Dichtergarten oder Konzertsaal

Dichtergarten, Finanzgarten oder Konzertsaal? Natur und Kultur dürfen in einer lebenswerten Zukunft nicht als Gegensätze verstanden werden. Öffentliche Grünanlagen sind keine Bauland-Reserven!

Entwurf für den neuen Konzettsaal im Dichtergarten

Entwurf für den neuen Konzertsaal im Dichtergarten

Das bayerische Kabinett zieht jetzt fünf Standorte für einen neuen Konzertsaal in München in die engere Wahl und lässt diese von einem Planungsbüro prüfen. Ein möglicher Standort davon ist der Dichtergarten bzw. Finanzgarten.

Der idyllische Dichtergarten liegt zwischen den Sehenswürdigkeiten Haus der Kunst und Hofgarten. Er wird meist Finanzgarten genannt. Die

Plan des Lustgartens von 1837. Daraus entstand der heute öffentlich zugängliche Dichtergarten.

Plan des Lustgartens von 1837. Daraus entstand der heute öffentlich zugängliche Dichtergarten.

Ursprünge des Dichtergartens gehen auf eine Bastion aus dem Dreißigjährigen Krieg zurück. Später wurde das Gelände als Gemüse- und Kräutergarten für das Theatinerkloster genutzt. Ende des 18. Jahrhunderts kaufte Abbé Pierre de Salabert, ehemals Staatsminister und Erzieher des Kurfürsten Maximilian IV. Joseph, den Theatinergarten. Er ließ einen landschaftlichen Garten anlegen und ein Palais erbauen, das heutige Prinz-Carl-Palais. Aus dieser Zeit stammt das noch erhaltene Untergeschoss eines Gartenpavillons, in dem sich heute der Heinrich-Heine-Brunnen befindet. Später erwarb König Maximilian I. Joseph das Gelände. Der Garten wurde von Friedrich Ludwig von Sckell unterhalten und erweitert. Ab 1876 war die Anlage Sitz der Österreichisch-Ungarischen Gesandtschaft und des Obersten Rechnungshofes, später Wohnsitz der bayerischen Finanzminister, denen auch das Recht der Gartenbenutzung zustand. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung „Finanzgarten“ in der Münchner Bevölkerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände zeitweise als Parkplatz und Tankstelle durch die Alliierten genutzt. Seit 1984 gibt es den Dichtergarten in seiner jetzigen Form. Ein Teil des ursprünglichen Parks wird weiterhin als Parkplatz für Autos genutzt.

Der Dichtergarten ist zwei Hektar groß. hügelig, angenehm schattig und weniger überlaufen als andere Münchner Parks. Er wirkt etwas vergessen und entsprechend märchenhaft verwildert, aber auf eine gute Art. Der Baumbestand besteht überwiegend aus Spitzahorn, Bergahorn, Rotbuche, Rosskastanie, Esche und Eibe. Hervorzuheben ist eine seit dem Ulmen sterben der 90er Jahre in München äußerst seltene Flatterulme.

Schöne, ausgewachsene Rotbuchen stehen im Dichtergarten mit vielen anderen, alten Bäumen und machen Ihn zu einem Kleinod für Baumfreunde.

Schöne, ausgewachsene Rotbuchen stehen im Dichtergarten mit vielen anderen, alten Bäumen und machen Ihn zu einem Kleinod für Baumfreunde.

Seit 2011 ist der Dichtergarten in seiner jetzigen Größe als öffentliche Parkanlage bedroht. Auf der Suche nach einem Konzertsaal gilt er als ein möglicher Standort. Eine Standortsuche die schon 1920 in München begann. Das sehr teuer erbaute und 1985 eröffnete Gasteig Gebäude sollte die Antwort auf diese alte Frage sein. Ist es aber nicht, da die Akustik zu schlecht ist für ein  Synfonieorchester mit Weltruhm wie das Bayerische Rundfunkorchester. Ein Lob den damaligen Architekten und Bauherren.

Am 2.2.2015 wurde von Ministerpräsident Seehofer und Oberbürgermeister Dieter Reiter öffentlich erklärt, das es keinen Neubau für einen Konzertsaal geben wird, sondern das Gasteig und der Herkules Saal renoviert werden. Leider kein aufatmen für mehr Grün in der Stadt!

Am  14.7.2015 liest sich in der Süddeutschen Zeitung:  Das bayerische Kabinett zieht jetzt fünf Standorte für einen neuen Konzertsaal in München in die engere Wahl und lässt diese von einem Planungsbüro prüfen. Als Favoriten gelten die Paketposthalle und das Werksviertel am Ostbahnhof. Eine Alternative bleibt der Dichtergarten! Ein Baubeginn könnte 2018 erfolgen.

Auch wenn die aktuellen Favoriten für den neuen Neuen Konzertsaal nicht mehr im Dichtergarten liegen, gilt es aufzupassen. Nach wie vor sind nur ein aktiver Naturschutz und der Widerstand in der Bürgerschaft der Garant für mehr Grün und damit Lebensqualität in der Stadt. Es ist unsäglich von den politisch verantwortlichen, Natur und Kultur als Alternativen gegenüber zu stellen. In Zukunft darf es keine Kultur mehr ohne Natur geben.

Weniger Grün in München darf nicht eine ernst gemeinte Alternative sein. Allein die Beauftragung eines Planungsbüros für die Option Dichtergarten ist im Grunde Hohn und Geldverschwendung. München ist die dichtest bebaute bundesdeutsche Großstadt. Da muss der Dichtergarten erhalten bleiben. Es geht um mehr grün, und nicht weniger grün in einer Stadt mit Kultur und Zukunft. Eine Aufwertung des Dichtergartens als Grünanlage wäre wünaschenswert.

Hier findest du den Dichtergarten:

Interessante Links und Quellen zum Thema:

Bund Naturschutz Bayern

Finanzgarten.net

Konzertsaal München

Wikipedia

Bayerische Schlösserverwaltung

Münchner Natur & Umwelt, BUND Naturschutz Kreisgruppe München, Heft 61, 2015

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