Eiche im Leipziger Auwald – Eisen und Holz

Wir sind im Leipziger Auwald. Das Foto zeigt zwar nicht die typische Auenwaldansicht, aber ein skurriles Detail im Leipziger Auwald, zu dem man sich Gedanken machen kann.

Auwald im Frühjahr, Kurios: Eingewachsener Guss-Abfalleimer, Markkleeberg-West

Auwald im Frühjahr. Kurios: Eingewachsener eiserner Abfalleimer

Kennzeichnend für den Leipziger Auwald ist der Charakter der Hartholzaue. Auf dem Bild sieht man die typische Baumart, die Stieleiche, die gegenüber vielen anderen Laubhölzern in früheren Zeiten, als es die Frühjahrshochwasser noch gab, deutliche Widerstandsvorteile gegen die Nässe zeigte. So findet man noch heute im Auwald viele alte, auch sehr kräftige Bäume der Art wie auf dem Foto. Das Besondere an diesem Exemplar ist aber, dass er offenbar schon seit vielen Jahrzehnten mit einem schweren eisernen Papierkorb kämpft und  seit einiger Zeit bemüht ist, diesen in sich einzustülpen, ihn zu überwachsen. An der oberen Öffnung hat die Eiche den Durchmesser schon fast völlig in sich aufgenommen. Wann wird der stählerne Eimer ziemlich unbedacht an ihm festgenagelt worden sein? Man sieht noch an der Unterseite eine Vorrichtung, mit der dies geschah. Ich schätze auf wenigstens 60 Jahre.

Der Eimer an einem Baum in einem Auwald zeigt also auch etwas anderes: Das Besondere am Leipziger Auwald ist die unmittelbare Nähe der Stadt. Das alte Leipzig lag östlich der Aue und die letzten Jahrhunderte ließen auch westlich viele Stadtteile entstehen. Heute ist der langgestreckte Auwald auf beiden Seiten von Leipzig umgeben. Und seit langer Zeit hat der Leipziger Bürger den Auwald als seine Erholungslandschaft erkannt und genutzt, die von seinem Haus schnell zu Fuß und später mit Straßenbahn und Rad noch leichter zu erreichen war.

Heute gilt es mehr als früher, den Leipziger Auwald als einen solchen zu erhalten. Die für ihn typischen Stieleichen, Ulmen und Eschen gerieten in Nachteil gegenüber den anderen, vor allem Weichholz-Laubbäumen. So wird das Unterholz zunehmend von jungen Ahornbäumen gebildet. Ursache gibt es verschiedene, hauptsächlich sind es jedoch die fehlenden Frühjahrsüberflutungen. Hier hat der Mensch mit Maßnahmen zum Hochwasserschutz eingegriffen, die leider auch die Frühjahrshochwasser grundsätzlich vermeiden. Hier gibt es einiges zu tun, denn diese Überschwemmungen sind auch ohne Gefahr für die Stadt tolerabel und für den Leipziger Auwald lebensnotwendig.

DSCN1202_1280Noch ein Detail im oberen Foto im südlichen Auwald des Frühjahrs: Der Auwald hat über große Gebiete einen flächendeckenden Bodenbewuchs mit Bärlauch, der mit seinem Verwelken im Frühsommer für Schwaden des Knoblauchgeruchs sorgt, die in die nahen Stadtgebiete ziehen.

Ein zweites Foto zeigt den Stahleimer in der Stieleiche heute, 5 Jahre später und im schattigen Sommerwald. Die obere Öffnung hat die Stieleiche nahezu ausgefüllt.

Matthias L. F. Ladusch

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