Erdkröten in der Leipziger Aue

Der Frühling hat mit seinen besonderen Zeichen begonnen. Man wird als Städter durch die Sonnenwärme und die sich entfaltende Vegetation, Vogelgesänge und die typische Reviermarkierung der Spechte wieder mehr in den Leipziger Auwald gelockt. Der zurückliegende Herbst und Winter war eher die Zeit vieler Veranstaltungen, in denen es um den wirklichen Auwald als solchen ging, nämlich eine Landschaft, die von Fluss- und Bachläufen begleitet und immer wieder, besonders im Frühjahr, vom höheren Wasseraufkommen überschwemmt wird.

Ein Erdkrötenmännchen (links) zeigt sein Interesse für ein noch einsames Weibchen.

Im Leipziger Auwald gibt es dies seit 1938 nicht mehr. Damals wurde die neue Luppe fertiggestellt, die einen schnellen Abfluss großer Wassermengen möglich machen und damit einen Hochwasserschutz sichern sollte. Dass dies nicht ausreichte, zeigte das Hochwasser im Jahre 1954. Die Konsequenz war der Bau des Nahleauslasswehres, welches bei extremem Hochwasser die Pegelspitze durch seine Öffnung abfangen sollte. Es blieb jedoch über 50 Jahre ungenutzt, und wurde erst Januar 2011 und Juni 2013 eingesetzt. Die damit verbundene Flutung der Nordwestaue war damals jedoch kein normales Hochwasser für diesen Auwaldteil, sondern eine plötzliche, massive Überschwemmung mit hunderten Kubikmetern pro Sekunde und folglich Schäden für Flora und Fauna. So hatten auch viele Tiere, die normalerweise im Auwald mit Hochwasser leben, keine Chance.

Die zurückliegenden acht trockenen Jahrzehnte haben in Fauna und Flora ihre Folgen. Mit der Idee, einem Teil des Leipziger Auwaldes wieder eine Frühjahrsüberschwemmung zuzuführen, wurde ein Projekt im südlichen Auwald in den Neunziger Jahren begonnen. Im kleinen Maßstab wird ein Teilbereich des Baches Paußnitz jedes Jahr einem Frühjahrshochwasser ausgesetzt. Beobachtungen zu Landschaft, Flora und Fauna sollten Erkenntnisse liefern, wie sich die für größere Teile des Auwalds angestrebten Überschwemmungen auswirken werden. Wer sich aber die Geschichte des Flüsschens anschaut, in die besonders die Tagebauförderung von Braunkohle, aber auch die Anlegung des Elsterhochflutbettes zum Hochwasserschutz schwer eingegriffen haben, kann nicht glauben, dass diese Langzeitversuche im kleinen Maßstab verallgemeinerbare Ergebnisse liefern werden. Ein Düker, eine künstliche Druckleitung, die das ebenso künstliche Elsterflutbett unterquert, bringt aus der eigentlichen Weißen Elster lediglich 50 l/s über den Lauerschen Grenzgraben in die Paußnitz.

Fast akrobatisch belagern vier Männchen ein Weibchen.

Am Lauf der (Mittleren) Paußnitz gibt es weiter nördlich eine kleine Aufweitung des langsam fließenden Baches – ein kleiner See mit stehendem Wasser. Ebenso wie die alte Totarme im Auwald, die im Frühjahr lange genug Wasser halten, ist dieser „Paußnitzsee‟ eine Chance für die Lurche. Jetzt im März fallen die hier sich sammelnden Erdkröten mit ihrem besonderen Laichverhalten auf. Das wunderliche Verhalten von Männchen, die sich alle ein ablaichbereites Weibchen sichern wollen und so in ihrer Überzahl stark bedrängen, ist hier sehr gut zu beobachten.

Matthias Ladusch (Text) Jan Rillich (Fotos)

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