Sumpf- und Bruchwald – Station 3 des Franziskus-Pilgerwegs

Sumpfwald am Rande des Pfrühlmooses © B. Schwarz

Gewässerbegleitende Wälder gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Europas. Zwischen dem Hangfuß des Estergebirges und dem Pfrühlmoos gibt es solche seltenen Waldformen, die als Sumpf- und Bruchwald bezeichnet werden. Im Unterschied zu Bruchwäldern stehen Sumpfwälder nicht permanent unter Wasser, weil sie nur unregelmäßig überflutet werden. Diese für den Menschen unwirtlichen Sumpf- und Bruchwälder wurden vielfach entwässert, sind aber hier im Loisachtal an einigen Orten im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben.

Schwarzerle (Alnus glutinosa) © B. Schwarz

Hier wachsen hauptsächlich Schwarzerle (Alnus glutinosa) und Fichte (Picea abies), vereinzelt aber auch Eschen (Fraxinus excelsior), Bruchweiden (Salix fragilis) und Grauerlen (Alnus incana). Der Name „Schwarzerle“ ist zurückzuführen auf die Verwendung der Rinde zum Färben von Leder und der Fruchtzapfen zur Herstellung von schwarzer Tinte. Manchmal findet man Schwarzerlen mit Stelzwurzeln – eine Anpassung an den nassen Lebensraum. Der lebensnotwendige Luftaustausch an den Wurzeln erfolgt über Poren an der Stammbasis und oberflächennahe Wurzeln. Wenn die Stammbasis längere Zeit überflutet wird, sterben die Schwarzerlen ab. Durch das Zusammenleben mit Knöllchenbakterien in den Wurzeln wandeln Schwarzerlen den Stickstoff der Luft in für die Pflanzen verwertbare chemische Verbindungen um. Diese Symbiose ist für Schwarzerlen überlebensnotwendig.

Sumpfdotterblume (Caltha palustris) © B. Schwarz

In der Strauchschicht dieser Wälder gedeihen Kratzbeere (Rubus caesius), Hartriegel (Cornus sanguinea), Liguster (Ligustrum vulgare), Traubenkirsche (Prunus padus) und Faulbaum (Frangula alnnus). In der Krautschicht findet man Großseggen (Carex spec.), Pfeifengras (Molinia caerulea), Sumpfdotterblume (Caltha palustris), Wasserdost (Eupatorium cannabinum) und Gilb-Weiderich (Lysimachia vulgaris).

Dieser wechselfeuchte Wald ist auch Heimat von Amphibien, wie Grasfrosch (Rana temporaria) oder Gelbbauchunke (Bombina variegata), welche sich als Jungtiere in Gewässern entwickeln. Für die Gelbbauchunke reichen sogar eine kleine Pfütze oder wassergefüllte Fahrspuren zur Eiablage. Dort ist es relativ warm, und es gibt wenig Fressfeinde. Die jungen Unken schlüpfen bereits nach wenigen Tagen. Wenn sie nach sechs bis acht Wochen die lichten Laichgewässer verlassen, leben sie in feuchten Verstecken unter Steinen oder Totholz. Dieses gibt es reichlich im Bruchwald, wenn Bäume an den feuchten Standorten absterben. Totholz nutzen außerdem Spechte, wie der Grau-, Grün- oder Kleinspecht.

Grasfrosch (Rana temporaria) bei der Wanderung zum Laichgewässer: Sobald ein Männchen ein Weibchen gefunden hat, lässt er sie nicht mehr los. © H.-J. Fünfstück/www.5erls.naturfotos.de

Kaisermantel (Argynnis paphia) auf Wasserdost (Eupatorium cannabinum) © B. Schwarz

Gelbbauchunken (Bombina variegata) haben ein individuelles gelb-schwarzes Brustmuster. © H.-J. Fünfstück/www.5erls.naturfotos.de

Spiritueller Proviant

„Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens und schenke mir rechten Glauben, sichere Hoffnung und vollkommene Liebe. Gib mir, Herr, das rechte Empfinden und Erkennen, damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle.“ (Gebet des Hl. Franziskus von Assisi)

Franziskus strahlte nach dem Zeugnis seiner Mitbrüder eine tiefe Gelassenheit aus, auch wenn er mit den Finsternissen und dem Leid des Lebens konfrontiert wurde. Allerdings war es auch für ihn ein langer Weg dorthin und diese Gelassenheit ist nicht zu verwechseln mit einer Gleichgültigkeit. Franziskus empfand tiefen inneren Frieden, den er aus der Gewissheit der Existenz Gottes bezog. Weil er sich Gott anvertraute, war es für ihn möglich, die Wirklichkeit in allen ihren Erscheinungsformen anzunehmen und sich von Herzen zu freuen. Er liebte die Schöpfung und wusste, dass er von Gott geliebt wird.

Was hilft mir, belastende Dinge loszulassen? Was schenkt mir Herzensfreude?

Autor: Benjamin Schwarz

Quellen: Alpenbiotopkartierung; Franziskus von Assisi – Sämtliche Schriften.

Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

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Der Katholische Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen e. V. bietet mit seinen umfangreichen Bildungsangeboten und Projekten Zugang zu einer Welt der Vielfalt. Das Kreisbildungswerk will damit die Wahrnehmung unserer kulturellen und natürlichen Umgebung schärfen und so unser Leben bereichern. Es versteht Bildung aber auch als Chance, in dieser Welt den eigenen Lebensweg zu finden und zu gestalten.
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