Der Galgen für Raubbau an Flussperlmuscheln im Jahr 1700

Zum Schutz der Perlmuscheln, und vor allem der Perlmuschelfischerei in den fliesenden Gewässern des bayerischen Waldes, welche als landesherrliches Regal (Verfügungsrecht) betrachtet wird, erlässt Kurfürst Max Emanuel im Jahr 1700 ein Mandat, das sämtliche Vergehen im Zusammenhang mit Flussperlmuscheln unter strenge Strafe stellt.

Nicht nur der Diebstahl von Perlen und ganzen Flussperlmuscheln, sondern auch der Raubbau an Vorhandenen und an einigen Stellen bereits zurückgehenden Muschelbeständen durch wahlloses und unsachgemäßes öffnen des „Frosches“, wird unter Androhung des Erhängens am Galgen betraft.

Für die Anzeige eines Delinquenten erhalten Denunzianten eine Belohnung von 50 Gulden! Herzogliche Beamte, die zu großzügig mit den Übeltätern umgehen, müssen mit dem Verlust ihres Amtes rechnen. Die Apotheker werden verpflichtet, ihnen zum Kauf angebotene Perlmuscheln zu melden.

Einleitung der Mageritologie des Stadtmedicus Malachias Geiger in München von 1642, siehe auch Schonzeit für Perlmuscheln bereits um 1642

Bereits 1642 schlägt schlägt der Münchner Stadtmedicus Malachias Geiger eine Schonzeit für Perlmuscheln vor. Mehr hierzu siehe in dem Artikel Schonzeit für Perlmuscheln bereits im Jahr 1642. Die Gefährdung der Art nimmt nicht ab. Die bayerischen Flussperlen werden nicht nur für besonders kostbare Schmuckstücke begehrt, sondern auch in der Medizin, wo man ihnen magische Wirkung zuschrieb. Sie halfen gegen Augenkrankheiten, Syphillis, Pest und vieles mehr.

Heute gehört die Flussperlmuschel  (Margaritifera margaritifera) weltweit zu den gefährdeten Arten (IUCN endangered) und kommt in Bayern nur noch in wenigen Rückzugsgebieten vor.

Besonderheiten und Entwicklung (siehe auch Wikipedia): Die Flussperlmuschel kann nach neuesten Ergebnissen ein Alter von bis zu 280 Jahren erreichen. Größe und Alter nehmen nach Norden hin zu, so wird sie in Spanien meist nur 8–10 cm groß und etwa 60–70 Jahre alt, während sie in Schweden bis zu 280 Jahre alt und 14 cm groß wird. Ihre Vermehrung ist ein komplexer, da an anspruchsvolle Voraussetzungen gebundener, störanfälliger Prozess mit mehreren Zwischenstadien. Nachdem die winzigen Frühformen (Glochidien) der Muschel geschlüpft sind, benötigen sie als Wirt die Bachforelle, in deren Kiemen sie zehn Monate lang parasitisch leben; neben der Bachforelle sind nach bisherigen Untersuchungen nur noch der Huchen sowie in Nordeuropa der Atlantische Lachs geeignet. Sie wachsen von ca. 0,05 mm zur 0,5 mm großen Jungmuschel heran. Etwa im Mai, wenn die Temperatur und das Bachbett geeignet sind, lassen sie sich im Flussbett zwischen die Kiesel und Steine am Gewässergrund fallen und graben sich dort ein. Dort leben sie versteckt und kommen erst nach etwa sieben Jahren, im ausgewachsenen Stadium und mit der inzwischen gebildeten harten Schale, an die Oberfläche des Gewässergrundes. Sie verbringen dann den Rest ihres Lebens weitgehend stationär. In der Strömung lassen sie das Wasser durch ihre Kiemen fließen und filtern dabei Nahrungspartikel heraus. In ökologisch intaktem Umfeld bildet die Flussperlmuschel Kolonien. Man bezeichnet die großen Flussmuscheln, einschließlich der Flussperlmuschel, auch als Najaden.

Quellen:

Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Kurbayern Mandatensammlung 1700 VI 11; Wikipedia

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