Die Natur ist zum Genießen da – Regeln sind zum Einhalten da

Die Isar ist die schönste Flusslandschaft Deutschlands. Ich komme aus Ascholding, bin also an der Isar groß geworden, und genieße als begeisterter Kanadier-Fahrer ihre einzigartige Natur. Vom Boot aus sieht man im und am Fluss einfach mehr als vom Ufer aus. Ihr Erhalt ist für mich eine Herzensangelegenheit! Seit diesem Jahr bin ich zusammen mit Bernhard März als Isarranger zwischen Bad Tölz und Schäftlarn unterwegs und kümmere mich als verlängerter Arm der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Bad Tölz-Wolfratshausen u. a. darum, dass die Regeln am Fluss eingehalten werden. Zu diesen zählen in erster Linie geschützte Uferbereiche nicht zu betreten, Müll mitzunehmen, Lärm zu vermeiden, kein Feuer zu machen oder zu grillen, nicht wild zu campen.

Über die letzten 20 bis 30 Jahre habe ich leider feststellen müssen, dass der Bootsverkehr auf der Isar massiv zugenommen hat. Während früher überwiegend Naturliebhaber mit Faltboot oder Kajak unterwegs waren, sieht man heute eine Masse an Freizeitfahrern, die mit ihren Billigbooten eine lärmende Party auf dem Fluss veranstalten. Sie gefährden damit nicht nur sich selbst – immerhin ist die Isar ein Wildflusss, nicht ohne Grund heißt sie schließlich „die Reißende“ (keltisch, ys: schnell, reißend) – sondern auch die Umwelt.

Natürlich gibt es unter den Bootsfahrern auch nach wie vor die Naturliebhaber, die sich an die entsprechenden Regeln halten, oder die Sportler, die einfach nur die Isar hinunter fahren wollen. Auch viele der Anbieter von organisierten Boots- bzw. Raftingtouren verhalten sich vorbildlich. Ich habe auch schon erlebt, dass ein paar Unternehmen sogar fremden Müll eingesammelt haben.

Durch das große Angebot an Billigbooten auf dem Markt, kann jeder schnell zum Gelegenheitsfahrer werden: Auto parken, wo auch immer Platz ist, runter an die Isar, Boot und Gehänge für den Bierkasten auspacken, einsteigen, Musik an, die Party kann beginnen. Die Verpackung bleibt meist am Ufer zurück, das Gehänge, das so konzipiert ist, dass der Bierkasten unter der Wasseroberfläche hinterher gezogen wird, bleibt an der nächsten Kurve hängen. Der Kasten fällt um, die Flaschen zerschellen am Boden, weiter geht es ohne Gehänge bis zu einer einsamen Kiesbank, wo die Party mit Alkohol und lauter Musik weitergeht. Die Partygäste hinterlassen dort ihren Müll, kaputte Flaschen und nicht zuletzt häufig auch ihr Boot. Es war ja auch so billig. Nicht selten kentert ein Boot oder wird von treibendem Totholz aufgeschlitzt. Die Billigboote sind einfach nicht für einen Wildfluss geeignet. Die Besatzung landet im Wasser und muss gerettet werden. Diese und ähnliche Szenarien bieten sich mir als Isar-Ranger besonders an sonnigen Wochenenden zuhauf. Dieses Verhalten stellt nicht nur eine Gefahr für die Bootsfahrer und ggf. Rettungskräfte dar, sondern ist auch eine echte Bedrohung für die Umwelt. Neben der massiven Verschmutzung durch Müll, werden bspw. Bodenbrüter wie der inzwischen sehr selten gewordene Flussregenpfeifer durch den Lärm und das Anlanden an Kiesbänken massiv gestört. Landen Boote an, kann der Bruterfolg für ein ganzes Jahr ausfallen. Auch wenn diese Kiesbänke mit Hinweisschildern und Zäunen markiert sind, so halten sie dennoch nicht alle Bootsfahrer ab, dort zu rasten.

Damit die Regeln am Fluss beachtet werden, ist es wichtig, als Ranger Präsenz zu zeigen. Manchmal reichen aber bei Verstößen nicht mal Verwarnungen, Platzverweise oder die Androhung von Bußgeldern. Trotzdem bin ich gegen ein generelles Fahrverbot auf der Isar, denn die Natur ist zum Genießen da! Aber, man muss sie lernen wertzuschätzen und bereit sein, die Regeln einzuhalten. In Gesprächen und mit Infomaterialien vor Ort versuchen wir als Isar-Ranger, die Besucher aufzuklären und für Naturschutz zu sensibilisieren. Für zwei Einschränkungen würde ich mich aber dennoch aussprechen: ein Verbot von Beibooten für die Bierkästen und von übermäßigem Konsum von Alkohol auf der Isar, ähnlich den Bestimmungen im Straßenverkehr.

Wir bieten auch Exkursionen und Führungen an, die gerne angenommen werden. Besonders Kinder sind empfänglich für Themen rund um die Natur, je jünger desto interessierter sind sie. Hier sehe ich eine echte Chance, dass beide Ansprüche – Naturschutz und Erholung – auch in Zukunft nebeneinander bestehen bleiben können.

Sollten Sie Interesse an einer Führung oder Exkursion an oder auf der Isar haben, dann wenden Sie sich bitte an Sabine Walter, Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, Sachgebiet 35, Tel.: 08041/505-325, sabine.walter@lra-toelz.de

Zum Download: Naturschutzgebiet Isarauen – zwischen Schäftlarn und Bad Tölz (PDF-Datei), ein Flyer des Landratsamts Bad Tölz-Wolfratshausen

 

Logo Landratsamt

www.lra-toelz.de

Über uns Sebastian Thalhammer

Der 64-jährige Ascholdinger Sebastian Thalhammer ist seit Mai 2016 als einer von vier Isar-Rangern im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen unterwegs. Sebastian Thalhammer kennt die Isar bestens, da er aus der Gegend stammt. Er ist Landwirt mit eigener Land- und Forstwirtschaft und seit 44 Jahren in der Bergwacht aktiv.
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Bisher nicht bewertet)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.