Karwendel und Eiszeit – Tafel 3 auf dem Geolehrpfad Herzogstand

Das Karwendelgebirge ist mit einer Grundfläche von ca. 900 km2 nicht nur der größte zusammenhängende Gebirgsstock in den Ostalpen, sondern auch ein riesiges Naturschutzgebiet. Begrenzt wird das Karwendel im Süden vom Inntal, im Osten vom Achenseetal, im Norden und Nordwesten durch das Isartal und im Westen durch die Straße von Zirl über Seefeld nach Scharnitz. Die höchste Erhebung ist die Birkkarspitze mit 2.749 m Höhe. Sie und viele ihrer Nachbargipfel sind als Münchner Hausberge beliebte Ausflugs- und Wanderziele.

Isaria, die Reißende, so wurde die Isar früher genannt. Sie ist der größte Fluss im Karwendel. Ein Großteil des Isarwassers wird in Krün zur Stromgewinnung über einen Kanal dem Walchensee zugeführt. Lange Zeit war das Flussbett unterhalb Krün trocken. Seit 01. Mai 1990 führt die Isar wieder dauerhaft eine garantierte Menge Restwasser. Mit ihren einladenden Kiesbänken bietet sie Erholungssuchenden und Naturliebhabern viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Ihr Ursprung im Hinterautal besteht aus drei Sickerquellen, die auch im Winter bei einer konstanten Wassertemperatur von +4° C nicht zufrieren. Bis 1922 wurde auf der Isar geflößt. Freskenmalereien an den Rathäusern von Krün und Wallgau zeugen noch heute davon. Die Gesteine des Karwendelgebirges entstanden vor vielen Millionen Jahren aus den Ablagerungen des Tethysmeeres. Während der Alpenfaltung wurden diese Gesteine emporgehoben und zu dem uns heute bekannten Gebirge geformt (weitere Infos: geologischer Wanderweg Mittenwald). Verwitterung und Erosion legen immer wieder interessante
Gesteinsschichten und Fossilien frei oder schaffen einzigartige Strukturen im Gestein (weitere Infos: Kieselsteinlehrpfad Krün).

Gegen Ende des Tertiärs kühlte das vormals warme Klima weltweit ab. Vor ca. 2,5 Millionen Jahren kam es zu den ersten großflächigen Vereisungen, die immer wieder von Wärmephasen unterbrochen wurden. Der Wechsel von Kalt- und Warmzeiten dauerte lange Zeit an. Die letzte Eiszeit, die Würm-Eiszeit, ging erst vor ca. 12.000 Jahren zu Ende. In den Zentralalpen bedeckten mächtige Gletscher wie ein riesiger Eispanzer selbst hohe Berge. Nur die höchsten Gipfel ragten wie Inseln aus dem Eis hervor. Ähnlich wie zähflüssiger Honig bewegte sich auch das Gletschereis und floss aus den Zentralalpen in die tiefer gelegenen Gebiete ab. Dabei folgte es den großen alpinen Talsystemen und bildete „Ferneisströme“, die zum Teil mehrere hundert Kilometer lang waren. Auch am Fuß des Herzogstands schoben sich Eismassen vorbei. Sie kamen als „kleiner“ Seitengletscher vom Inntal über den Seefelder Sattel und schoben sich über Mittenwald und Wallgau zum Walchensee. Von dort floss ein Teil des Eises über den Kesselberg hinab ins Vorland, der andere Teil wählte den Weg durch die Jachenau. Auf ihrem langen Weg waren die Eismassen sehr erfolgreiche Landschaftsgestalter. Sie schürften und schrammten, schliffen, hobelten und räumten alle lockeren und brüchigen Gesteine weg. Übrig blieben Vertiefungen, abgerundete Berge, steile Täler und riesige Findlinge, Felsstücke aus weit entfernten Gebieten der Alpen. Auch der Walchensee verdankt seine Entstehung den Gletschern und noch heute kann man an der Mautstraße Urfeld – Jachenau einen gut erhaltenen großen Gletscherschliff besichtigen. Auch in den Bächen und Flüssen der Region kann der aufmerksame Wanderer Steine entdecken, die mit der Eiszeit aus weit entfernten Gebieten der Alpen stammen.

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