Entstehungsgeschichte Walchensee – Tafel 2 auf dem Geolehrpfad Herzogstand

Mit einer Gesamtfläche von 16,4 km2  und einer Tiefe von 192,3 m ist der Walchensee nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel und Tummelplatz verschiedenster Wassersportler, sondern auch einer der größten Alpenseen Deutschlands. Und noch etwas macht ihn zu einer Besonderheit: da seine Grundform schon während der Alpenfaltung angelegt wurde, gehört er zu den ältesten Seen in Deutschland. Der Walchensee verdankt seine Entstehung dem Zusammentreffen mehrerer geologischer Besonderheiten und Ereignisse:

Während der Alpenfaltung, die vor etwa 20 Millionen Jahren einsetzte, wurden mächtige Gesteinsschichten muldenförmig verformt. Am tiefsten Punkt von zwei zusammentreffenden Mulden liegt heute der Walchensee. Die Gesteine der Walchenseeregion sind von mehreren Störungen durchzogen. Störungen sind Zonen, in denen das Gestein des Untergrunds Risse, Spalten und Bruchstellen aufweist.

Diese „Schäden“ entstanden durch die enormen Druck-, Zerr- und Schubkräfte, die mit der Gebirgsbildung einhergingen.

Sie reduzieren die Festigkeit der Gesteinsschichten zum Teil beträchtlich. Einige dieser Schichten enthalten zudem besonders weiche, wenig widerstandsfähige Gesteine wie Kössener Kalke (Trias) und Lias-Fleckenmergel (Jura). Während der letzten 2,5 Millionen Jahre waren die Alpen mehrfach von den Gletschern der verschiedenen Eiszeiten bedeckt. Diese Gletscher flossen aus den Zentralalpen in die tiefer liegenden Gebiete des Alpenvorlandes ab. Obwohl Gletscher sich nur langsam bewegen, können sie Landschaften nachhaltig verändern. Auf seinem Weg in das Alpenvorland fl oss ein Seitenarm des Isargletschers über Mittenwald und Wallgau nach Walchensee. Von dort strömte ein Teil des Eises über den Kesselberg nach Kochel hinab.

Das Gletschereis räumte und schürfte die bei der Alpenfaltung angelegten Täler weiter aus. Weiche Gesteine, lockeres Material und die weniger widerstandsfähigen Felsen der Störzonen wurden von den Gletschern besonders gut herausgelöst und wegtransportiert.

So entstanden lokal tiefe Mulden. Eine dieser Vertiefungen blieb am Ende der letzten Eiszeit noch lange mit Eis gefüllt. Die „Eisfüllung“ verhinderte, dass Schmelzwasser die ausgeschürfte Vertiefung wieder mit Schotter und Moränenschutt auffüllte. Im Lauf der Zeit schmolz das Eis in der Vertiefung ab und ließ einen See entstehen, den Walchensee. Der See hat mit der Obernach nur einen natürlichen Zufluß. Deshalb kann insgesamt nur wenig Flussgeschiebe in den See gespült werden. Der natürliche Verlandungsprozess wird dadurch extrem verlangsamt – sehr zur Freude aller Naturliebhaber.

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