Hotspot der Artenvielfalt: Schorfheide mit Neuenhagener Oderinsel

Das Gebiet umfasst einen repräsentativen Ausschnitt der pleistozänen Jungmoränenlandschaft im Nordosten Deutschlands. Alle bedeutsamen Oberflächenformen der Weichseleiszeit finden sich im Gebiet, das zugleich als Biosphärenreservat „Schorfheide-Chorin“ geschützt ist, wieder. Im Norden trennt der Pommersche Moränenbogen das Uckermärkische Hügelland vom Templin-Werbelliner Seen- und Sandergebiet. Im Süden fällt das Gebiet um ca. 10 m zum Eberswalder Tal ab und umfasst einen zwischen Oder und oberer Havel gelegenen Abschnitt des Thorn- Eberswalder Urstromtals. Im Südosten des Gebiets bricht es mit einer ca. 30 m hohen Steilstufe zum Niederoderbruch ab, den oben gelegenen östlichsten Teil bildet die Neuenhagener Insel, ein eiszeitlicher Sporn, der mit der Melioration und Schiffbarmachung der Oder im 18.Jh. Inselform erhielt. Die äußerst vielgestaltigen Landschaftsformationen und die geringe anthropogene Siedlungsdichte und Überformung haben eine au­ßerordentliche Vielfalt in Flora und Fauna hervorgebracht und erhalten. Neben dem gefährdeten Schreiadler kommt auch die Europäische Sumpfschildkröte hier vor. Der Graue Kranich hat seine in Deutschland höchste Brutdichte Die eiszeitliche Prägung hat einen Reichtum an Oberflächengewässern geschaffen: ca. 240 Seen mit mehr als 1 ha Oberfläche und mehr als 3.000 Moore in unterschiedlichen Trophiestufen charakterisieren das Gebiet. Ausgedehnte Sanderflächen im Südwesten (die Schorfheide) sind noch heute mit ihren Dünenformationen Zeugen der eiszeitlichen Landschaftsgenese. Vermoorte Schmelzwasserrinnen der späten Eiszeit gehören heute zu den wertvollsten Naturräumen im Gebiet, ebenso wie großflächig vermoorte pleistozäne Seen, Erlenbrüche und Kesselmoore der Waldkomplexe. Trotz des Reichtums an Oberflächengewässern gehört das Gebiet zu den trockensten Regionen Deutschlands mit nur 480 bis 640 mm Niederschlag jährlich. Je nach Nährkraft der Böden stocken auf den Endmoränen wertvolle, naturnahe Buchen- und Buchenmischwälder in unterschiedlichen Ausprägungen. Ein Buchenwald auf einer Stauchendmoräne mit einer Größe von 590 ha ist seit dem Jahr 2011 Bestandteil des UNESCO – Weltnaturerbes. Die inzwischen offenen Grundmoränen werden hauptsächlich ackerbaulich genutzt, wobei insbesondere das Uckermärkische Hügelland durch unzählige Feldsölle charakterisiert wird. Trocken- und Halbtrockenrasen gehören zur Ausstattung des Areals ebenso wie artenreiche Frisch- und Feuchtwiesen. Die Neuenhagener Insel ist Ergebnis der drei letzten Eiszeiten und verdankt ihre Tonvorkommen einem Eisstausee der Saalekaltzeit. Ihr nach Süden steil abfallender bergiger Rand ist Teil der Pommerschen Eisrandlage gewesen und stellt heute Extremlebensraum mit xerothermem Charakter für eine Vielzahl seltener und bedrohter Insekten dar.

Texte und Geodaten der Hotspotregionen mit freundlicher Genehmigung des BfN

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