Schutzwald – Tafel 5 auf dem Geolehrpfad Herzogstand

Wälder haben für die Menschen von je her eine große Bedeutung. Sie versorgen uns nicht nur mit hochwertigen Rohstoffen, sie schaffen auch Arbeitsplätze und erfreuen sich großer Beliebtheit als Freizeit- und Erholungsorte. Dabei wird oft vergessen, dass Wälder auch vielfältige Schutzfunktionen haben. Sie bewahren dicht besiedelte Täler und wichtige Verkehrswege vor Naturgefahren und mildern deren extreme Auswirkungen ab.

Unterschiedlichste Faktoren wie ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen, Immissionen, Neubau von Verkehrswegen, ständig zunehmende Freizeitnutzung der Wälder, neu hinzukommende Siedlungsflächen, Auswirkungen des Klimawandels, sowie Schwächung und Überalterung der bestehenden Wälder machen aufwendige Maßnahmen nötig, um die Schutzwaldfunktionen wieder herzustellen und dauerhaft zu gewährleisten.

Schutzwälder haben verschiedene Aufgaben, häufig mehrere gleichzeitig:

• Erosionsschutz • Lawinenschutz • Wasserschutz• Steinschlagschutz • Bodenschutz

Bereits 1986 wurde deshalb in Bayern ein Schutzwaldsanierungsprogramm aufgelegt, das bis heute fortgeführt wird. Durch die Bayerische Forstverwaltung, die Fachstellen Schutzwaldsanierung, werden in zum Teil mühevoller Arbeit der aktuelle Zustand der Wälder erfasst, Risiken und Gefahrenquellen aufgedeckt. Aus den gewonnenen Erkenntnissen werden dann konkrete Maßnahmen für die einzelnen Gebiete erarbeitet. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, erfolgt die Umsetzung der Maßnahmen dann durch die Bayerische Staatsforsten vor Ort.

Zu diesen Maßnahmen gehören die Herstellung eines angepassten Wildbestandes, die Ablösung alter Waldweiderechte, Neuanpflanzungen, der Waldumbau in standortgerechte naturnahe Mischwälder, eine sach- und fachgerechte Waldbewirtschaftung, sowie die Pflege der bestehenden Waldgebiete.

Schutzwaldsanierung ist teuer

Dort, wo im Schutzwald Verbauungen nötig sind, drängt die Zeit. Die Wege sind oft lang und beschwerlich, die wirklich zum Arbeiten geeigneten Monate schnell vorbei. In unwegsamem Gelände können deshalb schwere Bauteile und Maschinen für Lawinen- oder Gleitschneeverbauungen nur mit dem Hubschrauber transportiert werden. Je nach Hubschrauber, kostet ein Tag schnell mehrere tausend Euro, dazu kommen das Baumaterial, Maschinen- und Personalkosten. Der Bayerische Staat wendet jedes Jahr Millionenbeträge auf, um Sicherheit für Mensch, Verkehrswege und Güter zu gewährleisten.

Lawinenkegel
Obwohl es sich nur um eine kleine Lawine handelt, sind die Schäden doch deutlich sichtbar. Neben ausgerissenen und abgebrochenen Bäumen liegt auch eine Menge Mutterboden auf dem Lawinenkegel. Die Bäume fehlen nun weiter oben und vermindern die Schutzfunktion des Waldes und ohne Mutterboden können neue Pfl anzen nicht anwachsen – der Beginn eines Teufelskreises.

Schutzverbauungen über der Ortschaft Walchensee
Das extrem steile Gelände über der Ortschaft Walchensee musste aufwändig gesichert werden. Niedrige Gleitschneezäune halten die Schneedecke fest und ermöglichen jungen Bäumen ein gutes Aufwachsen. Die stabilen Lawinennetze mit ihren teilweise flexiblen Befestigungen schützen die Ortschaft vor verheerenden Lawinen. Daneben bremsen sie auch Steinschlag ab. Im Gegensatz zu den früher gebräuchlichen Stahlverbauungen sind die Lawinennetze kaum sichtbar und fügen sich so besser in das Landschaftsbild ein.

Gleitschneeverbauungen

Der natürlichen Schwerkraft folgend, gleiten Schneedecken langsam talwärts. Die Bewegung ist zwar so langsam, dass sie mit bloßem Auge nicht sichtbar ist, trotzdem baut sich ein starker Druck an Hindernissen auf. Dies führt dazu, dass junge Bäumchen ausgerissen, beschädigt oder in Gleitrichtung verbogen werden. Da Pflanzen aber immer dem Licht entgegenwachsen, entsteht der sogenannte Säbelwuchs, der in der Forstwirtschaft nicht erwünscht ist. Um diese Wuchsform zu vermeiden werden Gleitschneeverbauungen angebracht. Das können hölzerne Dreibeinböcke sein, oder auch niedrige Gleitschneenetze. Wie natürliche Bodenrauhigkeiten verhindern sie Gleitbewegungen der Schneedecke. Im Schutz dieser Verbauungen werden neue Jungpflanzen gesetzt, die dann gerade emporwachsen können und langfristig selbst das Abgleiten des Schnees verhindern sollen.

Steinschlagschutz
Das extreme Klima im Gebirge bedingt eine besonders intensive Verwitterung der Berge. Gefrierendes Wasser sprengt selbst größere Felsen, die dann zu Tale stürzen. Auch heftige Regenfälle können Steinschlag auslösen.
Ein stabiler Bergwald kann herabstürzende Stein- und Felsstücke aufhalten und so die Steinschlaggefahr deutlich reduzieren.

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