Messpunkt & Loisach-Kochelsee Moore – Tafel 11 auf dem Geolehrpfad Herzogstand

Geodäsie – eine wenig bekannte, aber bedeutende Wissenschaft
Geodäsie im ursprünglichen Sinn ist die Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche. Die Umsetzung der gewonnenen Daten nutzen wir täglich – zum Beispiel als Bergsteiger in Form von Landkarten. Durch die rasanten Fortschritte in Wissenschaft und Technik wandelte sich das Aufgabenfeld der Geodäsie und umfaßt heute auch die Messung und Auswertung von Erscheinungen und Auswirkungen physikalischer Vorgänge im System Erde. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Folgen des globalen Wandels und der Geodynamik gelegt. Dies und einiges mehr gehört zum Forschungsfeld des Deutschen Geodätischen Forschungsinstituts (DGFI) in München, das vom Freistaat Bayern finanziert wird.

© GEO-TRIP

Zurück auf den Fahrenberg: Vielleicht haben auch Sie sich schon gefragt, was hier für ein „dickes Rohr“ in der Wiese steht. Unter dem unscheinbaren Äußeren verbirgt sich eine GPS-Messstation, die seit 2005 fest am Fahrenberg installiert ist. Diese Station ist nur eine von mehreren in den bayerischen Alpen und wird vom DGFI in München betrieben. Empfindliche Messgeräte im Inneren der Stationen empfangen seit 2005 Signale von GPS-Satelliten und zeichnen sie täglich 24 Stunden auf. Angestoßen wurde die Errichtung der Messpunkte im Jahr 2005 durch ein Forschungsprojekt der Europäischen Union. Mit dem Projekt sollte untersucht werden, ob ein Zusammenhang zwischen der Verformung der Erdkruste und Erdbeben besteht. Das DGFI baute deshalb in den bayerischen Alpen fünf dieser GPS-Messstationen auf. Weitere Stationen sind im Alpenraum verteilt, um Veränderungen in der Form der Erdkruste, sowie deren Bewegungen zu erforschen. Dank moderner Satelliten- und Messtechnik können Daten mit einer Genauigkeit von 0,5 mm in der Waagrechten (Positionsbestimmung) und 1,5 mm in der Senkrechten (Höhenbestimmung) ermittelt werden. Ziel dieses aufwändigen Projekts war, Bewegungen und Verformungen der Erdkruste durch tägliche Datenerfassung in Echtzeit zu bestimmen. Mit Hilfe der gewonnenen Informationen könnten Gefahren durch Naturkatastrophen schneller erkennbar und vorbeugende Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden. Inzwischen ist das Projekt abgeschlossen.

Der geodätische Messpunkt FAHR ist nach wie vor in Betrieb. Er wird nun für andere nationale und internationale Forschungsvorhaben eingesetzt. Da die Vorgänge im System Erde teilweise sehr langsam vor sich gehen, sind auch die Forschungsvorhaben immer langfristig ausgelegt. Derzeit werden Daten gesammelt, aus denen sich die Bewegung der Eurasischen Kontinentalplatte ersehen lässt (siehe Grafik).

Höhenveränderung © GEO-TRIP

Positionsveränderung © GEO-TRIP

Die Loisach-Kochelsee Moore
Mit einer Gesamtausdehnung von 3.110 ha gehört das Loisach-Kochelsee Moor zu den größten zusammenhängenden Moorgebieten in Südbayern.

Loisach-Kochelsee Moore© GEO-TRIP

Das Moor (bayrisch: Moos) lässt sich in mehrere Bereiche untergliedern:

  •  das Verlandungsniedermoor westlich des Rohrsees mit Schwingrasen.
  • der zentrale Hochmoorteil mit der Mondscheinfilz, dem Höll- und dem Rettensee. Dieser Bereich enthält noch naturnahe Lebensräume in größerem Umfang
  • die Moore östlich der Loisach. Mehrere Bäche (Lainbach, Pessenbach u.a.) tragen dort mineralische Sedimente in das Moor ein.

In und um die Moore sind 1.900 ha als FFH-Gebiet zum Schutz bedrohter Arten und Lebensräume ausgewiesen und 4.180 ha als Vogelschutzgebiet, das sich jedoch teilweise mit dem FFH-Gebiet überschneidet. Die Feuchtgebiete sind von besonderer Bedeutung für Zugvögel und Vogelarten, die zum Überleben Streuwiesen, Röhricht, Stillgewässer, sowie ungestörte Ufer- und Verlandungszonen benötigen. Besonderen Schutz genießen unter anderem (Aufzählung unvollständig)

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Fleischfarbenes Knabenkraut © GEO-TRIP

Die Moore um den Kochelsee verdanken ihre Entstehung den Gletschern der Eiszeit. Im Bereich des Kochelsees traf ein Teil des Isargletschers mit dem Loisachgletscher zusammen. Das vereinte Gletschereis schürfte eine tiefe Mulde in den Untergrund. Als die Eiszeit zu Ende ging, wurden die von den Gletschern zermahlenen Gesteine mit dem Schmelzwasser weggespült und als feinste Sedimente in der Vertiefung
wieder abgelagert. Dort sammelten sich im Lauf der Zeit mächtige Schichten an und dichteten nach und nach den Untergrund ab. In dieser großen Senke entstand zunächst ein Niedermoor, das vom Grundwasser gespeist wurde. Als die ständig nachwachsenden Torfmoose den Grundwasserspiegel überragten, wandelte sich das Niedermoor zum Hochmoor. Mehrere natürliche Fließgewässer durchziehen den Moorkomplex und überfluten ihn bei Hochwasser immer wieder. In der Folge entstehen Fleischfarbenes Knabenkraut Überfl utungsmoore.

Rundblättriger Sonnentau © GEO-TRIP

Bei Hochwasser wird kalkhaltiges sedimentbeladenes Wasser in die Moorflächen gespült. Deshalb konnten sich dort stellenweise Moorpflanzen ansiedeln, die Kalkböden bevorzugen, wie das fleischfarbene Knabenkraut.

Schon frühzeitig wurden Randbereiche der Moorflächen entwässert und in Futterwiesen umgewandelt. Dabei sind intakte Moore wichtig im Fall von Hochwasserereignissen – sie können enorm viel Wasser aufnehmen und mildern dadurch Hochwasserspitzen flussabwärts ab. Um wertvolle Lebensräume, seltene Tiere und Pflanzen auch in Zukunft zu erhalten, wurde diese reizvolle Landschaft teilweise unter Schutz gestellt.

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