Die Eroberung der Natur – 1753

Anweisungen zur ordentlichen Erfassung von Ödland von 1753
(1. von 5 Seiten). Quelle: Staatsarchiv München

In 23 Punkten, als Fragen formuliert, wird in einem Schreiben unter der Regentschaft des Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern darauf hingewiesen, was bei der Anzeige von „zumahl verhandene öde Güter und Höfe genau zu beobachten kommen“. Der „Cammer Secretarius“ Johann Adam Pöckhl erklärt in einem Schreiben vom 3. August 1753 in München, was bei der Erfassung „in guter Ordnung“ von Ödland zu beachten ist, damit dieses Land schnell und ohne juristische Auseinandersetzung besser genutzt werden kann. Neben einer Klärung der Größe und Besitzverhältnisse „obs nehmlich ein Erb-Recht, Leibs-Gerechtigkeit, veranlaithe Freyſtifft: oder, an einigen Orten, bey denen Pfarren herkommene Neuſtifts-Gerechtigkeit: endlichen, obs ein Beutl- oder, wie ſonſt bechaffenes Lehen geweſen?“ wird auf eine ausführliche Beschreibung der Nutzung hingewiesen. Dabei ist zu beachten, das „Wie viel an Holtz- Wies- und Aecker-Gründen, Obſt oder anderen eingefangenen Gärten, an, vorhin, wegen des Überfluß vor beſtändig, oder nur auf gewiſſe Jahr, unangebaut, gelaſſenen Plätzen, und dergleichen, dabey verhanden: auch ob die Wießmather, ein oder zweymädig ſeyen?“ und „Ob etwas von einer eignen, oder gemeinſamen Weydenſchafft“ ist. Es gilt auch zu beachten, ob das Land nicht einer anderen Nutzung unterliegt, wie etwa: „Ob ein Kalch- oder Ziegel-Ofen: ein Edler-oder Duft-Steinbruch; item ob nit ine Almb, oder ſonſt eine extra Bequemlichkeit zu einem Vieh-Zügel dabey verhanden ſeye?“ Am Ende des Textes wird zur allgemeinen Sorgsamkeit bei Berichten von wachsamen Unterthanen aufgerufen, damit auch Ortskundiges Wissen in den Bericht einfliest: „Und was ſonſten, ein wohlerfahren und verſtändiger Berichts-Verfaſſer, nach Beſchaffenheit der Umſtänden – des Orts – der Entlegenheit⸗ Nachbarſchafft – und dergleichen, noch an Handen zu geben finden: Wodurch, jemand, ſich, vor einem Käuffer anzugeben, veranlaſet, und angemuthet werden möchte?
Da endlichen wohl zu ermäßigen, daß die Beamte, nit jedwedere dergleichen Ort, ſelbſt in Perſon, werden beſichtigen: oder den völligen Augenſhein dabey einnehmen können, ſondern, ſich, villeicht, mehrentheits, mit denen Anzeig- und Erläuterungen der Amt- und Obleutt, oder anligend benachbarten Unterthanen, nothwendig behelffen müſſen, ſo wären, ſolchenfalls, dieſe Nachricht⸗gebende Perſonen, nachdruck ſamiſt dahin zu ermahnen, daß ſie ſich, hierunter, auf keiner ungleich⸗oder unerfindlichen Angab betretten laſſen, ſonderen, ihre Anzeigen, ſo einrichten, damit ſie, dabey, jederzeit beſtehen mögen, wann es, über Kurtz, oder Lang, auf eine durchgehend⸗ordentlich- und genauere Unterſuchung ankommen wurde.“

Im 17. Jahrhundert verschiebt sich die Positive Konnotation in der Sprache vom Gemeinnutzen zum Eigennutzen. Erwerb wird zu nutzen, was sonst brach liegt und verdirbt, und ist nicht mehr Habgier und Bereicherung von etwas, was mit allen in der Gemeinde zu teilen ist. Im 18. Jahrhundert wird die „effiziente“ Eroberung der Natur dann zum Staatsziel gemacht. Im 19. Jahrhundert werden hierfür die technischen Mittel entwickelt, welche dann im 20. Jahrhundert flächendeckend angewendet werden.

In Deutschland sind für das 18. Jahrhundert unter anderem die Landkultivierung in Preußen unter großem Einsatz von menschlicher Arbeitskraft zu nennen. Ein Beispiel ist die Flussbegradigung. Das heutige Landschaftsbild des Oderbruchs wurde durch die Begradigung der Oder geprägt. Die Eindeichung und Trockenlegung des Feuchtgebietes erfolgte nach Anfängen ab 1735 im Wesentlichen zwischen 1747 und 1762 unter dem preußischen König Friedrich II. Es war ein gewaltiger, systematischer Umbau der Natur der hier seinen Anfang nahm.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 Bewertungen, Durchschnitt: 4,50 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.