Geröllfeld und Hochmoor – Station 4 des Franziskus-Pilgerwegs

Hochmoor im Pfrühlmoos; links im Bild der Schwemmkegel © B. Schwarz

Die Schinderlaine ist ein gewaltiger Schuttfächer, dessen Ausläufer bis ins Pfrühlmoos reichen. Charakteristisch ist ein kleinräumiges Nebeneinander unterschiedlicher Sukzessionsstadien der Bewachsung. So kann man vegetationslose Schuttflächen von Dolomit-Gestein neben ersten Besiedlungsstadien mit Moosen und Felsspaltenarten antreffen. Hierzu zählen die Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia) und die Weiße Silberwurz (Dryas octopetala). Diese war in der nach ihr benannten Jüngeren Dryaszeit (ca. 10.730-9.700 Jahre v. Chr.) in ganz Europa verbreitet und gedeiht als ein Eiszeitrelikt noch heute in der Alpenregion.

Silberwurz (Dryas octopetala) © B. Schwarz

Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia) gehört mit Silberwurz (Dryas octopetala) zu den ersten Besiedlern eines Geröllfeldes. © B. Schwarz

Simsenlilie (Tofieldia calyculata) als Wechselfeuchte-Zeiger © B. Schwarz

Schreitet die Sukzession auf Stellen, die längere Zeit von Rutschungen und Überschüttungen verschont geblieben sind, voran, dann siedeln sich weitere Pflanzen wie beispielsweise die Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus) und erste Sträucher (Weiden) und Bäume an. Das Endstadium der Sukzession stellt hier der Schneeheide-Kiefernwald mit der Schneeheide (Erica carnea), der Waldkiefer (Pinus sylvestris) und der Latsche (Pinus mugo) dar. Wegen des niederschlagsreichen Randalpenklimas treten sporadisch auf steinigem Untergrund auch Pflanzen auf, die eine Wechselfeuchte anzeigen. So finden sich auf dem Schwemmkegel die Simsenlilie (Tofieldia calyculata) und die Mehlprimel (Primula farinosa) und am Hangfuß zu den Moorflächen des Pfrühlmooses hin die Polster-Segge (Carex firma) und Flachmoor-Arten wie das Schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium) und der Sumpf-Dreizack (Triglochin palustris).

Eine bereits mit Bäumen bewachsene Fläche wurde durch eine Gerölllawine erneut verschüttet. © B. Schwarz

Eine in der Sukzession bereits fortgeschrittene Fläche mit Pestwurz (Dryas octopetala), Weiden (Salix sp.) usw. © B. Schwarz

Rot markiert: Zentrales Hochmoor im Pfrühlmoos, umgeben von Niedermooren, Streuwiesen und Sumpfwäldern. Fotografiert vom Hohen Fricken © B. Schwarz

Das Pfrühlmoos („Pfrühl“ kommt vom mittelhochdeutschen „bruel“, was eine sumpfige, mit Buschwerk bestandene Wiese bezeichnet) bildet nach Norden hin mit dem Murnauer Moos und den Mooren des Kochelseebeckens eine deutschlandweit einzigartige Verbundachse wertvoller Moorbiotope und ist der größte verbliebene Moorkomplex in Mitteleuropa. Die zentrale Hochmoorfläche des Pfrühlmooses, auf die vom Schwemmkegel aus geblickt werden kann, ist von Niedermooren, Streuwiesen und Sumpfwäldern umgeben.

Ein Hochmoor wird im Unterschied zum Niedermoor ausschließlich vom Niederschlagswasser gespeist und hat keinen Kontakt zum Grundwasser oder zu Oberflächengewässern, weil es im Laufe der Jahrtausende immer weiter aufgewachsen ist. Es zeichnet sich durch großen Wasserreichtum, saure Bodenverhältnisse und Nährstoffarmut aus. Deshalb können hier nur spezialisierte Arten überleben, welche in anderen Lebensräumen verdrängt werden würden. Charakteristisch auf Hochmooren ist der sog. Bult-Schlenken-Komplex (siehe Titelfoto oben). Auf den Bulte genannten Kuppen wachsen die trockenliebenden Arten, während in den Vertiefungen, Schlenken genannt, sehr fechte Verhältnisse herrschen.

Moore sind ein Refugium für hochspezialisierte und stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Moore dienen außerdem dem Schutz des Klimas, weil sie im Torf (unvollständig zersetztes Pflanzenmaterial, welches den Boden eines Moores bildet) große Mengen an Kohlenstoff speichern. In Deutschlandsind von den einstigen Mooren nur noch 5% übrig geblieben.

Typische pflanzliche Hochmoorarten sind Torfmoose, welche hauptsächlich den Torf bilden und das 20- bis 30-fache ihrer Trockenmasse an Wasser speichern können. Als weitere Pflanzen sind beispielsweise die Rosmarinheide (Andromeda polifolia), die Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) und der fleischfressende Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) anzutreffen. Die Baumschicht wird an nicht allzu feuchten Stellen v. a. von Spirken bzw. Moorkiefern (Pinus rotundata) gebildet.

Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) © B. Schwarz

Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia) © B. Schwarz

Rosmarinheide (Andromeda polifolia) © B. Schwarz

Spiritueller Proviant

„Wo Geduld ist und Demut, da ist nicht Zorn noch Verwirrung.“ (Hl. Franziskus von Assisi, Geistliche Weisungen, „Von der Tugend, die das Laster verjagt“)

Bis ein Geröllfeld bewachsen ist oder aus einem See ein Moor entsteht, braucht es Zeit. Sinnbildlich kann dies für vieles im menschlichen Leben stehen, wo Geduld und Demut gefragt sind. Demut (lateinisch humilitas = Bodenhaftung) meint, die Dinge so zu betrachten, wie sie sind, nüchtern, mit Bodenhaftung. Zusammen mit Geduld führt das zu innerer Ruhe und einem klaren Blick.

Bin ich ein geduldiger Mensch? Wo fällt mir die Geduld schwer?

Autor: Benjamin Schwarz

Quellen: Alpenbiotopkartierung; Burgadler Heft 2014; Franziskus v. Assisi – Sämtliche Schriften.

Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

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Der Katholische Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen e. V. bietet mit seinen umfangreichen Bildungsangeboten und Projekten Zugang zu einer Welt der Vielfalt. Das Kreisbildungswerk will damit die Wahrnehmung unserer kulturellen und natürlichen Umgebung schärfen und so unser Leben bereichern. Es versteht Bildung aber auch als Chance, in dieser Welt den eigenen Lebensweg zu finden und zu gestalten.
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