Naturschutz im Spannungsfeld zwischen Landwirten und Naturschützern

Anfang März trafen sich in der Bildungsstätte des BUND Naturschutzes in Wartaweil 50 junge Landwirt*innen und ihre Lehrbeauftragten, die gerade im Haus der Landwirtschaft in Herrsching ihren Grundkurs absolvieren. Ziel des Workshops war ein umfassender Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen Landwirtschaft und Naturschutz.

Als Einstimmung unternahm die Gruppe eine Exkursion in das Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Ammersee-Süd. Das Ammersee-Südende ist – zusammen mit dem Starnberger See – eines der wichtigsten Überwinterungsgebiete für Vögel in Europa. Die RAMSAR Gebietsbetreuer Christian Niederbichler und Franz Wimmer erklärten anhand historischer Aufnahmen sehr anschaulich die Geschichte des Schutzgebietes und die Maßnahmen, die heute zum Schutz der hier überwinternden und brütenden Vögel getroffen werden.

Nach der Exkursion trafen sich die Kursteilnehmer mit Aktiven des Naturschutzes zu Tischgesprächen. Der in der Landschaftspflege sehr engagierte Landwirt Hubert Pentenrieder diskutierte mit den jungen Leuten, welche wirtschaftlichen, politischen und verwaltungstechnischen Voraussetzungen nötig sind, um natur- und landschaftsverträglich wirtschaften zu können. Der Frage, wie man es den Landwirt*innen erleichtern könnte, an Naturschutzprojekten aktiv teilzunehmen, und welche Rolle diese dabei spielen könnten, gingen die Vertreter des Projektes „Alpenflusslandschaften“ Wolfgang Hug und Mathias Fischer nach. Der Leiter des Bildungszentrums, Axel Schreiner, widmete sich dem Thema „Imageverbesserung“ innerhalb der Landwirtschaft, und für Margret Hütt stand die Frage im Mittelpunkt, welchen Wert landschaftspflegerische Maßnahmen im Rahmen bäuerlicher Tradition heute noch eine Rolle spielen.

Die jungen Bäuerinnen und Bauern diskutierten mit viel Herzblut und großer Fachkenntnis. Axel Schreiner betonte die vielfältigen gemeinsamen Interessen beider Parteien, was von den jungen Landwirt*innen mit zunehmender Begeisterung aufgegriffen wurde. Im Gespräch in der nun mehr großen Runde ergaben sich bald viele gemeinsame Projekte, bei denen Naturschutz und Landwirtschaft von den gegenseitigen Stärken profitieren kann. So wünschen sich die jungen Landwirte eine größere Nähe zum Verbraucher. Wichtig war es den Junglandwirten auch, eine vielseitige Landwirtschaft betreiben zu können. Das würde auch dem „Wunschbild“ der Verbraucher von einem bäuerlichen Betrieb entsprechen, und deren Bereitschaft erhöhen gerechtere Preise zu bezahlen – so die Hoffnung der jungen Leute. Die Landwirt*innen sahen viele Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden: Blühflächen, Blühstreifen, Lärchenfenster, Bienenwiese anzupflanzen, Hecken/Bäume zu pflegen und zu pflanzen, natur- und landschaftsverträgliche Ackerbaumaßnahmen wie Mulchsaat an zu wenden. All diese Maßnahmen könnte der Naturschutz mit seinem Netzwerk und seiner Erfahrung bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. Axel Schreiner versprach, sich bei den Gremien des Bundes Naturschutz für die Vernetzung und naturschutzfachliche Unterstützung der Landwirte einzusetzen. Eines der Hauptanliegen der jungen Landwirten ist es auch: „Ständig auf dem Laufenden zu bleiben und sich in Kursen und Seminaren fortzubilden.“ Getragen von der gegenseitigen Sympathie äußerten beide Seiten den Wunsch den heute geknüpfte Faden unbedingt weiterzuspinnen. Die Leiter beider Einrichtungen vereinbarten diesen Workshop als festen Bestandteil dieser Ausbildung im Haus der Landwirtschaft zu etablieren.

Text: Margret Hütt

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