Der Fluß in der Kunst: Loisach 1799

Die Loisach bei Wolfratshausen, Ludwig Neureuther, 1799

Der Maler Ludwig Neureuther (1774 – 1832) ist ein Vertreter der aus dem Kreis um Johann Georg Dillis entstandenen „Münchner Landschaftsschule“. Während seines Aufenthaltes in Bayern als Hofmaler von Max IV. Joseph widmete er sich vor allem der Vedute, der topografischen Ansicht bestimmter Orte und Sehenswürdigkeiten in ihrer landschaftlichen Umgebung. Das Aquarell „Die Loisach bei Wolfratshausen“ zeigt den Fluss aus der Perspektive von Norden nach Süden. Auf der Landstraße von München kommend eröffnet sich dem Betrachter vor allem der Blick auf die Loisach, im Hintergrund die Berge und die auf das Leben und Arbeiten am Fluss hinweisenden Stadelbauten und Holzlagerplätze. Der Markt Wolfratshausen mit seiner Pfarrkirche St. Andreas ist relativ klein aber im goldenen Schnitt in der rechten Bildhälfte zu sehen. Das Loisach Hochufer schneidet dabei den Blick im Vordergrund und stellt einen diagonalen Kontrast zum weiten, blauen Himmel links oben dar. Der Maler Ludwig Neureuther wird als ein „genauer Zeichner dessen, was er vor sich sah, ein der exakten Wiedergabe dienender Dokumentator“ eingeschätzt.

Bemerkenswert ist der idyllische Blick um 1800 auf eine bereits stark genutzte Kulturlandschaft. Die großflächigen Wiesen gehen bis knapp an das Ufer, sie sind kein „wildes“ und „gemeines“ Ödland mehr. In einem „zentralen“ Gewerbegebiet nutzen die Bewohner des Marktes Wolfratshausen die Ufer der Loisach bis auf den letzten Meter. Die mit dieser Flussnähe neu entstandene „Gefahr“ wird durch die Distanz der Betrachter auf einem sicheren Weg mit Zaun in den Hintergrund versetzt.

Quellen: Staatliche Grafische Sammlung, München; Ausstellungskatalog der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München.

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