Auf der Suche nach Artenvielfalt in Neuhausen

Baumgrößenbestimmung mit dem Tablet

Baumgrößenbestimmung mit dem Tablet

Die Klasse 4a der Gertrud Bäumer Grundschule in München machte sich im Mai 2015 auf die Suche nach Artenvielfalt in der Umgebung, um sie mit neuen Medien zu dokumentieren. Sie fand „Wildnis“ mit Vielfalt, leider aber auch Müll.

Ausgewählter Ort war der Beginn der Heßstrasse im Kreativquartier Schwere Reiter Strasse zwischen der Infanterie- und der Dachauerstrasse. Der Ort wurde gewählt, weil er frei zugänglich war und seit Jahren nicht „gepflegt“ und damit zur „Stadtwildnis“ wurde.

1. Der erste Teil begann im Klassenraum. Wir näherten uns dem Thema Artenvielfalt (Biodiversität) an. Fragen wie: „Was gibt es alles in der Natur?“ oder „Was ist lebendig?“ gaben uns eine Richtung zur eigenen Definitionserstellung. Auch beschäftigten wir uns mit den Fragen ‚warum Artenvielfalt wichtig ist‘ und ‚warum es sich lohnt achtsamer mit unserer Umwelt um zu gehen‘.

2. Im zweiten Abschnitt gab es in der Klasse eine Diskussion im Umgang mit dem Handy/Smartphone. Hierbei konnten alle erst einmal ihre Erfahrungen in die Runde geben, die sie mit Smartphones und anderen modernen Medien schon gemacht hatten. Zudem gingen wir der Frage nach, was eigentlich alles in so einem Smartphone drin steckt. Vom mobilen Telefon bis hin zum Wetterdienst kann man heutzutage auf unterschiedliche Weise mit anderen Menschen in Kontakt treten und hat viele Möglichkeiten an Informationen heran zu kommen. Hierbei beschäftigten wir uns mit der Frage, was ein „guter“ Umgang mit modernen Medien ist, wie man sich schützen und was man in die Welt hinaus geben kann bzw. will.

3. Nach einer kurzen Einführung in die Handhabung der Tablets kam es zu dem dritten Abschnitt. Die Schülerinnen und Schüler gingen in Kleingruppen zusammen und wurden zu „Detektiven“ der Artenvielfalt. Wir gingen gemeinsam in die Heßstrasse. Dort gab es eine kleine z.T. asphaltierte Freifläche die mit Graffiti bemalten Mauern umgeben war. Hier konnte sich jede Gruppe einen Ort suchen, um die Tier- und Pflanzenwelt zu erforschen. Wie man an einigen Bildern erkennen kann, fanden sie leider an manchen Stellen auch Müll. Die  Gruppen bestimmten für sich einen interessanten Ort, gaben ihm einen Namen, fotografierten und beschrieben ihn. Sie hatten die Möglichkeit an diesen Ort zu schauen, was dort wächst bzw. lebt und konnten ihrer Kreativität freien Lauf lassen, indem sie ein Spiel, ein Gedicht und / oder eine Geschichte für ihren Ort erfanden. Als kleine spielerische Ergänzung stand ihnen noch die „kleine Waldfibel“ und eine „OSM Tracking“ App zur Verfügung, mit denen sie Bäume und die Entfernung von der Schule bis zu diesem Ort bestimmen konnten. Auf dem Hinweg legten wir eine Strecke von 1,560 km und auf den Rückweg 1,290 km zurück.

4. Zurück in der Klasse war auch schon der erste Tag zu Ende. Der Tag war für alle angefüllt mit vielen neuen Informationen und Erfahrungen.

5. Nachdem die Inhalte in das Blogportal und in venGo aufgenommen wurden, konnte am kommenden Tag jede Gruppe vor der Klasse eine Präsentation der eigenen entdeckten Orte vorführen.

Im folgenden Abschnitt präsentieren die einzelnen Gruppen in ihrer eigenen Sprache und Sichtweise, was sie bei ihrer kleinen Expedition entdeckten:

Gruppe HeKi findet den „grünen Ruheort“

„Grüner Ort wo man den Zaun fast nicht sieht. Große waagerechte Zweige mit einem Ahornbusch daneben. 34 m vom hinteren Zaun entfernt. Vor der Ampel schräg gegenüber zum hochragendem Busch, mit Kratzblättern.“

Der grüne Ruheort

Der grüne Ruheort

 

Was ist das?

Was ist das?

 

 

Was ist das?

Was ist das?

Die Gruppe konnte einen Ahornbaum bestimmen. Zwei andere große Büsche waren schwierig zu benennen. Könnte das Untere eine junge Buche sein? Vielleicht hilft uns folgende Pflanzenbestimmungswebseite weiter: www.pflanzenbestimmung.de

Spielvorschlag: „Bei uns könnt ihr erraten was der andere euch in die Hand legt.“

Gedicht: „Dies ist der Ort, an der Ampel dort, nur ein Wort, grün. Grün ist die Farbe, die jeder Busch hat. Nun ist es End.“

 

Gruppe NiNiNa zeigt die „Graffitiwand“

Graffitiwand mit Efeu

Graffitiwand mit Efeu

 

Ameisenhaufen

Ameisenhaufen

 

 

 

 

 

 

 

Der Ort ist eine Graffitiwand. Es wächst Löwenzahn (Pusteblumen), ein Pflanze (Efeu) wurde mit Graffiti eingesprüht, Ameisen liefen am Boden herum.

Spielidee: TIC TAC TO mit Stöcken – Stöcke überkreuzen, so dass 9 kleine Flächen entstehen. Einer spielt mit Blättern, der andere mit Gräsern. Wer als Erstes eine 3er Reihe geschafft hat, hat gewonnen.

 

Gruppe CSI und die „Schneckenversammlung“

„Man kommt zu einem Ameisenhaufen, wenn man hinter der Freiwilligen Feuerwehr Schwabing einen Eingang der zu einem Platz mit einer Ampel geht und zu einem Gulli dann kommt man zu einem Ameisenhaufen“.

Eine bewachsenen Graffitimauer

Eine bewachsenen Graffitimauer

 

Die Schneckenversammlung

Die Schneckenversammlung

 

 

 

 

 

 

Eine Zigarettenschachtel im Grünen gefällt uns nicht

Eine Zigarettenschachtel im Grünen gefällt uns nicht

Neben einem Ameisenhaufen, an dem sich die Gruppe orientierte, fand sie einige Schnecken, die sie sehr interessierte. Und auch sie kamen nicht an dem Müll vorbei ohne ihn zu fotografieren.

 

Die Spatzen vom Naturschutz  erforschen den „Busch und das Wattegebiet“

„Das Gebiet ist am Anfang des Weges, wenn man rechts in einem Pfad biegt sieht man einen Baum mit einem Busch.“

„Es gibt eine Linde und einen Brombeerbusch. Und Watte ähnliche Blüten, die auf dem Boden liegen“

Der Blick durch die Linde

Der Blick durch die Linde

 

Ein Brombeerbusch

Ein Brombeerbusch

 

 

 

 

 

 

 

Ein paar Gedanken zur Linde:

„Am Baum da wächst der Brombeerbusch. Im Herbst da reifen seine Beeren. Im Sommer geht die Sonne hinterm Busch auf und am Abend geht die Sonne hinterm Baum unter. Im Herbst da reifen seine Beeren und können süß schmeckend gepflückt werden. Im Winter scheint der Mond die Brombeeren an und schwubs da fängt’s von vorne an“.

 

Gruppe NSA2 präsentieren den „Kaputta“ Ort

Bienenstöcke

Bienenstöcke

 

Ahorn

Ahorn

 

 

 

 

 

 

 

„Als Erstes sieht man einen Bienenstock, dann eine Ampel, dann geht man geradeaus und biegt nach rechts ab und sieht einen schattigen Platz“ (wenn man im Frühling um die Mittagszeit dorthin kommt)

Spielvorschlag: „Wer in einer Minute die meisten Schnecken findet, hat gewonnen.

 

Sunny Funny und das „Dornplätzchen“

„Es ist an einer Linde. Auf der Linde ist mit roter Farbe 405 gemalt. Davor ist ein Dornenstrauch, dessen Zweige auch über dem Baum hängen“.

Linde

Linde

 

Brombeerbuschblatt

Brombeerbuschblatt

 

 

 

 

 

 

 

Die Gruppe fand außer der Linde und dem Brombeerbusch Gräser, Hummeln, Ameisen, Spinnen.

Ein kurzes Gedicht: „Wir mögen die Linde gern, denn man erkennt sie von nah und fern.“

 

Buaja das Babbel Team sieht die „bewachsene Mauer“

thematisiert dann aber den Abfall, der hier leider herumliegt…

Müll im Grünen

Müll im Grünen

 

Umgestürzter Baum

Umgestürzter Baum

 

 

 

 

 

 

 

 

„Wenn du einen Müll sieht, dann bist du da!“

„Der Müll ist nicht loll, aber die Pflanzen hier sind sehr toll.“

Spielvorschlag: „Wer die meisten Spinnen findet, hat gewonnen“

 

Die Knochendetektive und die „grüne Miniwelt“

„Steht neben einer Baustelle an einem Zaun und ist wunderschön und perfekt erkennbar“

Was ist das?

Was ist das?

 

Ahorn

Ahorn

 

 

 

 

 

 

 

Pflanzen in der grünen Miniwelt: Ahornblatt, Brombeerblüten und Buchen, sowie eine Pflanze, die weiße Blüten auf ihren Blättern liegen hatte.

Spielidee: Versucht aus den Watte ähnlichen Blüten einen Faden zu spinnen und etwas zu häkeln (funktioniert natürlich nur im Frühling)

 

Die Gruppe Freiheit gibt dem Ort einen Namen: „Grünerort“

Ameisen

Ameisen

Sagt mal was ist das?

Sagt mal was ist das?

 

 

 

 

 

 

 

Sie finden Ameisen, Lungenkraut, Kräuter und auch leider Müll.

Deshalb ihr Spielvorschlag: „Wer den meisten Müll aufräumt hat gewonnen“

(Hierzu fällt mir ein Kindergarten ein, der das Thema Müll in der Natur und Stadt für sich zum Jahresprojekt machte. Neben der Beschäftigung mit der Mülltrennung sind die Kinder raus gegangen, haben den Müll mit selbst gebastelten Stecken auf gepickt, gesammelt und getrennt. Die Bevölkerung machten sie mit Flyern darauf aufmerksam, dass nicht mehr so viel Müll einfach so auf den Wegen weggeschmissen werden soll. Es dauerte eine Weile, aber die Kinder bewegten allmählich etwas in ihrer Umgebung.)

 

7. Vor der Präsentation beschäftigten uns aber noch die Fragen: „Warum ist eine biologische Vielfalt für uns wichtig?“ und „Was können wir als einzelner dazu beitragen?“Die Gruppen stellten in ihren Präsentationen ihre Gedanken dazu ebenfalls vor. Da sich Einiges wiederholte ist hier ein kurze Zusammenfassung:

Die biologische Vielfalt ist wichtig…

  • … damit die Umwelt geschützt bleibt.
  • … für die frische saubere Luft, die wir zum Leben brauchen.
  • … für die Medizin und zur Erholung.
  • …, dass die Nachfahren von uns auch die Umwelt sehen können.
  • … für den Nahrungskreislauf aller Lebewesen.

Ich kann als einzelner….

  • … umweltfreundlicher Einkaufen.
  • … weniger Fleisch und Fisch essen (Biofleisch essen).
  • … keinen Müll in die Gewässer werfen.
  • … weniger Auto fahren.
  • … nicht so oft neue Möbel kaufen.
  • … Müll vermeiden.
  • … Bäume pflanzen, denn sie und die Meere sind sehr wichtig für unseren Sauerstoff.
  • … Tiere und Bäume schützen.
  • … keine Fische angeln.

Beim letzten Punkt entstand eine kurze Diskussion, was man als einzelner bewirken kann, wenn z.B. große Fischereien die Meere leer fischen. Wenn wir selber nicht so viel Fisch benötigen, bestellen die Läden weniger und die Fischereien brauchen nicht mehr so viel zu fangen. Die Nachfrage steuert das Angebot. Wenn also jeder anfängt umzudenken, dann können wir gemeinsam etwas bewirken. Weniger ist manchmal mehr…

8. Nach Rückmeldungen der Schüler und Schülerinnen war das Projekt schön, weil…

  1. … wir raus gegangen sind,
  2. … wir durch das Erforschen Sachen entdecken konnten, die wir vorher nicht so gesehen hatten,
  3. … weil es cool und lustig war

Wünschenswert wäre gewesen, wenn …

  1. … wir das nächste Mal eigene Handy / Smartphonenutzung zulassen würden,
  2. … die Handhabung mit dem Fotoapparat leichter wäre zum Scharfstellen,
  3. … es ein nicht so sonniger Tag gewesen wäre, da die Nutzung der Tablet’s erschwert wurde.

Was haben wir gelernt,…

  1. …, dass Nashörner vom Aussterben bedroht sind.
  2. …, das Biodiversität biologische Vielfalt bedeutet und verschiedenen Arten in unterschiedlichen Ökosystemen leben. (Das Korallenriff ist z.B. ein Ökosystem. Wenn die Korallen aussterben, können auch die vielen Fische und anderen Lebenwesen nicht mehr überleben, da sie keine Nahrung mehr finden und ihr Schutz wegfällt.)
  3. …, dass es überhaupt Tiere gibt, die vom Aussterben bedroht sind.
  4. …, dass es Menschen gibt, denen die Natur egal ist.
  5. …, dass es die Rote Liste der bedrohten Tierarten gibt.

Aufgrund des HSU Themas’s Müll und Mülltrennung waren die Schüler und Schülerinnen sehr offen dafür, sich zu überlegen, was man mit dem Müll auf dem Gelände, auf dem wir uns einen Tag zuvor aufhielten, machen könnte. Die Spielidee „Wer den meisten Müll aufsammelt gewinnt“ könnte eine Motivation sein. Aber auch die Anregung von dem Kindergarten, der ein richtiges Müllprojekt startete, fand bei einigen Kindern Anklang. Inwieweit solche Projektideen im Schulalltag aufgegriffen und weiter verfolgt werden können, muß man sehen. Aber zumindest kann ich sagen, dass unser Projekt für die Schüler und Schülerinnen neue Sichtweisen eröffnet, sowie zum Nachdenken angeregt hat.

Ich danke vielmals der Klassenlehrerin und der Schulleiterin für die Offenheit unser Projekt durchführen zu können. Zudem danke ich allen Schülerinnen und Schülern der Klasse 4a für’s Mitmachen. Ihre Sichtweisen sind es, die uns die Augen öffnen, auch wenn es nicht immer gefällt.

Über Rückmeldungen und Anmerkungen freue ich mich sehr.

Hier noch ein link zu weltweiten Kinderorganisation plant a planet, die neue Bäume pflanzt: http://www.plant-for-the-planet.org/de/startseite#intro und damit mehr „Wildnis“ schafft.

 

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3 Kommentare

  1. Hallo Yvonne,
    das scheint ja super gelaufen zu sein, Klasse. Sind denn weitere solche Aktionen geplant?
    Ganz lieber Gruß
    Tine

  2. Das Projekt war für die Kinder sehr lehrreich. Ihr Bewusstsein, dass man die Umwelt schützen muss und viele Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht sind, wurde gestärkt. Die Kombination von Hinausgehen in die Natur, der Blick aufs Detail, das Erfahren von Faktenwissen und die Möglichkeit dies auf das eigene Leben zu übertragen und sich auszutauschen, hat mir sehr gut gefallen. Vielen Dank an Frau Struck für Ihr Engagement!

  3. Schülerin die mitgemacht hat bei dem Projekt

    Ich fand das Projekt sehr schön, weil man da mal mal die Vielfalt und die Natur näher entdecken kann.

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