Die Eibe – Tafel 1 auf dem Geolehrpfad Herzogstand

Sieben verschiedene Eibenarten sind über die nördliche Halbkugel verbreitet. Eiben sind Relikte aus dem Tertiär (65 – 2,5 Mio. Jahre v. Chr.) und gelten damit als die ältesten Nadelbäume. In den Wäldern rund um Walchensee wachsen auffallend viele Eiben. Der Walchensee liegt in einem Talkessel. Nach Norden und Osten durch Berge vor kalten Winden weitgehend geschützt, von Süden durch die Sonne gut erwärmt, ist das Klima am Walchensee milder, als man es an einen Gebirgssee eigentlich erwarten würde.

Eiben gedeihen besonders gut in wintermildem Klima mit ausgeglichener Luftfeuchtigkeit – Voraussetzungen, die am Walchensee ideal erfüllt werden. Eiben bevorzugen flachgründige, feuchte, steinige Kalkböden mit gutem Nährstoffangebot. Die immergrünen Bäume sind schattenliebend und haben häufig mehrere Stämme. Ihre weichen Nadeln bleiben bis zu acht Jahre an den Zweigen. Eiben werden 15 – 20 Meter hoch, ihr Stamm kann bis zu einem halben Meter dick werden, und sie erreichen ein Alter von mehr als 1.000 Jahren.

Eiben sind zweihäusige Nadelbäume, das heißt, weibliche und männliche Blüten wachsen an verschiedenen Pflanzen. Erst mit ca. 20 Jahren werden die Bäume fortpflanzungsfähig. Die an den Zweispitzen sitzenden männlichen Blüten ähneln kleinen kugeligen Kätzchen. Die winzigen unscheinbaren weiblichen Blüten wachsen einzeln an den Zweigenden. Aus ihnen entwickelt sich eine leuchtend rote Scheinbeere, in deren Fruchtfleisch zwei schwarze Samen eingebettet sind. Bis zu vier Jahre dauert es, bis das Samenkorn keimt und eine neue Eibe zu wachsen beginnt. Eiben treiben auch direkt aus dem dicken Stammholz aus. Alle Bestandteile der Eiben, ausgenommen das rote Fruchtfleisch, sind giftig. Sie enthalten giftige Alkaloide, die für Menschen und Pferde tödlich sein können. Paarhufer wie Hirsche und Rehe, sowie Vögel, sind dagegen immun. Eiben werden vom Wild gerne beäst, besonders die jungen, frischen Triebe. In der Humanmedizin werden die Wirkstoffe der Eibe in der Krebstherapie als Zytostatika erfolgreich eingesetzt.

Im Gegensatz zu anderen Nadelbäumen wachsen Eiben sehr langsam und bilden dichte elastische Holzfasern. Diese Eigenschaft wusste man schon sehr früh zu schätzen – aus ihrem Holz wurden Lanzen, Feldbögen und Armbrüste gefertigt. Diese hervorragende Eignung führte im Mittelalter zu einer starken Übernutzung der Bäume und ließ sie in den Wäldern selten werden. Auch heute wird das harte, wertvolle Holz für Furniere, Vertäfelungen, in Tischlereien und beim Bau von Musikinstrumenten verwendet. Dass es am Walchensee noch so viele Eiben gibt, hat auch einen anderen Grund. Die Wälder und Berge waren Hofjagdrevier des bayerischen Königshauses. Dort wo Waldweide gestattet war, wurden die giftigen Eiben von den Weideberechtigten kurzerhand entfernt, damit die wertvollen Haustiere keinen Schaden nahmen. Hier jedoch war es der Bevölkerung nicht gestattet, das Vieh zur Waldweide auszutreiben. Darum blieben viele Eiben erhalten. Als Lebensbaum der Kelten, bei germanischen Völkern als Baum des Todes und Symbol der Ewigkeit, erlangte die Eibe mythologische Bedeutung. Angeblich fertigten Druiden ihre Zauberstäbe aus Eibenholz, da ihm magische Kräfte nachgesagt wurden. Und Cäsar glaubte, dass die Germanen die Spitzen ihrer Pfeile mit Eibensud vergiftet hätten, um ihn zu töten. Auch in der Volksmedizin wurde die Eibe eingesetzt.

Die Eiben gehören nach der Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Pflanzen und dürfen daher weder beschädigt noch ausgegraben werden.

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