Hotspot der Artenvielfalt: Mittelrheintal mit den Seitentälern Nahe und Mosel

Das Obere Mittelrheintal ist durch die natürlich geformte Flusslandschaft des Rheins, das trocken-warme Klima und den in der Region seit Jahrhunderten betriebenen Weinbau geprägt. Zeugnisse dieser einmaligen kulturhistorischen Landschaft sind unter anderem die noch zahlreich erhaltenen Burgen und Ruinen sowie Trockenmauern und Terrassen, die bis zum Hochmittelalter für den Steillagenweinbau angelegt wurden. Das mannigfaltige Naturraumpoten­tial mit einem vielfältigen, kleinräumig wechselnden Mosaik aus Trocken- und Gesteinshaldenwäldern, Trockengebüschen, Halbtrocken- und Trockenrasen und Felsen ist eine einzigartige historische Kultur- und Naturlandschaft. Sie be­herbergt viele seltene Pflanzen- und Tiervorkommen, darunter einige Arten aus dem Mittelmeerraum und den Steppengebieten Südeuropas. Hierzu zählen z. B. die Mauereidechse, der Segelfalter oder die Zippammer. Zahlreiche Mittelgebirgsbäche bahnen sich ihren Weg durch die höheren Terrassenflächen hinunter zum Rhein. Je nach Exposition und Standort sind in den Kerbtälern verschiedene altholzreiche Buchen- und Eichenwälder sowie Feuchtbiotope mit Auencharakter entwickelt. Auf den östlichen Hunsrückausläufern sind vielfältige Waldtypen und Offenlandbiotope mosaikartig miteinander verzahnt. Die Natur- und Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal gehört seit dem Jahr 2002 zu den UNESCO -Welterbestätten Deutschlands. Die Mosel mäandriert in einem tief ins Grundgebirge eingeschnittenen Engtal zwischen der Eifel im Norden und dem Hunsrück im Süden. Die schmale Flussaue geht über eine ebenfalls schmale Niederterrasse in steil ansteigende, felsenreiche, hohe Hänge über. Die Steilhänge werden durch zahlreiche tief eingeschnittene, enge Kerbtäler mit naturnahen Fließgewässern gegliedert. Das sommerwarme und wintermilde Klima, verbunden mit einem Reichtum an kleinräumig wechselnden und auch großflächigen Trockenstandorten macht das Moseltal zu einem der in Deutschland wenigen herausragenden Gebieten seltener und gefährdeter wärme- und trockenheitsliebender Lebensgemeinschaften, darunter viele mediterrane Arten. Die Biotopmosaike der Hänge aus Weinbergen und Weinbergsbrachen mit Terrassenmauern, Felsfluren, Geröllhalden, Halbtrocken- und Trockenrasen, Trockengebüschen und lichten Trockenwäldern sind mosaikartig mit je nach Standort und Exposition kühl-feuchten bis trocken­warmen Laubwaldgesellschaften verzahnt. Die vielfältigen alt- und totholzreichen Wälder finden sich vor allem im Übergangsbereich zu und auf den Hochflächen. In den bewaldeten Kerbtälern der Moselzuflüsse dominieren Eichen­Hainbuchen-Niederwälder. Der Eichen-Niederwald hat hier seinen Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland. Auch das Nahetal mit dem nordwestlich angrenzenden Unteren Nahehügel­land und dem südöstlich angrenzenden Bergland von Münster am Stein zählt zu den klimatisch begünstigten trocken-warmen Regionen. Von der Sobernheimer Talweitung mit magerem und intensiv genutztem Grünland, Weinbergsbrachen, Streuobstbeständen und Halbtrockenrasen geht das Nahetal flussabwärts in das enge, tief eingeschnittene Nahe-Alsenz-Felsental über mit steilen Felswänden und einem sehr vielfältigen Mosaik unterschiedlicher Felsgrusfluren, Trockenrasen und Trockengebüsche sowie ausgedehnten Laubwäldern an den Hangschultern. Die trocken-heißen Südhänge sind Refugien einer großen An­zahl von auf extreme Trockenstandorte oder Felsen spezialisierten Arten. Viele dieser Arten erreichen hier die West- bzw. die Nordgrenze ihrer Verbreitung. Zahlreiche Stollen an den Hängen sind bedeutende Überwinterungsquartiere für Fledermäuse. Von Bad Kreuznach bis zur Einmündung in den Rhein verläuft die Nahe innerhalb der beidseits der Aue angelegten Hochwasserschutzdämme. Die naturnahen und strukturreichen Fluss-, Ufer- und Auenbiotope folgen einer natürlichen Dynamik und beherbergen eine artenreiche Fischfauna bzw. das typische Artenspektrum der Auen. Die Feuchtbiotopkomplexe der bei Hochwasser überfluteten Aue gehen auf den trockeneren Standorten entlang der Hochwasserdämme in artenreiche Halbtrockenrasen über. Das Offen- und Halboffenland des Unteren Nahehügellands ist geprägt durch Obstbäume und von überregionaler Bedeutung für die Avifauna. Vielfältige alt- und totholzreiche Wälder sind im Gebiet vor allem im Übergangsbereich zu und auf den Hochflächen zu finden. Die dominierenden Waldformen sind Buchenwälder und Traubeneichen- und Eichen-Hainbuchenwälder. An weniger steilen, nach Süden geneigten Hängen stocken lichte, an schattigen Hängen und in Schluchten edellaubholzreiche Schluchtund Hangmischwälder in sehr guter Ausprägung.

Quelle: Bundesamt für Naturschutz

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Bisher nicht bewertet)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.