Isarkiesel: Bunte Welt der Steine

Die Isar hält großartige Naturschätze für uns bereit. Sie lädt uns in eine Welt der Vielfalt ein, die es zu entdecken aber auch zu bewahren gilt. Für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bietet sie einen idealen Lebensraum. So finden sich dort bspw. der vom Aussterben bedrohte Flussregenpfeifer und die seltene deutsche Tamariske.

Aber auch die unbelebte Natur besticht durch ihre Vielfalt. Eine Seltenheit ist der Isarkiesel fürwahr nicht. Betrachtet man die Steine aber genauer, zeigt sich, dass ein jeder in seiner Form und Farbe doch einzigartig ist und damit durchaus als Besonderheit gelten kann. Die mineralische Zusammensetzung und Herkunft der einzelnen Kiesel verleihen diesen ihr charakteristisches Aussehen. Nicht ohne Grund ist das Interesse an Isarkieseln weit verbreitet.

Der Fluss führt große Mengen davon mit sich. Die Kiesel stammen nicht nur aus den Kalkalpen des Tiroler Karwendel, wo die Isar entspringt, sondern teilweise auch aus sehr weit entfernten Gegenden. So finden sich neben den Kalkkieseln und anderen Sedimentgesteinen auch Glimmerschiefer und Gneise, Kristallingesteine aus den Ötztaler und den Zillertaler Alpen und der Silvretta. Diese haben Gletscher während der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren aus dem Alpenhauptkamm über Hunderte von Kilometern mitgebracht. Der Gesteinsbestand der Isar gleicht dem anderer Flüsse zwischen Lech und Inn, und findet sich außerdem in Kies- und Schottergruben des bayerischen Voralpenraumes und der Münchner Schotterebene.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts lieferten die Kalksteine das sehr begehrte Rohmaterial für Löschkalk, den man in den schnell wachsenden Städten für den Hausbau benötigte. Die Kalksteine wurden von den sogenannten „Stoaklauberinnen“, die meist als Tagelöhnerinnen arbeiteten, besonders im Isar-Winkel auf den Kiesbänken zwischen Mittenwald und Bad Tölz mühsam gesammelt. Man kann sich also der Isar und ihren Kieseln von einer geologischen, ebenso wie von einer erdgeschichtlichen aber auch von einer kulturgeschichtlichen Perspektive nähern.

Laslo Palfy sammelt bereits seit über zehn Jahren Isarkiesel auf Sandbänken und in Baugruben in und um München. Sein Fokus liegt auf der Ästhetik der Steine. Ihre Farbe und Form sind das Kriterium, nach dem er sie auswählt. Da die Isarkiesel für die Münchner Kultur und für ihre Geschichte eine bedeutende Rolle spielen, ist er der Meinung, dass ihnen auch ein gebührender Platz in der Stadt zugewiesen werden sollte. Anders als in der Vergangenheit, in der die Steine zu Mörtel für Fassaden berühmter königlicher Repräsentativbauten bayerischer Regenten verarbeitet wurden, will Plafy, dass ausgewählte Isarkiesel bspw. den Boden des Max-Joseph-Platz in München zieren sollten, dessen Umgestaltung derzeit in Planung ist. Auch ein Museum wäre für Palfy denkbar, das dem Besucher die Ästhetik dieser Schätze näher bringen würde.

Bis dahin präsentiert die Isar selbst als Freilicht-Museum mit ständig wechselndem Programm ihre außergewöhnliche und vielseitige Sammlung von Kieseln, die sie über die Jahrtausende als schaffende Künstlerin mit ihrem Wasser geformt hat. Dem aufmerksamen Betrachter ist ein ästhetisches Erlebnis garantiert!

Öffnungszeiten Isar: ganzjährig; Montag bis Sonntag; 0 bis 24 Uhr.

Isarkiesel aus der Sammlung von Laslo Palfy, Isarkiesel-Sammler:

Isarkiesel

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