Hotspot der Artenvielfalt: Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite

Der Hotspot umfasst den Südharzer Zechsteingürtel, den Kyffhäuser und die Hainleite. Der Südharzer Zechsteingürtel stellt das größte und bedeutendste Gipskarstgebiet Mitteleuropas dar. Es umfasst den gesamten Formenschatz einer Gipskarstlandschaft mit teils wassergefüllten Erdfällen, Höhlen, Dolinen, Karrenfeldern, Quellkuppen, Quellen, Bachschwinden, Abrissklüften und jungen Bergrutschen. Auf Grund dieses bewegten Kleinreliefs kommen die verschiedensten Arten und Lebensräume vor. Bemerkenswert sind vor allem Gipsfelsen mit Felsfluren und Gips-Schutthalden wie z. B. am Sachsenstein so­wie artenreiche Halbtrocken- und Trockenrasen mit Steppenpflanzen wie dem Frühlings-Adonisröschen oder dem Haar-Pfriemengras sowie Orchideen-Buchenwälder. Die ausgedehnten Buchenwälder unterschiedlichster Ausprägung, wärmeliebenden Eichenwälder und kühlfeuchten Schlucht- und Hangmischwälder wurden teilweise forstwirtschaftlich kaum genutzt, sodass an steilen Hängen teils totholzreiche alte Waldbestände erhalten geblieben sind. Erwähnenswert sind weiterhin Feuchtlebensräume wie naturnahe Fließgewässer mit Erlen-Eschen-Auwäldern sowie die naturnahen, sehr alten Klosterteiche des ehemaligen Zisterzienserklosters Walkenried sowie die Rhumequelle als eine der ergiebigsten Karstquellen Mitteleuropas. Bedingt durch die Harzrandlage werden mehrere Klimastufen berührt. Das Gebiet liegt im humiden Klimabereich in einer Übergangszone vom subatlantischen zum subkontinentalen mitteldeutschen Binnenklima. Die besonderen klimatischen Bedingungen sind neben den geologischen Gegebenheiten Ursache für die Herausbildung der vielfältigen, teils sehr spezialisierten Flora und Fauna, insbesondere der Fledermaus-, Amphibien- und Schmetterlingsarten sowie der Gefäßpflanzen, Moose, Flechten und Pilze. Der Südharzer Zechsteingürtel wird durch die Goldene Aue mit dem Kyffhäusergebirge verbunden. Der in der Goldenen Aue liegende Helmestausee („Feuchtgebiet internationaler Bedeutung“) hat sich zu einem bedeutenden Rastplatz für Wat- und Wasservögel entwickelt. Zusammen mit den angrenzenden Feuchtwiesen und -weiden sowie Röhrichten, Großseggenrieden und Hochstaudenfluren ist dieser Bereich ein wertvolles Gebiet für den Wiesenbrüterschutz. Der Kyffhäuser weist eine in Mitteleuropa einmalige Naturausstattung mit einer starken Häufung gefährdeter Arten und Lebensräume auf. Einen herausragenden Wert besitzt der Zechsteingürtel am Südabhang des Kyffhäusers mit seinem stark reliefierten Gipskarst- und Kalkbergland. Es ist ein beeindrucken­des Karstgebiet mit ausgedehnten Höhlen, Felsbildungen, Gips-Schutthalden, Erdfällen, Senken, Gipsquellkuppen und weiteren Kleinformen und beherbergt großflächige kontinentale Kalk-Trockenrasen, wärmeliebende Säume, Trockengebüsche, Eichen-Hainbuchenwälder und Orchideen- Buchenwälder mit zahlreichen Arten östlicher und südöstlicher Verbreitung. Die Wälder des Kyffhäusers gehören zu den submontanen und kollinen Buchen-Wäldern. Diese gehen in den Hangbereichen in geophytenreiche Hangwälder mit Sommer-Linde, Berg-Ahorn und Berg-Ulme über. Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen Streuobstwiesen, die teilweise aus alten Lokalsorten aufgebaut sind. Die Hainleite als Teil der nördlichen Randhöhen des Thüringer Beckens ist überwiegend bewaldet (mit großflächigen repräsentativen Waldmeister- und Orchideen-Buchenwäldern), weist aber auch äußerst bedeutsame Offenlandbiotope auf wie ausgesprochen orchideenreiche Kalk-Halbtrockenrasen sowie kontinentale Trockenrasen, Kalkpionierrasen, Kalkfelsen und -Schutthalden.

 

Texte und Geodaten der Hotspotregionen mit freundlicher Genehmigung des BfN

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