Schiffe auf Loisach und Isar südlich von München

Der Fluss als Energieträger. Im 19. Jahrhundert holt eine Innovation die Andere ein. Die ökonomische Nutzung der Natur bleibt ein zentrales Anliegen.

Auf den Flüssen um die Stadt München haben sich, wohl aufgrund der niedrigen Tiefe bei starken Strömungen, zeitwährend nur Flösse für den Warenverkehr zu Wasser behaupten können, eine große Flussschifffahrt konnte sich nie herausbilden. Dass es auf Teilstecken auch anders hätte laufen können zeigt ein Bericht der Bayerischen Landbötin.

Zu diesem Ende hat er eigene Schiffe gebaut, auf welchen er den Transport seines Torfes von Beuerberg nach München besorgt, ohne für die selben das so theure Floßholz ankaufen zu müssen.
Die Bayerische Landbötin Nr. 83, München 11. Juli 1839

Hintergrund hierzu ist der in Bayern seit Mitte der 1830er-Jahre stark ansteigende Holzpreis. Zeitgenössische Quellen verweisen auf eine ganze Zahl an unterschiedlicher Ursachen für diesen, welche sich aber alles in Allem auf dass starke Bevölkerungswachstum zurückzuführen lassen. Dadurch sahen nun einige Torfproduzenten ihre Gelegenheit gekommen ihr Material vermehrt auch in die Städte zu verkaufen. So auch der Kunstglaser Radl et Compagnie welcher nahe dem Kloster Beuerberg – gut 40 Kilometer südöstlich von München – einen eigenen Torfstich betrieb.

Eine Postkarte von etwa 1900 zeigt die in München eigentlich üblichen Flößer.
Stadtarchiv München


Ein großes Problem stellte für ihn jedoch der Transport dar, welcher traditionell mit Flößern durchgeführt wurde und somit wiederum stark vom dem hohen Holzpreis abhängig war. Als Geschäftsmann ließ er sich jedoch nicht aufhalten und ordnete an eigens Boote konstruieren um den Transport einfacher und günstiger zu gestalten.
Im Gegensatz zur Erwartung mancher Zeitgenossen zeigten seine ersten Versuche dass diese die Strecke nach München ohne weiteres meistern konnten. So war es ihm schließlich möglich mit seinen 3 Schiffen auf der Loisach und ab Wolfratshausen auf der Isar wöchentlich bis zu 18.000 Stücke Torf nach München befördern und dort gewinnbringend, an Haushalte wie auch die Industrie, weiterzuverkaufen.

Bei erscheinen der obigen Meldung in der Landbötin hatte Radl bereits einige erfolgreiche Fahrten durchgeführt. Warum sich Schiffe dennoch nicht durchsetzen konnten, obwohl der Stand der Technik sie inzwischen möglich machte, bleibt weitestgehend im dunkeln. Es ist aber anzunehmen dass sowohl der Einfluss der Flößer als auch die bald darauf aufstrebende Eisenbahn ihren Teil dazu beigetragen haben.

Der Autor der Landbötin schloss mit dem Hinweis ab nochmals tiefer über Radl Berichten zu wollen:

[Wir haben den Torfstich] selbst und mit vielem Vergnügen beſucht, und können im Interesse der vaterländischen Industrie nur wünschen, daß der Eifer und Fleiß dieses thätigen Unternehmers nach so vielen glücklich überwundenen Hindenissen auch durch einen entsprechenden Absatz, woran wir nicht im Geringsten zweifeln, belohnt werden möge. Später werden wir über diesen wichtigen Gegenstand Ausführlicheres berichten.
Die Bayerische Landbötin Nr. 83, München 11. Juli 1839

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Quellen:

Bayerische Landbötin 1839 (PDF) Seite 42

Bildquelle: Stadtarchiv München

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