Schonzeit für Perlmuscheln bereits um 1642

Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera)
Bild aus Wikipedia

Die kostbaren Perlen der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) schmückten die Kronen der europäischen Herrscher. Die Perlmuschel gab es zu Hunderttausenden in unseren Flüssen. Heute ist die Flußperlmuschel fast ausgestorben. Nur einigen Muschelfischern war es früher erlaubt, im Auftrag der Landesherren nach den kostbaren Perlen zu suchen. Auf Raubfischerei standen drakonische Strafen wie zum Beispiel das Abhacken der Hand! Um 1642 schlägt der Münchner Stadtmedicus Malachias Geiger eine Schonzeit für Perlmuscheln vor. Es ist die Antwort auf einen Bericht, in dem die zunehmende Gefährdung dieser Art in den Gewässern des Bayerischen Wald dargestellt wird. Damals waren es noch nicht Gewässerverschmutzung und das verschwinden der Bachforelle und Huchen, die die Art bedrohten, sondern ihr unsagbarer Wert von etwa jedem 25sten bis 2.000sten Individuum; denn nicht jede Muschel enthielt eine Perle. Zur besseren Entwicklung der Perlen, die der Stadtmedicus im Gegensatz zur zeitgenössischen Theorie von der Herkunft aus dem Himmelstau schon ganz naturwissenschaftlich als Ausscheidung erklärt hat, soll die Überprüfung auf Perlen sehr vorsichtig durchgeführt werden, der „Perlschneck“ soll am Leben bleiben. Und die damals als minderwertigen schwarzen und roten Perlen soll man nicht mehr ins Wasser werfen, sondern mit den weißen Perlen nach München schicken, wo sie für medizinische Zwecke verwendet werden können. Zur schonenden Untersuchung der Muscheln, stellte Malachias Geiger auch ein spezielles Werkzeug in seinem Werk „Mageritologie“ von 1642 vor.

Die Flussperlmuschel in der Mageritologie des Stadtmedicus Malachias Geiger in München von 1642

Bis zum 18. Jahrhundert wurden die Perlmuscheln teilweise gezielt angesiedelt. Das Recht zur Suche nach Perlen wurde als Perlregal bezeichnet.

Vorkommen und die hohe Gefährdung heute

Flussperlmuscheln können weit über 100 Jahre alt werden. Die Flussperlmuschel kam fast überall auf der nördlichen Hemisphäre vor, in Europa z. B. von Spanien bis ins nördliche Skandinavien. Bekannte größere Populationen in Bayern bestanden bis zu der durch die Industrialisierung starken Gewässerverschmutzungen im Regen, der Südlichen Regnitz und dem Perlenbach. Vor 300 Jahren waren Perlmuschelbänke mit mehr als tausend Tieren pro Quadratmeter bekannt. Mit dem Einmarsch der Franzosen 1794 erlosch das Perlregal in weiten Teilen Deutschlands, wodurch ein weiterer Raubbau ermöglicht wurde.


Die Flussperlmuschel ist heute in Deutschland sehr selten.

Gründe für den Rückgang der Flussperlmuschel Bestände sind:

  • Gewässerverschmutzung durch Überdüngung, Abwassereinleitung und Streusalz und Versandung der Bäche
  • Verdrängung der Bachforelle, Rückgang der Huchenbestände und Aussterben des Lachses, welche als Wirtstiere bei der Vermehrung dienen
  • Vernichtung ganzer Bestände durch Perlenräuber in früheren Zeiten
Die Magaritolgia von Malachias Geiger von 1642, In dieser wird bereits zum schonenden Umgang mit der gefährdeten Flussperlmuschel, der „Perlschneck“ geraten.

In Deutschland ist die Flussperlmuschel als eine nationale Verantwortungsart innerhalb der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung eingestuft. Es gibt noch Vorkommen in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Rheinland-Pfalz und der Lüneburger Heide.
In Bayern konzentrierte sich die Perlmuschel ursprünglich auf drei Gebiete, von denen heute der Bayerische Wald und Oberfranken noch von Bedeutung sind.

Nach der Einstufung der IUCN gilt die Art weltweit als gefährdet (endangered).

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