Die große Schifffahrt um 1800

Der Transport von Waren auf dem Wasser insbesondere auch Flüssen mittels Schiffen ist seit jeher von großer Bedeutung. Doch während etwa im norddeutschen Raum viele unterschiedliche Wasserstraßen wie Rhein, Elbe oder Weser die Landschaft durchziehen sieht es im Süden wesentlicher schlechter hierfür aus. Südlich der Donau finden sich kaum mehr schiffbare Flüsse, zumindest schien es sich dort (einzelne Erfolge gab es schließlich, etwa der Transport von Torf, siehe den venGo Artikel hier) nicht sehr zu lohnen. Einzig die Floßfahrt ist hier noch sehr gut möglich und wurde auch rege genutzt.
Doch um das Jahr 1800 gab es von so manchem Baumeister Gedankenspiele dies zu verändern. Die Isar für die große Schifffahrt umzubauen war diese Vorstellung. Wenn dies natürlich auch mit großen Kosten und Mühen in Verbindung stand.

Darstellung des Isarabschnitts München - Tölz im Strom-Atlas von 1806.

Darstellung des Isarabschnitts München – Tölz im Strom-Atlas von 1806.

Um dies für einen Fluss wie die Isar umzusetzen braucht es nicht nur eine Begradigung des Flusslaufes, sondern auch etwa dass erhöhen der Tiefe. Letzteres hätte sich wohl als ein ziemlicher Akt dargestellt da selbst Flößer oft über Problemen mit den Sandbänken des Gebirgsflusses klagten:

„Oft geschieht es, daß Flöße im Fahren aufsitzen; hier müssen dann die Floßleute in das Wasser, und die Flösse mittels Hebeln wieder in den Gang bringen. Der Fluß ist daher auch nicht schiffbar.“  (Strom-Atlas)

Zudem wäre alles dies natürlich nur mit großen eingriffen in die natürliche Umgebung und den Lebensraum vieler verschiedenen Arten möglich gewesen. Alleine dass wohl nötige einmauern des Flussbettes kann, zumindest aus heutiger Sichtweise, einen immensen Schaden ausrichten. Doch selbst wenn man den Faktor Naturschutz ignoriert ist von hohen Bau und vor allem Unterhaltskosten auszugehen. Insbesondere wenn man die oft gefürchtete Unberechenbarkeit des Flusses und der Natur miteinbezieht.

Ein weiteres zu klärendes Problem zum Bau einer Wasserstraße sind Engstellen des Flusses, etwa durch felsiges Gelände. Hierfür kann es nötig werden das Flussbett mittels Sprengungen zu erweitern. Es gab an der Isar tatsächlich, unabhängig von der Schiffbarmachung, Überlegungen zugunsten der Flößerei hierzu. Diese wurden jedoch wegen der dadurch neue einstehenden Gefahren nie umgesetzt:

„Die Erweiterung der engen Flußbahn durch Sprengen mußte man unterlassen, indem man wohl voraussah, daß bey niederem Wasserstande die Floßfahrt über die schroffen Felsen noch mehr gefährdet, wo nicht ganz gesperret würde.“

Dies Bedeutet aber nicht, dass nicht bereits Stellen an der Isar verändert wurden. Es fanden, an weniger kritischen Stellen, durchaus Begradigungen und ähnliches statt. Dass dies nicht nur positive Folgen nach sich zog, dürfte beinahe jedem klar sein, so erhöhren etwa Begradigungen eines Flusses stets die Fließgeschwindigkeit und somit etwa auch die Gefahr von Hochwassern.

Aus diesen und anderen, wohl auch hauptsächlich ökonomischen Gründen bleiben diese Überlegungen was sie waren. Zu einer Umsetzung in dieser Form kam es nie, bis heute sind auf der Isar nur Flöße und das ein oder andere Schlauchboot unterwegs.
Der Isar brachte dies nichts, viele Uferabschnitte, insbesondere in der Nähe von urbanen Gebieten, wurden einbetoniert und ihrer Natürlichkeit beraubt. Ein umdenken setzte erst im letzten drittel des 20. Jahrhunderts langsam ein.

Quelle (Text und Bild): Riedl, Adrian: Strom Atlas von Baiern, München 1806.

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