Die Flussseeschwalbe Sterna hirundo in Bayern ab Mitte des 20. Jahrhunderts: Bestandsentwicklung, Schutzmaßnahmen und Bruterfolg

Der folgende Beitrag ist die Zusammenfassung des wissenschaftlichen Artikels „Die Flussseeschwalbe Sterna hirundo in Bayern ab Mitte des 20. Jahrhunderts: Bestandsentwicklung, Schutzmaßnahmen und Bruterfolg“ von Heribert Zintl und Andrea Gehrold erschienen im Ornithologischen Anzeiger 55: 1–22.
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Zusammenfassung

Mitte des 20. Jahrhunderts gab es in Bayern noch einige große Flussseeschwalben-Kolonien mit 30–50 Brutpaaren (BP). Dann erfolgte aber der schnell fortschreitende Ausbau der dealpinen Flüsse in Form von Kraftwerkstreppen. Die Folge war fast überall der Verlust der Geschiebedynamik, wo durch natürliche Kiesinseln als Flussseeschwalben-Brutplätze verloren gingen. Durch künstliche Nistflöße und Inseln wurden aber in den 1980er Jahren verstärkt Ersatzhabitate geschaffen, die die Wende zum neuen Wachstum des Brutbestands einleiteten. Mittlerweile gibt es wieder über 300 BP. Dahinter stand eine Reproduktionsrate (RR) von 0,82 Flügglingen/BP*Jahr (1992–2014) und sicher auch Zuwanderung. Von 2005–2014 wiesen kleine Kolonien (≤ 10 BP) mit durchschnittlich 1,08 Flügglingen/BP die höchste RR auf. In mittelgroßen Kolonien (11–30 BP) wurden durchschnittlich 0,93, in großen Kolonien (> 30 BP) 0,70 Flügglinge/BP verzeichnet. Insgesamt trugen aber die großen Kolonien mit durchschnittlich 121 Flügglingen/Jahr am meisten zur Brutpopulation bei (kleine Kolonien 51, mittelgroße Kolonien 71 Flügglinge/Jahr). Momentan liegen alle Koloniestandorte in Südbayern und verteilen sich auf folgende vier Brutzentren: „Iller-Donauwinkel“, „Ammersee Starnberger-See-Süd“, „Mittlere-Untere-Isar“, bedingt auch „Rottauensee-Salzachmündung“.

Mit Flussseeschwalben vergesellschaftet brüteten am häufigsten Möwenarten. In geringer Zahl waren es Sturmmöwen und die aggressionsschwächeren Schwarzkopfmöwen. In höherer Zahl vor allem Lachmöwen und Mittelmeer möwen, die als ernstzunehmende Brutplatz konkurrenten auffielen. Als Prädatoren wurden Fuchs, Habicht und Wanderfalke beobachtet. Für nächtliche Kükenverluste und darauffolgende Brutabbrüche waren wohl Eulenvögel verantwortlich. Um abzuschätzen, welche Faktoren den Bruterfolg beeinflussen, wurden zwei der größten bayerischen Flussseeschwalben-Kolonien verglichen (1992–2014): Am Ammersee fiel die Reproduktionsrate durchschnittlich höher aus (0,94 Flügglinge/BP) als am Starnberger See (0,74 Flügglinge/BP), was vermutlich auf eine höhere Nahrungsverfügbarkeit, die vorgegebenen N est reviere mit reichlich Deckung für die Küken sowie die Manipulation der Lachmöwen-Bruten zurückzuführen war. Außerdem gab es nur am Starnberger See einen negativen Zusammenhang von Reproduktionsrate und BP-Zahl. Eine Unter suchung der Sub-Kolonien (2000–2005) ergab, dass die Reproduktionsrate dabei stärker von der Größe der gesamten Kolonie abhing als von der jeweiligen Gelegedichte. Zwischen der Gelege dichte und dem Anteil tot aufgefundener oder von Altvögeln weggetragener Küken fand sich kein eindeutiger Zusammenhang. Der Anteil der weggetragenen Küken nahm aber signifikant in den Jahren zu, in denen weniger Küken durch andere Ursachen zu Tode gekommen waren.

Wir schlussfolgern, dass der Bruterfolg im Süß- und Salzwasser-Habitat von ähnlichen Faktoren beeinflusst wird, und stellen eine Exponen tialfunktion RR = f (n BP in Kolonie) vor, mit der sich für bestimmte Süßwasserstandorte (Nahrung limitiert, kaum Beutegreifer-Effekte) abschätzen ließe, ob es sinnvoll ist, zusätzliche Brutmöglichkeiten anzubieten. Allgemeine Hinweise zur Betreuung eines Flussseeschwalben Brutplatzes und zu wichtigen Konstruktionselementen eines Brutfloßes sind in der Diskussion zusammengestellt.

Autoren: Heribert Zintl und Andrea Gehrold

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