedern“ © B. Schwarz

Buckelwiesen sind Relikte aus längst vergangener Zeit. Heute gibt es nur noch wenige Flächen mit dieser besonderen Wiesenform. Die größten im Alpenraum befinden sich rund um Mittenwald. Aber auch bei Eschenlohe oder bei Ohlstadt lassen sich solche Buckelwiesen finden. Ursprünglich war in Eschenlohe die gesamte Feldflur „Auf den Riedern“ ein Buckelwiesenkomplex, der wegen der aufwändigen Bewirtschaftung im 20. Jahrhundert weitgehend eingeebnet wurde, sodass nur noch kleine Streifen erhalten blieben. Um diese zu bewahren, werden sie nicht gedüngt und nur einmal im Jahr gemäht oder von Ziegen beweidet. Diese sog. extensive Bewirtschaftung ermöglicht die Magerkeit des Rasens und führt in Verbindung mit den unterschiedlichen Standortbedingungen auf Buckeln und in Senken zu einer besonders großen Artenvielfalt.

Entstehung von Buckeln durch Verwitterung des kalkreichen Untergrunds © Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

Die Entstehung der Buckelwiesen ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Entstanden sind sie frühestens am Ende der letzten Eiszeit nach dem Abschmelzen der Gletscher. Diese sog. „Würmeiszeit“ hatte vor 20.000 Jahren ihren Höhepunkt. Seit ca. 15.000 Jahren ist das Alpenvorland weitgehend eisfrei, sodass erste Buckelwiesen entstehen konnten. Manche sind aber erst wenige hundert bis 1.000 Jahre alt.

Voraussetzungen für die Entstehung von Buckeln sind ein kalkreicher Untergrund und eine zunächst leicht gewellte Oberfläche, die durch Permafrost oder Windwurf entstanden sein kann. In den Vertiefungen kann die Verwitterung stärker wirken, weil es dort zu einer Wasseransammlung kommt: Das Wasser löst nun den Kalk auf, sodass eine größere Eintiefung entsteht. Dadurch bilden sich Mulden und Buckel, die 50 bis 100 cm hoch werden können.

Bei Ohlstadt wurde der Kalkstein bis 1939 abgebaut und zu Ziegeln gebrannt. Das Endprodukt – Maurerkalk oder Stuck – wurde dann mit Flößen auf der Loisach und Isar bis nach München geliefert.

Auf Buckelwiesen kann man über das ganze Jahr eine Fülle von Arten beobachten, im Frühling z.B. den Stängellosen Enzian (Gentiana clusii), den Frühlingsenzian (Gentiana verna), die Echte Schlüsselblume (Primula veris) und die Kugelblume (Globularia cordifolia), später im Jahr die duftende Prachtnelke (Dianthus superbus).

Die Buckelwiesen gehören zur Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte gestaltet wurde. Die extensive Bewirtschaftung leistet dabei einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität, womit eine herausragende Fülle an Lebensformen gefördert und erhalten wird. Die Buckelwiesen können als ein Kulturdenkmal gelten

Stängelloser Enzian (Gentiana clusii) © B. Schwarz

Prachtnelke (Dianthus superbus) © B. Schwarz

Kugelblume (Globularia cordifolia) © B. Schwarz

Spiritueller Proviant

„Gelobt seist du, mein Herr, durch alle deine Geschöpfe.“ (Hl. Franziskus, Sonnengesang)

Lobpreis und Dankbarkeit zeichnen den Hl. Franziskus aus. Er bezieht sich dabei auf die gesamte Schöpfung, weil alles Geschaffene der unendlichen Liebe Gottes entspringt. Alles ist auf den Schöpfer bezogen, ohne unfrei an ihn gekettet zu sein. Gott schafft in Freiheit und schenkt diese auch seinen Geschöpfen, weil er die Liebe ist und Liebe nur in Freiheit möglich ist. Der Hl. Franziskus lädt uns ein, unablässig und gerade auch in der Schöpfung und mit ihr Gott zu loben und auf seine Liebe zu antworten.

Wofür bin ich dankbar? Was bewegt mich zum Lobpreis Gottes?

Autor: Benjamin Schwarz

Quellen: Alpenbiotopkartierung; Bayer. Landesamt für Umwelt; Franziskus v. Assisi – Sämtliche Schriften.

Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

Über uns Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

Der Katholische Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen e. V. bietet mit seinen umfangreichen Bildungsangeboten und Projekten Zugang zu einer Welt der Vielfalt. Das Kreisbildungswerk will damit die Wahrnehmung unserer kulturellen und natürlichen Umgebung schärfen und so unser Leben bereichern. Es versteht Bildung aber auch als Chance, in dieser Welt den eigenen Lebensweg zu finden und zu gestalten.
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Bisher nicht bewertet)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.