Das System stinkt: Der Problemstoff Gülle

Mist ist gut für den Boden. Als Dünger aufgebracht auf den Feldern fördert er das Pflanzenwachstum, das wiederum Futter für die Tiere liefert, die den Mist für den nächsten Zyklus produzieren. Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft im 21. Jahrhundert ist dieser Kreislauf, der schon seit Jahrtausenden funktioniert hat, zum Erliegen gekommen.

In der Massentierhaltung ist die Streu aus den Ställen verbannt worden, Tierexkremente werden statt dessen unter einem Spaltenboden aufgefangen und als flüssiger Dünger als sog. Gülle auf den Feldern ausgebracht. Gülle mag zwar bei der Ausbringung einfacher zu handhaben sein als Mist und sich damit hervorragend zur Düngung eignen, dennoch ist sie zum Problemstoff geworden: Reine Massentierhaltung produziert eine Menge Gülle, für die kaum Ackerfläche zum Ausbringen zur Verfügung steht (man beachte: die Gülle von zwei Kühen, i. d. R. 32 Liter pro Tag, reichen aus für ein Hektar Land). Damit sind die Bauern gezwungen, die überschüssige Gülle auf den wenigen verbliebenen Feldern auszubringen, was zu massiven Umweltproblemen führt wie die Versauerung der Böden und die Verunreinigung von Gewässern mit den sich daraus ergebenden ökologischen Folgen für Flora und Fauna. In der Tat ist der Artenschwund heute in Süßgewässern massiver als in den tropischen Regenwäldern. Auch unser Trinkwasser ist belastet. Das hat selbst die Deutsche Düngeverordung (DÜV) bisher nicht verhindern können.

Die regionale Spezialisierung in der Landwirtschaft verschärft dieses Problem und schafft auch noch neue. Um die überschüssige Gülle loszuwerden, wird sie quer durch Deutschland transportiert bspw. nach Unterfranken, wo man sich auf Grünland spezialisiert hat, für dessen Düngung vor Ort wiederum die Tiere fehlen. Da Gülle größtenteils aus Wasser besteht (95%) ist der Transportaufwand hier enorm. Im Hinblick auf den Klimawandel kann das also auch keine Lösung sein. Somit ist die Gülle heute kein wertvoller Rohstoff mehr, sondern ein Problemstoff.

Dass dieses System auf Dauer nicht mehr tragbar ist, scheint offensichtlich zu sein. Ein Strukturwandel ist unabdingbar mit offenen Märkten und einem ausgewogenem Welthandel. Landwirte müssen wieder mit der verantwortungsvollen Aufgabe der Strukturpflege betraut und dafür ausreichend entlohnt werden. Unsere Landschaft sollte uns mehr Wert sein als ein paar Euros!

Quellen: diverse Beiträge der Fachtagung „Landwirtschaft-Gewässerschutz-Wasserschutz“, die am 5.4.17 in Freising stattgefunden hat; Gülle Gefahr für unser Trinkwasser, planetwissen (www.planet-wissen.de/video-guelle–gefahr-fuer-unser-trinkwasser-100.html)

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