Im Jahr 1442 an Isar und Lech

Wegverlauf der Krönungsreise von Friedrich dem III nach Aachen in den Jahren 1442 und 1443. Die Route verlief überwiegend an Flüssen.

Wer in den Tagen vom 15. bis 19. April 1442 in der Gegend zwischen Mittenwald und Landsberg unterwegs war, und zum Beispiel am 16. April von der Isar bei Oberau (Krün) nach Ettal hochstieg, dürfte sehr wahrscheinlich einem zukünftigen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (Sacrum Romanum Imperium) und seinem Tross begegnet sein. Friedrich der III aus der Habsburgerdynastie war am 2. Februar 1442 mit seinen Begleitern in Graz zu seiner Krönungsreise nach Aachen aufgebrochen. Die Reise wurde fast ausschließlich zu Pferde durchgeführt. Die ausgedehnten Kiesbänke der alpinen und voralpinen Flüsse spielten dabei keine unerhebliche Rolle. War die Flusslandschaft zwar durch Hochwasser einer ständigen Verwandlung ausgesetzt, hatte sie aber auch eine sichere Konstante. Waldfreie Kiesbänke, die bei Niedrigwasser zur Reise zu Fuß oder auf Pferden gut genutzt werden konnten. Dies war besonders wichtig in einer Landschaft, in der ein Bergwald in seiner ursprünglichen Form noch ein undurchdringbarer Urwald war. Flüsse dienten schon früh in der Geschichte als Transportwege mit Flossen und Schiffe, und hier in den weiten Kiesbänken der Isarauen, in einem sonst engen Bergtal, außerhalb der Hochwasser Zeiten, auch als Reit- und Wanderwege.

Es gibt einen ausgesprochen interessanten Bericht von dieser Reise, der in Mittelhochdeutscher Sprache verfasst, direkt und indirekt Hinweise zur Naturwahrnehmung in dieser Zeit vermittelt. Und er unterscheidet sich noch enorm von den unter dem selbigen König und späteren Kaiser eingeführten „humanistischen“ Schreibstil der Renaissance, der gemeinhin als literarisch anspruchsvoller gilt. In seiner Sachlichkeit und sprachlichen Schlichtheit sind die konkreten Hinweise auf Orte an Flüssen, die genaue Beschreibung der Tagesetappen, ein wertvoller Hinweis auf die Naturwahrnehmung der Reisenden. Es gibt zwar keinen Satz in diesem Reisebreicht, der auch nur im geringsten erahnen lässt, das hier die alpine Landschaft als „herrlich“ oder „erhaben“ wahrgenommen wird, wie es später „Franzl“ und „Sissi“ im 19 Jahrhundert mit unverkennbarer Wortwahl zur Heimatliebe hochstilisierten, ganz im Stil der Zeit. im 15. Jahrhundert sah man das noch anders. Aber durchaus nicht weniger. So wird für alle Städte, die an Flüssen liegen, der Name dieses Flusses im Text mit erwähnt.

Friedrich III. trifft am 19. September 1442 in Zürich ein.

„Landsberg ist eine hübsche Stadt und hat einen schönen Brunnen und ein fließendes Wasser, der heißt Lech“

Es sei hier auch erwähnt, das damals die Stadt München rechts liegen gelassen worden ist und direkt von der Isar hoch nach Ettal über Schongau nach Landsberg und weiter zur Reichsstadt Augsburg am Lech gereist wurde. Nichts desto trotz kamen dem jungen König und zukünftigen Kaiser auf seinem Krönungsumritt, die „Bayern aus München“ mit Ludwig dem VIII und Albrecht dem III entgegen und begleiteten Friedrich ein Stück seines Weges zur Krone des Heilgen Römischen Reiches. Und die drei Herren hatte wohl sehr große Freude daran. Denn der unbekannte Autor schreibt hierzu:

„Hörtzog Albrecht von Münichen vnnd sein gemehel , dye ist aine von Prawnswaig, vnnd hörtzog Lütwich von Bairn: dy riden gegen meines herrn gnaden aws vnnd empfingen in gar hochwirdigklichen vnd hetten ain groß frewd mit ainander vnntzt an den drittntag.“

Auf der Karte lässt sich gut erkennen, das die Flüsse Isar, Lech, Donau und Main innerhalb von Bayern einen nicht unerheblichen Teil der Reiseroute ausmachten. Und für die gesamte Reise war auch der Rhein ein langer Wegbereiter.

Der nicht gebändigte alpine Fluss hatte also vor der Flussbegradigung und Uferverbauung mit dann abgesicherten Wegen für den Fussgänger und Reiter durchaus auch Vorteile, um in einer sonst wilden, unwegsamen Landschaft relativ gut vorwärts zu kommen. So dürften die weiten Kiesbänke und Flussauen ortsabhängig auch einen kulturellen Nutzen dargestellt haben der bei wenig Wasser durchaus positiv wahrgenommen wurde.

Quellen:

Seemüller, Joseph. “Friedrichs III. Aachener Krönungsreise.” Mitteilungen Des Instituts Für Österreichische Geschichtsforschung 17, no. 4 (1896): 584–665.

Specker, Clemens. Zugriff am 7.10.2019. “Codex A 45,” n.d. https://www.e-codices.ch/en/list/one/bbb/A0045

“Handschrift 16592.” Zugriff am 7.10.2019. http://www.handschriftencensus.de/14247.

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