Franziskus-Pilgerweg: Von Eschenlohe zum Franziskanerkloster St. Anton

Schöpfungsspiritualität und Biodiversität

Der Pilgerweg des Heiligen Franziskus von Eschenlohe zum Franziskanerkloster St. Anton in Partenkirchen bietet dem Wanderer einzigartige Naturschätze in ihrer ganzen Vielfalt. Franziskus lädt dazu ein, die Welt auch in ihren spirituellen Dimensionen wahrzunehmen als Lobpreisung und Dank an den Schöpfer. Die einzelnen Wegstationen halten Informationen über die Biodiversität – die Vielfalt des Lebens – und über die Geschichte der Orte bereit. Der  „Spirituelle Proviant“ ist eine Anregung zur Reflexion auf dem Pilgerweg.

Ausgangspunkt: 82438 Eschenlohe, Pfarrkirche St. Clemens
Weglänge und Anforderungen: a) Hauptweg über die „Sieben Quellen“ ca. 17,5 km; leichter Anstieg, nur am Wasserfall etwas steiler; festes Schuhwerk v. a. bei feuchtem Boden. b) Alternativweg entlang der Loisach ca. 16,2 km; leichter Anstieg; festes Schuhwerk.
Naturräume: artenreicher Magerrasen, Streuwiesen, Alpenmagerweide, Moorweide, Pfeifengraswiesen, Geröllfeld, Hochmoor, Sumpf- und Bruchwald mit Schwarzerlen, Auwälder, Quellen mit hochspezialisierten Arten, Wasserfall, Flussmündung des Lauterbachs
Geologische Besonderheiten: Buckelwiese
Kultur: Pilgerweg des Hl. Franziskus, Via Romea, Burg Werdenfels, Wallfahrtskirche und Franziskanerkloster „St. Anton“, Zeugnis eines Besiedlungsversuchs im frühen 19. Jahrhundert (Mühlwiesen), „menschgemachte Artenvielfalt“ auf Streuwiesen, Magerrasen und Moorweide
Charakter der Tour: Dieser Pilgerweg bietet eine reiche Palette an Lebensräumen in einer beeindruckenden Landschaft. Der Weg verläuft am Ortsausgang von Eschenlohe über die Riedern vorbei an Buckelwiesen-Resten, über die „Sieben Quellen“ entlang von Sumpf- und Bruchwäldern ehe Geröllfelder erreicht werden. Dort lässt sich das Pfrühlmoos überblicken, ehe ausgedehnte Streuwiesen folgen. Nach dem Oberauer Wasserfall geht es weiter in Richtung Farchanter „Föhrenheide“, einem alten Weidegebiet, das von parkartig stehenden Wald-Kiefern geprägt ist. Teilweise verläuft die Route auf der „Via Romea“, einem uralten Pilger- und Handelsweg. Das Franziskanerkloster St. Anton liegt malerisch am Berghang und bietet einen grandiosen Ausblick. Eine Alternativroute verläuft von Eschenlohe entlang der Loisach durch weitläufiges Extensiv-Weideland sowie artenreiche Streuwiesen. In Oberau trifft dieser Weg den Hauptweg.

Artenvielfalt auf Franziskus Pilgerweg

Flussregenpfeifer
Flussregenpfeifer
Glauterbachmündung
Glauterbachmündung
Händelwurz
Händelwurz
Schafe am Weg
Schafe am Weg
Läusekraut
Läusekraut
Ursprünge
Ursprünge
Seidelbast
Seidelbast
Sumpfschrecke
Sumpfschrecke
Rosmarinheide
Rosmarinheide
Sonnentau
Sonnentau
Brunnenkresse
Brunnenkresse
Grasfrosch
Grasfrosch
Sumpfdotterblume
Sumpfdotterblume
Mosaikjungfer
Mosaikjungfer
Armleuchteralge
Armleuchteralge
Prachtnelke
Prachtnelke

 

Die 13 Stationen des Franziskus-Pilgerwegs:

Station 1: Buckelwiese „Auf den Riedern“, ein Natur- und Kulturdenkmal
Station 2: Die „Sieben Quellen“, ein Lebensraum für hochspezialisierte Arten
Station 3: Sumpf- und Bruchwald, seltene Waldformen mit hoher Biodiversität
Station 4: Geröllfeld und Hochmoor, Artenvielfalt und enorme Wasser- und CO2-Speicher
Station 5: Streuwiesen im Pfrühlmoos, eine „menschgemachte“ Artenvielfalt
Station 6: Wasserfall Fahrmannslaine, Mosaik der Natur
Station 7: Die Föhrenheide, eine Alpenmagerweide mit alten Pflanzenarten
Station 8: Farchant – „Ursprünge“, das Quellgebiet des Röhrlbaches
Station 9: „Via Romea“, alte Pilger- und Handelsstraße
Station 10: Wallfahrtskirche und Franziskanerkloster „St. Anton“, im Gedenken an zwei Heilige
Station 11: Mühlwiesen, Zeugnis eines Besiedlungsversuchs im 19. Jahrhundert
Station 12: Loisach – Lauterbachmündung, Vielfalt im und am Fluss

Station 1: Buckelwiese „Auf den Riedern“, ein Natur- und Kulturdenkmal

Buckelwiese „Auf den Riedern“ © B. Schwarz

Von dem einstigen Buckelwiesenkomplex „Auf den Riedern“ sind heute nur noch kleine Streifen übrig, deren hohe Artenvielfalt durch eine extensive (zurückhaltende) Bewirtschaftung erhalten geblieben ist. Buckelwiesen gelten deshalb auch als ein Kulturdenkmal. Diese Magerrasen sind Relikte der Eiszeit, deren Vertiefungen sich durch Verwitterung im kalkreichen Untergrund gebildet haben. Hier gedeihen z. B. Stängelloser Enzian (Gentiana clusii), Frühlingsenzian (Gentiana verna), Echte Schlüsselblume (Primula veris), Kugelblume (Globularia cordifolia) und Prachtnelke (Dianthus superbus).

Spiritueller Proviant

„Gelobt seist du, mein Herr, durch alle deine Geschöpfe.“ (Hl. Franziskus, Sonnengesang)

Lobpreis und Dankbarkeit zeichnen den Hl. Franziskus aus. Er bezieht sich dabei auf die gesamte Schöpfung, weil alles Geschaffene der unendlichen Liebe Gottes entspringt. Alles ist auf den Schöpfer bezogen, ohne unfrei an ihn gekettet zu sein. Gott schafft in Freiheit und schenkt diese auch seinen Geschöpfen, weil er die Liebe ist und Liebe nur in Freiheit möglich ist. Der Hl. Franziskus lädt uns ein, unablässig und gerade auch in der Schöpfung und mit ihr Gott zu loben und auf seine Liebe zu antworten.

Wofür bin ich dankbar? Was bewegt mich zum Lobpreis Gottes?

Lies mehr …

Station 2: Die „Sieben Quellen“, ein Lebensraum für hochspezialisierte Arten

Nördlicher Bereich der „Sieben Quellen“ © B. Schwarz

Quellen, ein Sinnbild für Klarheit und Reinheit, bieten hochspezialisierten und gefährdeten Arten einen geeigneten Lebensraum. Das sulfathaltige Wasser der „Sieben Quellen“ am Fuße des Estergebirges bei Eschenlohe hat eine hervorragende Qualität und stammt u. a. aus dem Grundwasser des Loisachtals. An den Quellen finden sich viele Arten von Armleuchteralgen (Characeen), Wasserminze (Mentha aquatica), Brunnenkresse (Nasturtium officinale) und Starknervmoos (Palustriella commutata). Dort gibt es auch viele Libellenarten wie bspw. die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea).

Spiritueller Proviant

„Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser.“ (Hl. Franziskus, Sonnengesang)

Franziskus lobt Gott durch alles Geschaffene, so auch durch das Wasser, das er als Schwester und als „kostbar und keusch (hier: rein)“ bezeichnet. Er verklärt nicht die Natur, sondern wendet bei der Betrachtung und Wertschätzung des Geschaffenen seinen Blick zum Schöpfer.

Was bedeutet für mich eine Quelle?

Lies mehr …

Station 3: Sumpf- und Bruchwald, seltene Waldformen mit hoher Biodiversität

Sumpfwald am Rande des Pfrühlmooses © B. Schwarz

Die Sumpf- und Bruchwälder zwischen Estergebirge und Pfrühlmoos gehören zu den sehr artenreichen Lebensräumen. Von den selten gewordenen Waldformen, die durch Überflutung entstanden sind, ist im Loisachtal an einigen Orten noch der ursprüngliche Zustand erhalten. In der Baum-, Strauch- und Krautschicht finden sich die hierfür charakteristischen Pflanzen und Tiere. Beachtenswert sind die Schwarzerlen (Alnus glutinosa) mit ihren Stelzwurzeln und die vielfältigen Amphibien und Vögel, die unter und im Totholz Schutz finden.

Spiritueller Proviant

„Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, sichere Hoffnung und vollkommene Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle.“ (Gebet des Hl. Franziskus)

Franziskus strahlte nach dem Zeugnis seiner Mitbrüder eine tiefe Gelassenheit aus, auch wenn er mit den Finsternissen und dem Leid des Lebens konfrontiert wurde. Allerdings war es auch für ihn ein langer Weg dorthin. Diese Gelassenheit ist nicht zu verwechseln mit einer Gleichgültigkeit. Franziskus empfand tiefen inneren Frieden, den er aus der Gewissheit der Existenz Gottes bezog. Weil er sich Gott anvertraute, war es für ihn möglich, die Wirklichkeit in allen ihren Erscheinungsformen anzunehmen und sich von Herzen zu freuen. Er liebte die Schöpfung und wusste, dass er von Gott geliebt wird.

Was hilft mir, belastende Dinge loszulassen? Was schenkt mir Herzensfreude?

Lies mehr …

Station 4: Geröllfeld und Hochmoor: Artenvielfalt und enorme Wasser- und CO2-Speicher

Hochmoor im Pfrühlmoos; links im Bild der Schwemmkegel. © B. Schwarz

Charakteristisch für das Geröllfeld der Schinderlaine ist das Nebeneinander von vegetationslosen und bewachsenen Flächen mit Moosen und Felsspaltenarten wie Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia) und Weißer Silberwurz (Dryas octopetala). Mit zunehmendem Bewuchs finden sich Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus), erste Sträucher (Weiden) und Bäume sowie als Endstadium der Schneeheide-Kiefernwald.
Das Pfrühlmoos besitzt neben Niedermooren ausgedehnte Hochmoorkomplexe, die ausschließlich vom Niederschlagswasser gespeist werden. Mit ihrem Wasserreichtum, den sauren Bodenverhältnissen und der Nährstoffarmut bieten Moore einen selten gewordenen Lebensraum für hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Der aus unvollständig zersetztem Pflanzenmaterial gebildete Torf speichert große Mengen an Wasser und CO2 und trägt damit zum Klimaschutz bei.

Spiritueller Proviant

„Wo Geduld ist und Demut, da ist nicht Zorn noch Verwirrung.“ (Hl. Franziskus, Geistliche Weisungen, „Von der Tugend, die das Laster verjagt“)

Bis ein Geröllfeld bewachsen ist oder aus einem See ein Moor entsteht, braucht es Zeit. Sinnbildlich kann dies für vieles im menschlichen Leben stehen, wo Geduld und Demut gefragt sind. Demut (lateinisch humilitas = Bodenhaftung) meint, die Dinge so zu betrachten, wie sie sind, nüchtern, mit Bodenhaftung. Zusammen mit Geduld führt das zu innerer Ruhe und einem klaren Blick.

Bin ich ein geduldiger Mensch? Wo fällt mir die Geduld schwer?

Lies mehr …

Station 5: Streuwiesen im Pfrühlmoos, eine „menschgemachte“ Artenvielfalt

Streuwiese im Pfrühlmoos mit Stängellosem Enzian (Gentiana clusii) und Mehlprimel (Primula farinosa) © B. Schwarz.

Streuwiesen entstehen dadurch, dass die Wiesen nicht gedüngt und nur einmal, spät im Jahr, gemäht werden. Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Pflanzen ihre Samen abgeworfen, Insekten ihren Generationszyklus durchlaufen und Wiesenbrüter ihre Brut abgeschlossen. Deshalb findet sich hier eine besonders große Artenvielfalt. Die Mahd wird als Einstreu (daher die Bezeichnung „Streuwiese“) für Tierställe verwendet und ist besonders saugfähig. Auf den Streuwiesen im Pfrühlmoos wachsen u. a. Stängelloser Enzian (Gentiana clusii) und zahlreiche Orchideenarten. Im Spätsommer blüht der Lungenenzian (Gentiana pulmonanthe). Das Pfeifengras (Molinia caerulea) verleiht den Wiesen im Herbst ihre gold-gelbe Färbung. Der seltenen Sumpfschrecke (Stethophyma grossum) und den seltenen Wiesenbrütern wie Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Bekassine (Gallinago gallinago) und Wachtelkönig (Crex crex) bieten Streuweisen den geeigneten Lebensraum.

Spiritueller Proviant

„Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“ (Hl. Franziskus, Sonnengesang)

Die franziskanische Schöpfungsspiritualität betont, dass der Mensch immer in Beziehung steht – mit anderen Menschen, mit den nicht-menschlichen Mitgeschöpfen und mit Gott. Franziskus nennt „Mutter Erde“ seine Schwester und betrachtet so nicht nur alle Mitmenschen, sondern die gesamte Schöpfung als seine Familie. Beziehungslosigkeit führt zu Ruhelosigkeit, Unachtsamkeit und sogar zu Brutalität. Der achtsame, aufmerksame Blick auf das Umgebende ermöglicht das Lob Gottes und führt zu wahrer Freude.

Welche Beziehungen sind mir besonders wichtig? Wo darf ich aufblühen?

Lies mehr …

Station 6: Wasserfall Fahrmannslaine, Mosaik der Natur

Wasserfall der Fahrmannslaine © B. Schwarz

Die Fahrmannslaine beeindruckt mit einem Wasserfall kurz vor ihrem Schwemmkegel. Die Umgebung ist geprägt durch unterschiedlichste Lebensräume mit einer großen Artenvielfalt. So finden sich an den sonnigen Felspartien Alpen-Aurikel (Primula auricula), an den steilen Fels- und Grabenhängen Schneeheide-Kiefernwälder und Seidelbast (Daphne mezereum). An feuchten Stellen wachsen Wolfs-Eisenhut (Aconitum lycoctonum) und Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria). Die sonnigen Kiesbänke nutzt der Trauermantel (Nymphalis antiopa) für sein Sonnenbad.

Spiritueller Proviant

„Allmächtiger, heiligster, erhabenster und höchster Gott, du alles Gut, höchstes Gut, ganzes Gut, der du allein gut bist, dir wollen wir erweisen alles Lob, alle Herrlichkeit, allen Dank, alle Ehre, allen Preis und alles Gute. Amen.“ (Aus einem Preisgebet des Hl. Franziskus)

Das Lob Gottes ist für Franziskus eine religiöse Grundhaltung, mit der er seine Dankbarkeit über Gottes Existenz ausdrückt. Er lässt sich von Gottes Herrlichkeit wie von einem Wasserfall „beregnen“. Er bleibt dabei „demütig“, ganz im Sinne des lateinischen Wortes „humilitas“, das nicht nur „Demut“, sondern auch „Bodenhaftung“ bedeutet. Er will das Evangelium den Menschen bringen, was für ihn heißt, einen Menschen spüren zu lassen, dass es in ihm etwas gibt, was nicht zugrunde geht, etwas Größeres und Helleres als er je dachte. Franziskus blendet Leid und Grausamkeit nicht aus, sondern sieht darin eine Verstellung des Angesichts Gottes. Er ist überzeugt, dass Gott als Quelle des Guten alles zum Guten führt, wenn dies auch für uns oft verborgen bleibt.

Wo kann ich mich „beregnen“ lassen, um Kraft zu tanken?

Lies mehr …

Station 7: Die Föhrenheide, eine Alpenmagerweide mit alten Pflanzenarten

Föhrenheide mit parkähnlicher Struktur © B. Schwarz

Die parkähnliche Föhrenheide ist eine sog. Alpenmagerweide und durch die Nutzung als Weidegebiet über Jahrhunderte entstanden. Die Landschaft prägen Föhren (Pinus sylvestris) und Büsche wie z. B. Wacholder (Juniperus communis), Berberitze (Berberis vulgaris) und Weißdorn (Crataegus monogyna). In Bereichen, wo die Beweidung sehr schwach ist, wachsen Schneeheide-Kiefernwälder mit sehr spezifischen und alten Pflanzenarten. Die Föhrenheide ist der Lebensraum des Neuntöters (Lanius collurio) und wird seit einigen Jahren im Sommer vom mediterranen Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) aufgesucht.

Spiritueller Proviant

„Wo Ruhe ist und Betrachtung, da ist nicht Aufregung, noch unsteter Geist.“ (Hl. Franziskus, Geistliche Weisungen, „Von der Tugend, die das Laster verjagt“)

Franziskus schätzte keine vorformulierten Gebete. Er war vielmehr ein Hörer und Beobachter, der in vielen Naturerscheinungen die göttliche Sprache erkannte. Ehrfurcht und Demut vor dem, was ihn umgab, ermöglichten Franziskus, sich Gott zu überlassen. Durch die Freude an Gottes Spuren in der Schöpfung gewann er den Frieden des Herzens.

Wo komme ich zur Ruhe? Was schenkt mir Frieden?

Lies mehr …

Station 8: Farchant – „Ursprünge“, das Quellgebiet des Röhrlbaches

Das Quellgebiet „Ursprünge“ © B. Schwarz

Das Quellgebiet des Röhrlbaches wird als „Ursprünge“ bezeichnet. Im kleinen Quellsee wachsen u. a. Laichkrautrasen mit dem sehr seltenen Faden-Laichkraut (Potamogeton filiformis), das besonders sauberes Wasser anzeigt. Am Ufer finden sich Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) und Fieberklee (Menyanthes trifoliata), auf den angrenzenden Pfeifengraswiesen Schwalbenwurzenzian (Gentiana asclepiadea) und Teufelsabbiss (Succisa pratensis) sowie auf weniger kalkhaltigen Standorten das stark gefährdete Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris). Die Ortsbezeichnung „Kohlstatt“ leitet sich von der Holzkohle ab, die früher dort hergestellt und auf Flößen auf der Loisach nach Norden transportiert wurde.

Spiritueller Proviant

„Das Dringendste ist, dass man nach dem Geist des Herrn verlangt. Er allein kann uns gut, grundgut, machen und kann bewirken, dass diese Güte nichts Anderes mehr ist als der Urgrund unseres Wesens.“ (nach dem Hl. Franziskus, Leclerc, Eligius, S. 98)

Der Urgrund unseres Wesens ist wie eine Quelle, aus der das heraus sprudelt, was uns auszeichnet und womit wir unsere Umgebung erfüllen. Sind wir in Gott verankert, lassen wir uns von seinem Geist leiten. Das macht uns im Innersten gut und lässt uns zur sprudelnden Quelle der Güte werden.

Wonach sehne ich mich?

Lies mehr …

Station 9: „Via Romea“, alte Pilger- und Handelsstraße

Artenreiche Magerrasen am Wankfuß mit Blick zur Burgruine Werdenfels © B. Schwarz

Die „Via Romea“ ist eine sehr alte Pilger- und Handelsstraße und führt von Trondheim bis nach Rom, im Werdenfelser Land über Ettal, Oberau, Farchant, Partenkirchen, Klais und Mittenwald. Schon 2.500 v. Chr. verlief hier eine Handelsroute, die später auch von den Römern genutzt wurde. Die Weidewirtschaft, die spätestens seit dem Mittelalter betrieben wurde, hat wesentlich zur Artenvielfalt in dieser Region beigetragen. Dadurch entstanden parkartig aufgelichtete Wälder mit Kiefern, wo man heute die Schwarzviolette Akelei (Aquilegia atrata), die Buchsblättrige Kreuzblume (Polygala chamaebuxus) und die submediterrane Spargelerbse (Tetragonolobus maritimus) findet. Die Ruine der Burg Werdenfels, gebaut von Otto v. Meranien um 1200 n. Chr., wird als kulturelles Erbe bewahrt. Auch die vom Mensch durch seine Nutzung über Jahrhunderte gestaltete Landschaft kann als Kulturgut angesehen werden, das es zu bewahren gilt.

Spiritueller Proviant

„Beachte, o Mensch, in welch erhabene Würde Gott der Herr dich eingesetzt hat, da er dich dem Leibe nach zum Bild seines geliebten Sohnes und dem Geiste nach zu seiner Ähnlichkeit erschaffen und gestaltet hat.“ (Hl. Franziskus, Geistliche Weisungen).

Ein Pilgerweg versinnbildlicht das Unterwegssein des Menschen auf seinem Lebensweg. Die dem Menschen verliehene Gabe und Würde, Gottes Abbild zu sein (vgl. Gen 1,28), ist eine lebenslange Aufgabe. Der Mensch soll Gott in der Welt vergegenwärtigen. Allzu oft aber verschließt er sich dem Auftrag, Gottes Liebe auf Erden zu repräsentieren. Franziskus war bestrebt, durch sein Leben Gott Raum zu geben und sich selbst zum Werkzeug Gottes zu machen.

Wonach suche ich auf meinem Lebensweg? Welcher Spur folge ich?

Lies mehr …

Station 10: Wallfahrtskirche und Franziskanerkloster „St. Anton“, im Gedenken an zwei Heilige

Wallfahrtskirche „St. Anton“ mit Blick Richtung Ammergebirge © B. Schwarz

Der Hl. Antonius wirkte als Franziskanermönch in Padua und zeichnete sich durch große Hilfsbereitschaft für Arme, Schwache und Kinder aus. Seine außergewöhnliche Rednergabe hatte auch den Hl. Franziskus beeindruckt, den er 1221 auf dem Generalkapitel getroffen hatte. Das Altarbild in St. Anton erzählt die Legende vom kranken Antonius, den der Graf Tiso einst in dessen Kammer kniend vor der Hl. Schrift mit dem Jesuskind auf dem Arm vorgefunden hatte. Auch wir sind wie Antonius und Franziskus zur „Heiligkeit“ berufen und haben auf diesem Weg die christliche Pflicht, Verantwortung für unsere Schöpfung zu übernehmen: für den Frieden und für die Lebensvielfalt in der Schöpfung.

Gebet

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
Herr, lass mich trachten:
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.
Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht;
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt;
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten:
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.
Amen.
(aus Frankreich)

Lies mehr …

Station 11: Moorweide, Bewirtschaftung mit alten Schaf- und Rinderrassen

Moorweide zwischen Pfrühlmoos und Loisach © B. Schwarz

Auf dem Streifen zwischen Pfrühlmoos und Loisach weiden im Frühjahr vor dem Almauftrieb Bergschafe, später „Murnau-Werdenfelser“-Rinder, beides Rassen, die sehr gut an Moor- und Sumpflandschaften angepasst sind. „Murnau-Werdenfelser“ wurden im 20. Jahrhundert von Rassen mit Hochleistung in der Milcherzeugung verdrängt, so dass sie vom Aussterben bedroht waren. Dank des Engagements einiger Landwirte in der Region ist der Bestand auf über 1400 Tiere angestiegen. Durch die extensive Bewirtschaftung der Moorweiden hat sich eine charakteristische Flora und Fauna entwickelt. Dort findet sich z. B. die Trollblume (Trollius europaeus), in den angrenzenden Moor- und Auwäldern hört man im Frühjahr den Kuckuck (Cuculus canorus).

Spiritueller Proviant

„Alle Geschöpfe, lobpreiset den Herrn. Alle Vögel des Himmels, lobt den Herrn. Alle Kinder, lobt den Herrn.“ (Hl. Franziskus „Aufforderung zum Lobe Gottes“ in Anlehnung an Zitate aus der Hl. Schrift)

Für den Hl. Franziskus war die gesamte Schöpfung ein Hinweis auf die Größe Gottes. Gott wird in allen Geschöpfen, durch die lebendige Natur und durch die unbelebte Natur gelobt. Franziskus war ein zutiefst dankbarer Mensch, was ihn zum Lobpreis Gottes veranlasste. Auch seine Mitmenschen hielt er zur Lobpreisung Gottes an, damit auch sie dadurch zur Freude gelangten.

Was erfreut mich? Wofür bin ich dankbar?

Lies mehr …

Station 12: Mühlwiesen, Zeugnis eines Besiedlungsversuchs im 19. Jahrhundert

Mühlwiesen zwischen Pfrühlmoos und Loisach © B. Schwarz

Am nordwestlichen Rand des Pfrühlmooses zeugen die Mühlwiesen mit ihrer rechteckigen Struktur und den geraden Linien von einem Besiedlungsversuch im frühen 19. Jahrhundert. Mit einer Verfügung ließ der bayerische König Max I. Joseph Nicht-Sesshaften Grund zur Bewirtschaftung durch die Gemeinden zuweisen. Da allerdings die Versuche, das Hochmoor zu entwässern, fehlschlugen, wurde die Siedlung bald aufgegeben. Durch diese menschlichen Eingriffe ist heute die Fläche des einstigen Hochmoors von Streuwiesen mit Pfeifengras (Molinia caerulea) bedeckt, auf denen man auch das stark gefährdete Preußische Laserkraut (Laserpitium prutenicum) findet. Auf kleineren Abschnitten mit Magerrasen wächst der Stängellose Enzian (Gentiana clusii), die Wohlriechende-Händelwurz (Gymnadenia odoratissima) und das Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium).

Spiritueller Proviant

„Wo Armut ist mit Fröhlichkeit, da ist nicht Habsucht noch Geiz.“ (Hl. Franziskus, Geistliche Weisungen, „Von der Tugend die das Laster verjagt“)

Armut bedeutet nicht zwingend materielle Armut. Arm sein vor Gott meint v. a. eine demütige Haltung, wobei Demut nicht Unterwürfigkeit, sondern Bodenhaftung meint, mit der man Dinge so betrachtet, wie sie sind. Demut vor Gott bedeutet die Vergegenwärtigung dessen, dass wir uns einem Schöpfer verdanken, der uns unendlich liebt. Vor seiner Güte und Liebe sind wir immer arm. Doch lädt uns Franziskus ein, frohen Herzens arm zu sein, da man damit innere Freiheit erlangt. Diese Freiheit ermöglicht eine tiefe Freude, öffnet uns für unsere Mitwelt und macht uns großzügig.

Wo sind für mich Quellen der Freude?

Lies mehr …

Station 13: Loisach – Lauterbachmündung, Vielfalt im und am Fluss

Lauterbach kurz vor der Mündung in die Loisach © B. Schwarz

Das klare und kühle Wasser des Lauterbachs bietet der Bachforelle (Salmo trutta fario) und der seltenen Äsche (Thymallus thymallus) einen idealen Lebensraum. Den Bach säumen im Mündungsbereich zur Loisach am Westufer schmale Streifen Grauerlen-Eschen-Auwald, am Ostufer Traubenkirschen-Sumpfwälder. Dort leben Biber, die mit ihrem Bau ideale Strukturen für Fische, Amphibien, Wasserinsekten und Vögel schaffen. Auf Kiesinseln der Loisach brüten der Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) und der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius). Die Verbauungen zwischen Kochelsee und Isar beeinträchtigen die Wanderbewegung der Fische und verhindern die natürliche Vernetzung von Gewässer und Aue. Auwälder beherbergen nicht nur eine große Artenvielfalt, sondern dienen auch als natürlicher Wasserrückhalt dem Hochwasserschutz.

Spiritueller Proviant

„Wo Liebe ist und Weisheit, da ist nicht Furcht noch Unwissenheit.“ (Hl. Franziskus, Geistliche Weisungen, „Von der Tugend, die das Laster verjagt“)

In Liebe und Weisheit kann man stets wachsen und sich fortbewegen. Diese Bewegung, die durchaus mühsam und unbequem sein kann, gibt dem Leben Sinn, verschafft Freude und vertreibt Furcht und Unwissenheit.

Was bedeuten für mich Liebe und Weisheit?

Lies mehr …

Autor: Benjamin Schwarz

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Stationen des Franziskus-Pilgerwegs findest du hier.

Quellen: Alpenbiotopkartierung; Franziskus v. Assisi – Sämtliche Schriften; Leclerc, Eligius – Weisheit eines Armen; Burgadler Heft 2014; LfU, Bioland, Demeter & Naturland, Streuwiesen nutzen – Artenvielfalt erhalten; Hölzel, Norbert – Schneeheide-Kiefernwälder in den mittleren Nördlichen Kalkalpen, ANL-Forschungsbericht 3, 1996; Brandner, Joseph – Farchanter Drei-Föhren-Chronik; Geerlings, Wilhelm – Die Tränen der Schwestern des Phaëton – Bernstein im Altertum. In: Ganzeleski, Michael & Slotta, Rainer, Bernstein – Tränen der Götter; Lang, Amei & Schwarzenberg, Heiner – Der hallstattzeitliche Brandopferplatz auf dem Spielleitenköpfl bei Farchant. In: forcheida. Heft  16; Alkofer, Andreas-Pazifikus – Antonius von Padua; Grün, Anselm – 50 Helfer in der Not; Kirchenführer Wallfahrtskirche St. Anton; „Slow Food“-Deutschland; Unser Bayern Nr. 47, 11/2015; www.murnauwerdenfelser.de; Reitzenstein, Wolf-Armin Frhr.v. – Lexikon Bayer. Ortsnamen; Ebd. – Blätter für oberdeutsche Namensforschung (15) 1978; Arnold, Klaus Peter – Tourismus im Außerfern; www.murnau.de; www.alpenflusslandschaften.de

 

 

Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

Über uns Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

Der Katholische Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen e. V. bietet mit seinen umfangreichen Bildungsangeboten und Projekten Zugang zu einer Welt der Vielfalt. Das Kreisbildungswerk will damit die Wahrnehmung unserer kulturellen und natürlichen Umgebung schärfen und so unser Leben bereichern. Es versteht Bildung aber auch als Chance, in dieser Welt den eigenen Lebensweg zu finden und zu gestalten.
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Bisher nicht bewertet)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.