Der höchste Berg und was wollen wir dort?

_AST8818lIn Deutschland ist die Zugspitze mit 2962 m der höchste Berg. Er hat eine eigene Postleitzahl (82475), drei Seilbahnen und Zugverbindung, doch wer mag und kann darf auch zu Fuß hinaufgehen. Ein Schicksalsberg. Ursprünglich hatte die Zugspitze drei Gipfel: Ost-, Mittel- und Westgipfel. Als einziger davon ist der vollständig in Deutschland liegende Ostgipfel in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben. Der Mittelgipfel fiel 1930 einer Seilbahn-Gipfelstation zum Opfer. 1938 wurde der Westgipfel gesprengt, um Bauplatz für eine geplante Flugleitstelle der Wehrmacht zu gewinnen. Diese wurde jedoch nie gebaut. Ursprünglich hatte die Höhe des Westgipfels 2964 m betragen. Heute fehlen zwei Meter. So it goes. Und hier noch mehr:

  • am 19. März 1922 landete der Pilot Franz Hayler, mit einem Flugzeug (Rumpler C.I) auf der Zugspitze. Die mit Kufen ausgestattete Rumpler C. I.-Doppeldeckermaschine landete auf dem Schneeferner, 50 m unterhalb des Gipfels.
  • am 29. April 1927 gelang Ernst Udet der Start auf dem Schneeferner mit einem Segelflugzeug, er erreichte nach 25 min Flug Lermoos. Per Seilbahn war der in Einzelteile zerlegte Flieger auf die Zugspitze transportiert worden.
  • Im Winter 1931/32 wurde eine Poststelle der damaligen Reichspost auf der Zugspitze eingerichtet. Sie existiert noch heute im Restaurant Sonn Alpin mit der Anschrift: 82475 Zugspitze.
  • 1931 gelang der erste Ballonstart von der Zugspitze.
  • Im April 1933 wurde der Berg von 24 SA-Männern besetzt, die auf dem Turm der Wetterstation eine Hakenkreuz-Fahne hissten.
  • Im März 1933 formierten sich SA- und SS-Männer auf dem Schneeferner in Form eines Hakenkreuzes.
  • Am 20. April 1945 warf die US-Luftwaffe über der Zugspitze Bomben ab, welche die Talstation der Tiroler Zugspitzbahn zerstörten und das Kammhotel beschädigten.
  • 1948 nahm die Deutsche Post eine Richtfunkanlage auf dem Gipfel in Betrieb.
  • Im September desselben Jahres balancierten drei Artisten auf Stahlseilen zwischen Ost- und Westgipfel.
  • Zwei Mitglieder der Traber-Familie fuhren dieselbe Strecke 1953 auf einem Hochseil mit dem Motorrad.
  • Seit 1953 findet auf dem Gatterl jährlich die Gatterlmesse statt. Anlass ist das Gedenken an den Lawinentod von vier bayerischen Grenzpolizisten im Jahr 1952.
  • 1962 zerstörte ein Brand das Kammhotel bei der Bergstation der Tiroler Zugspitzbahn.
  • Das Erdbeben von Friaul 1976 wirkte auf der Zugspitze besonders stark; der diensthabende Meteorologe befürchtete, der Beobachtungsturm könnte einstürzen.
  • Auf dem Zugspitzplatt wurde 1981 eine Kapelle gestiftet, die der Erzbischof von München und Freising, Josef Ratzinger, im Oktober Mariä Heimsuchung weihte.
  • Am 25. März wurde in der Gipfelstation ein Geldautomat installiert, der aber mittlerweile wieder demontiert ist.
  • 1995 erfolgte die Eröffnung eines 450 m² großen Ausstellungsraumes auf dem Gipfel, in dem Künstler halbjährlich wechselnd ihre Werke präsentieren.
  • Ebenfalls 1995 wurde der Grenzverkehr zwischen Deutschland und Österreich auf dem Gipfel freigegeben.
  • Seit dem Jahr 2000 wird alljährlich der Zugspitz-Extremberglauf ausgetragen. Er sorgte im Juli 2008 für großes Medienecho, als nach einem sommerlichen Wettersturz zwei Teilnehmer an Erschöpfung und Unterkühlung starben.
  • Ende August 2009 balancierte der Schweizer Freddy Nock auf dem Seil der Zugspitz-Gletscherbahn vom Zugspitzplatt zum Gipfel. Die 995 m lange und bis zu 56 % steile Strecke (Höhenunterschied: 348 m) legte er ungesichert in 50 min zurück.
  • Am 20. August 2011 balancierte Nock wieder über das Seil der Zugspitz-Gletscherbahn, jedoch verzichtete er diesmal auf eine Balancierhilfe.

Rund eine halbe Million Gäste erklimmen Deutschlands höchsten Gipfel pro Jahr. Bis zu 4000 Touristen am Tag. Erfolgsgeschichte: Eine Fahrkarte kostet 52,00 €……

Das obige Photo entstand kurz vor Sonnenaufgang auf der südwestlich von der Zugspitze gelegen Hohen Munde. Nach einer ruhigen Biwak Nacht. Ganz ohne Trubel, ein paar Meter niedriger als die Zugspitze. Die Götterdämmerung auf dem Platt. Der Berg kennt keine Schuld. Und was will ich auf der Hohen Munde in aller Ruh?

 

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3 Kommentare

  1. Vielen Dank für die interessanten Informationen. Der Preis für die Fahrkarte betrug bei unserem Besuch Ende 2016 allerdings nicht 52 €, sondern 44,50 € (incl. Skipass). Auch nicht billig, aber bei dem Andrang kann man es offenbar verlangen.

  2. Mein Thema ist der Flugzeugbau am Starnberger See. Da kommt auch der Franz vor (da aus Starnberg). Er schreibt sich allerdings original Hayler, was in der Literatur vielfach zu Hailer wurde.
    Beste Grüße, Anja Behringer

    • Schön das sie den Artikel über die Zugspitze gefunden haben. Und vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Namen im Text korrigiert. Flugzeugbau am Starnberger See ist ein sehr spannendes Thema. Haben sie hierzu etwas veröffentlicht?

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