Es ist nicht leicht, ein Frosch im Landkreis Starnberg zu sein…

Möchte man heute wirklich noch Grasfrosch, Springfrosch, Laubfrosch, Erdkröte, Bergmolch, Kammmolch oder Teichmolch sein, deren Vorfahren seit vielen Generationen zwischen Winterlebensraum und Laichgewässer ungestört zu tausenden hin und her gewandert sind? Letztes Jahr wurde kurz vor Beginn und während der Amphibienwanderzeit der Wald zwischen Weßling und Wörthsee gerodet, in dem sich ein Teil der Tiere im Winter zurückgezogen hatte, der Wanderkorridor mit riesigen Maschinen befahren und die Baumwurzeln aus der Erde gerissen. Dann wurde der Baustellenbereich für Amphibien mehr oder weniger dicht gemacht.

Laubfrosch

Laubfrosch (Hyla arborea)

Seither enden Hin- und Rückweg am Amphibienzaun, um zu verhindern, dass die Tiere auf der Baustelle zerquetscht werden. Ist es schon schwer, die an- und rückwandernden ausgewachsenen Tiere möglichst schonend über die Baustelle zu bringen, so ist es bei dem Ansturm von tausenden von Hüpferlingen praktisch unmöglich. Die Helfer der ökologischen Baubegleitung hatten – sofern sie überhaupt vor Ort waren – viel Mühe damit, während die Straße gebaut und so ausgestattet wurde, dass die Amphibien nach der Fertigstellung die Straße unterqueren können. Dabei wurde viel ausprobiert und immer wieder verbessert.

Insgesamt 49 Tunnel unterqueren die Straße. Einerseits darf die Lauffläche nicht zu trocken, andererseits aber auch nicht zu nass sein, damit die Tiere die Unterführungen annehmen. Wie kann das gewährleistet werden? Gleichzeitig mit einer Wasserbevorratung für Trockenzeiten und Versickerungsmöglichkeiten bei starkem Regen in den Untergrund? Wir, die wir die Straße für einen dramatischen Eingriff in Natur und Landschaft halten, wünschen uns nichts mehr, als dass die Anlage funktionieren wird, damit die geschützten Amphibienarten eine Chance haben, weiterhin zwischen ihren Lebensräumen zu wandern. Auch wenn wir nicht glauben können, dass dies ohne große Verluste funktionieren wird – obwohl es per Gesetz zu keiner Bestandsverschlechterung kommen darf.

Einer von knapp 50 Amphibientunnel unter der Umgehungsstraße Weßling

Einer von knapp 50 Amphibientunnel unter der Umgehungsstraße Weßling

Erst nach zwei Jahren wird die Funktionsfähigkeit der Amphibiendurchlässe kontrolliert. Sollten sie nicht funktionieren, so müssen die Tiere Ersatzlaichgewässer finden, die entgegen ihrer eigentlichen Wanderrichtung eingerichtet worden sind. Man wird aber wohl eher versuchen, neue Populationen aufzubauen, da man die den Tieren angeborene Wanderrichtung nicht einfach umpolen kann. Fest steht, dass eines der artenreichsten Amphibiengebiete durch die Straße deutlich beeinträchtigt wird. Die längst überfällige Verkehrswende kommt leider auch hier zu spät. Die Zerschneidung der Landschaft und vor allem der Lebensräume hat stattgefunden und nimmt wohl kein Ende.

 

 

 

Fotos: © Bund Naturschutz Kreisgruppe Starnberg

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