Besinnen wir uns auf unsere Fachkompetenz!

In Zeitungen und Internet-Foren häufen sich die Artikel und Leserbriefe: Sprecher aus Vereinen und anderen Institutionen haben nach der Sperrung der Isar die Freizeitsportler im Visier. Diese werden beschimpft und als Chaoten bezeichnet. Zu unvernünftig befahren sie die Isar, schlecht ausgerüstet, oft betrunken. Und nicht zuletzt: trotz Hochwasser. Ja, das tun sie. Und doch: Ist es richtig, sich auf diese Weise in der Öffentlichkeit über Freizeitfahrer zu äußern? Ich finde: Nein. Denn Verhaltensänderung ist nicht durch Drohen und (virtuelles) Brüllen zu bewirken. Das wissen wir aus der Kindererziehung, aber jeder kennt das auch im Umgang mit Erwachsenen. Aggression erzeugt Gegen-Aggression. So sind die Menschen eben. So eskalieren Konflikte. Was könnten wir also zur Konfliktlösung tun?

Freizeitfahrer informieren und ausbilden

Positive Beispiele gibt es genug: Fabian Unger vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) informiert an Infoständen direkt an der Isar – also da, wo er die Freizeitfahrer direkt erreicht – über den Vogelschutz und wie man sich als Bootsfahrer umweltfreundlich verhält. Radio Alpenwelle hat eine Themenwoche zur Isar in ihr Programm aufgenommen, mit Interviews verschiedener Isar-Akteure wie Isarrangern, Wasserwirtschaftsamt, kommerziellen und gemeinnützigen Anbietern. All diese Fachexperten schilderten aus ihrer Sicht, wie es um die Isar steht, warum ihr Schutz wichtig ist und wie man sich als Freizeitfahrer am besten verhält. Seit April 2015 gibt es das Netzwerk Isar, einen Zusammenschluss von Bootsanbietern, Bildungsträgern und Fachverbänden. Das Netzwerk Isar informiert auf seiner Website www.netzwerk-isar.com und facebook über aktuelle Befahrungshinweise und gibt Empfehlungen zum sicheren und ökologisch verträglichen Bootfahren. Und nicht zuletzt hat das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen Hinweistafeln und Flyer für die Isar-Nutzung erstellt.

Mich als Partner im Netzwerk Isar und als verantwortungsbewusster Mitarbeiter der Jugendsiedlung Hochland stimmt das froh und zuversichtlich: Lasst uns diese Informationsinitiative weiterführen! Wir als Experten sind gefordert! Das heißt: Nicht Wochen lang über die Isarsperrung und Vergehen zu debattieren oder ein generelles Befahrungsverbot zu fordern, sondern im Besonderen die Freizeitnutzer zu informieren, ihnen durch konkretes Tun – sei es als Vorbild oder in Exkursionen – Alternativen aufzuzeigen. Informationen und Bildung sind der Schlüssel zur Verhaltensänderung.

Eine erfahrene Wasserrettung und Experten oder Laien, die sich intensiv mit der Isar beschäftigen, schätzen die Isar und verhalten sich entsprechend – weil sie wissen, wie. Können wir dieses Wissen weitergeben? Wir sind gefragt, über welche Medien wir die Freizeitnutzer am besten erreichen! Denn woher sollen sie denn Informationen zum naturverträglichen und verantwortungsvollen Nutzen bekommen, wenn nicht von uns? Es gilt für alle Interessengruppen, ob Freizeitnutzer, Bootsanbieter, Naturschutzverbände oder Andere: Gefahren vermeiden – Wissen teilen – mit guten Beispiel voran.

Miteinander statt gegeneinander

Das Netzwerk Isar lädt zur Zusammenarbeit ein, um miteinander die Isar zu schätzen und zu nutzen. Wir haben unsere Selbstverpflichtung veröffentlicht – und damit auch Freizeitnutzer erreicht, die zum ersten Mal gehört haben, dass es eine Meldestufe 1 gibt. Und dass die Organisationen im Netzwerk die Isar dann nicht mehr befahren. Und noch etwas wurde in den vergangenen Wochen sichtbar: Wir halten uns daran. Wir haben einen Anfang gemacht – macht einfach mit!

Netzwerk Isar

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6 Kommentare

  1. Miteinander die Natur schützen – ich bin dabei – unser Wertebewusstsein und Wahrnehmung kann nur durch Bildung und Vorbild verändert werden – nicht durch Verbote. Ich freue mich über die Netzwerk Isar Initiative, auch wenn mir bewusst ist: Es wird nicht nur mit guten Worten gehen – ganz ohne Verbote und Reglen wird es leider nicht gehen. Alle Wissen wie schlecht inzwischen der Individual-Verkehr für unsere Städte und Naturräume ist, und trotzdem finden sich tausende von Naturfreunden jedes Wochenende im Auto auf überfüllten Wanderparkplätzen und Bootseinlassen zusammen im SUV Lifestyle. Alles aufgeklärte Bürger, die Wissen wo das Problem liegt. Oder wissen sie es doch nicht? Eine aufrechte Wertediskussion fehlt hier. Danke für den interessanten Beitrag.

    • Hallo Andreas,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Deine Fragestellung „Oder wissen sie es doch nicht?“ ist glaube ich eine ganz wichtige Frage bevor wir den Freizeitnutzern irgendwelche Vorwürfe machen. Verbote und Regeln würde ich grundsätzlich ablehnen! Es ist ein Naturraum! Und hier sollte auch jedem freier zugang gewährt werden. Ich denke mit der Alpenflusslandschaft fahren wir eine sehr gute Informationspolitik. Für Ideen und Vorschläge wie wir mit dem Netzwerk Isar noch mehr erreichen können, wäre ich sehr dankbar.

      • Hallo Robert, sehr gerne. Ich muss gestehen, ich bin erst durch diesen Beitrag auf eure Initiative aufmerksam geworden und werde mir ganz sicher mehr Informationen einholen und mir Gedanken machen, wie ihr eure Reichweite vergrößern könnt. Ich stehe hinter der Philosophie „freier Zugang aber richtig“.

  2. Aloha!
    Andreas Struck bemängelt das fehlende Umweltbewusstsein der Nutzer des Naturraums Isar, da sehr viele mit dem Auto anreisen.
    Wir selbst sind Kanu-Paddler (Faltcanadier). Die Problematik an der Isar ist einfach die fehlende Infrastruktur im ÖPNV. Wenn ich die Strecke von Tölz, Kraftwerk bis Puppling paddeln will, benötige ich schlicht 2 Autos. Es fährt zwar ein Bus, aber nicht am Sonntag und er ist nicht zum Transport von Booten – und ich spreche nur von Faltbooten (!) – geeignet. In Frankreich fahren z.B. an der Drôme „Überlandbusse“. Diese haben ein richtiges Gebäckabteil, wo mein Faltboot reinpasst. Ich glaube, die Nachfrage wäre da, man muss es halt auch mal anbieten.

    Wir fahren jetzt öfters mal mit Fahrrad und Boot auf Anhänger zu den Einsatzstellen. Nur auch hier fehlt die Infrastruktur an der Isar. Bis Einöd komme ich von Puppling auf einem weitestgehend ebenen Radweg ganz gut. Kurz vor Einöd hört aber der Radweg dann auf und ist dann im weiteren Verlauf am östlichen Isarufer Richtung Bad Tölz nicht mehr existent. Hier komme ich nicht zum Kraftwerk Bad Tölz. Der Isar-Radweg am Isar-Westufer ab Geretsried, vorbei an der Jugendsiedlung Hochland ist mit 40-50kg am Anhänger schlicht nicht zu befahren. Ich habe es nur einmal gemacht!

    Und zum Thema „Verbot und Regeln“: ich bin mittlerweile durchaus für eine Reglementierung. Es gibt seit Jahren den Europäischen Paddelpass (EPP). Für den EPP muss man Prüfungen machen, es gibt ihn für verschiedene Gewässer und in verschiedenen „Farben“, aka Schwierigkeitsstufen. Und es gehört zum EPP auch der Aspekt der Umweltverträglichkeit dazu.
    Das Problem sind doch – auch aus meiner Sicht – die Paddler mit den „Sportbooten“ der Fachhändler A. und L., bzw. gekauft online bei E. Pauschal kann man da meist sagen: unzureichendes Material, keine Kenntnis von fliesendem Wasser, kein Umweltgewissen, kein Sicherheitsbewusstsein und dafür leider sehr häufig auch viel Alkohol.

    Immer ne handbreit Wasser unterm Kiel, Andreas

    • Hallo Andreas,
      ich kann dir hier fast uneingeschränkt zustimmen. Mit etwas mehr Wille im ÖPNV ginge viel mehr, wenn er dann auch wirklich genutzt wird und das Auto dafür entsprechend zurück gedrängt wird. Ich habe mein Auto bewusst vor 5 Jahren verkauft und mache seit dem alle meinen Bergtouren mit Zug und Fuß. Und die Touren sind schöner geworden, weil nicht alles schnell mal so geht, aber das wichtige geht immer. Ich finde es toll, das du das Boot mit Radanhänger transportierst, und ja, leider kommst du damit noch nicht in den ÖPNV. Man könnte das aber lösen. Dein Vorschlag mit einem Kanubus ist da sicher eine Möglichkeit. Mangelndes Umweltgewissen ist sicher auch oft ein Problem. Danke für deinen ausführlichen Kommentar mit klaren Herausforderungen und Vorschlägen, wie es besser gehen kann.
      Ich steh zur Zeit öfters in der Isar um Panoramaaufnahmen zu machen, da sind es dann immer ne handbreit Wasser unterm Knie ;-),
      Andreas

  3. Jetzt noch ein konkreter Vorschlag nach den sehr interessanten Diskussionen. Wir wollen ja nicht nur reden. Ich habe gestern mit Fabian zu dem Thema Auto und Paddeln kurz telefoniert. Was haltet ihr von der Idee: a) Es gibt nur noch ausgewiesene Boots Ein- und Auslassstellen an der Isar b) diese mit eingeschränkten Parkmöglichkeiten und Parkgebühr c) mit den Einnahmen der Parkgebühr wird ein Shuttlebus organisiert, der die Parkplätze anfährt d) es gibt die Möglichkeiten sein Fahrrad plus Hänger kostenlos von der Ein zur Ausslassstelle transportieren zu lassen. Man muß das sicher noch etwas durchdenken, aber so oder so ähnlich könnte man den Bootsverkehr steuern und den Paddlern, denen es wirklich wichtig ist und die umweltfreundlich anreisen das Leben leichter und schöner machen. Was meint ihr? Das wäre doch ein Ziel für die Isar innerhalb des Verbundprojektes Alpenflusslandschaften.

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