Moorweide – Station 11 des Franziskus-Pilgerwegs

Moorweide zwischen Pfrühlmoos und Loisach © B. Schwarz

Der Streifen zwischen Pfrühlmoos und Loisach wird extensiv bewirtschaftet. Im Frühjahr vor dem Almauftrieb weiden dort Schafe später Jungrinder. Das „Murnau-Werdenfelser“-Rind ist eine seltene Rasse, hier kann sie jedoch häufig angetroffen werden. Sie ist als einzige deutsche Rinderrase an Moor- und Sumpflandschaften gut angepasst, und zeichnet sich durch eine ausgeprägte Trittsicherheit in steilem Gelände aus. Obwohl das Fleisch von hoher Qualität ist, wurden diese Rinder bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts v. a. zum Arbeiten und zur Milcherzeugung gehalten. Da seit dem 20. Jahrhundert der Fokus auf Rassen mit Hochleistung in der Milcherzeugung liegt, verkleinerte sich der Bestand der „Murnau-Werdenfelser“ Anfang der 2000er Jahre auf unter 350 Tiere, sodass die Rasse schließlich vom Aussterben bedroht war.

Murnau-Werdenfelser Rind © B. Schwarz

Engagierte Landwirte in der Region züchten und halten seit einigen Jahren wieder verstärkt diese Rasse. Oft sind es ökologisch wirtschaftende Betriebe, immer erfolgt die Haltung artgerecht mit Weidetrieb und Mutterkuhhaltung. Der Erhalt dieser robusten Rinderrasse leistet einen aktiven Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt, denn heutzutage gibt es in Bayern mehrheitlich nur noch drei Rassen: Drei Viertel der über drei Millionen Rinder in Bayern sind Fleckvieh (Simmentaler), der Rest ist Braunvieh und Schwarzbunte. Mittlerweile gibt es wieder über 1.400 „Murnau-Werdenfelser“, Tendenz steigend.

Schafe beweiden im Frühjahr vor dem Almauftrieb die Moorweide. © B. Schwarz

Das Werdenfelser Land ist als uralte Bergschafregion bekannt. Auch die Bergschafe gelten als sehr trittsicher und aufgrund ihrer dichten und langen Wolle als Wetter-unempfindlich. Die Schafe wirken schon seit Jahrhunderten als „Landschaftspfleger“ und tragen damit wesentlich zum Erhalt dieser artenreichen Kulturlandschaft auf den Almen und im Tal bei.

Durch die extensive Beweidung von Sonderstandorten, zu denen derartige Moorweiden zählen, kann sich eine charakteristische Flora und Fauna entwickeln. Eine typische Art für den mäßigen Nährstoffgehalt des Bodens ist die Trollblume (Trollius europaeus). In den angrenzenden Moor- und Auwäldern ertönt im Frühjahr häufig der Ruf des Kuckucks (Cuculus canorus).

Kuckuck (Cuculus canorus) – oft zu hören, aber selten zu sehen © H.-J. Fünfstück/www.5erls.naturfotos.de.

Trollblume (Trollius europaeus) © B. Schwarz

 

Spiritueller Proviant

„Alle Geschöpfe, lobpreiset den Herrn. Alle Vögel des Himmels, lobt den Herrn. Alle Kinder, lobt den Herrn.“ (Hl. Franziskus „Aufforderung zum Lobe Gottes“ in Anlehnung an Zitate aus der Hl. Schrift)

Für den Hl. Franziskus war die gesamte Schöpfung ein Hinweis auf die Größe Gottes. Gott wird in allen Geschöpfen, durch die lebendige Natur und durch die unbelebte Natur gelobt. Franziskus war ein zutiefst dankbarer Mensch, was ihn zum Lobpreis Gottes veranlasste. Auch seine Mitmenschen hielt er zur Lobpreisung Gottes an, damit auch sie dadurch zur Freude gelangten.

Was erfreut mich? Wofür bin ich dankbar?

Autor: Benjamin Schwarz

Quellen: Alpenbiotopkartierung; „Slow Food“-Deutschland; Unser Bayern Nr. 47, 11/2015; www.murnauwerdenfelser.de; Franziskus von Assisi – Sämtliche Schriften.

Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

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Der Katholische Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen e. V. bietet mit seinen umfangreichen Bildungsangeboten und Projekten Zugang zu einer Welt der Vielfalt. Das Kreisbildungswerk will damit die Wahrnehmung unserer kulturellen und natürlichen Umgebung schärfen und so unser Leben bereichern. Es versteht Bildung aber auch als Chance, in dieser Welt den eigenen Lebensweg zu finden und zu gestalten.
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