Streuwiesen im Pfrühlmoos – Station 5 des Franziskus-Pilgerwegs

Streuwiese im Pfrühlmoos mit Stängellosem Enzian (Gentiana clusii) und Mehlprimel (Primula farinosa) © B. Schwarz

Streuwiesen finden sich meist an feuchten Standorten in der Nähe von Quellen oder Mooren. Sie entstehen durch eine besondere Form der Kultivierung, bei der die Wiesen nicht gedüngt und nur einmal jährlich, meist erst ab September, gemäht werden. Dann haben die Pflanzen bereits ausgesamt, Insekten ihren Generationszyklus durchlaufen und Wiesenbrüter ihre Brut abgeschlossen. Dadurch sind Streuwiesen besonders artenreich. Der Name nimmt Bezug auf das Mähgut, das als Einstreu in Tierställen genutzt wird, weil dieses durch die späte Mahd besonders saugfähig ist.

Streuwiese im Deublesmoos, der westlichen Fortsetzung des Pfrühlmooses, nahe der Loisach: Wollgras und Knabenkräuter prägen im Mai und Juni das Bild. © B. Schwarz

Landwirte leisten durch diese Form der Bewirtschaftung einen wertvollen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität. In den letzten Jahrzehnten wurde aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft nicht selten die Nutzung von Streuflächen aufgegeben oder deren Bewirtschaftung intensiviert, d.h. gedüngt, wodurch wenige Arten gefördert und so gut wie alle Streuwiesenarten verdrängt werden.
Auf Streuwiesen können sehr unterschiedliche „Pflanzengesellschaften“ vorhanden sein. Die Bodenbeschaffenheit, Nährstoffverfügbarkeit, Feuchtigkeit und die Nutzung (z.B. eine seltenere Mahd) beeinflussen die Zusammensetzung der Arten auf einer Streuwiese.

Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) © B. Schwarz

Auf den Streuwiesen im Pfrühlmoos blühen im Frühjahr der Stängellose Enzian (Gentiana clusii) und die Mehlprimel (Primula farinosa), etwas später zahlreiche Orchideen wie das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata), die Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea) und die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris). Häufig sieht man den Heilziest (Betonica officinalis), das Wollgras (Eriophorum angustifolium) und das Pfeifengras (Molinia caerulea), dessen knotenloser Halm für die Reinigung langer Pfeifen zu „Großvaters Zeiten“ genutzt wurde. Das Pfeifengras verleiht vielen Streuwiesen im Herbst eine gold-gelbe Färbung. Im Spätsommer und Herbst blüht der Lungenenzian (Gentiana pulmonanthe), der Duft-Lauch (Allium oleraceum), der Teufelsabbiss (Succissa pratensis) oder das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris).

Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe) © B. Schwarz

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) © B. Schwarz

Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea) © B. Schwarz

Streuwiesen bieten auch vielen Insektenarten einen geeigneten Lebensraum wie z. B. der Sumpfschrecke (Stethophyma grossum), die im Pfrühlmoos beheimatet ist. Diese Heuschrecke gehört hier zu den größten und buntesten Arten. Schmetterlinge wie der Riedteufel (Minois dryas) finden sich häufig auf Pfeifengraswiesen.

Sumpfschrecke (Stethophyma grossum), hier ausnahmsweise am Rande der Streuwiesen im Kies © M. Schödl

Eine Krabbenspinne, welche ihre Farbe dem Untergrund anpassen kann, hat hier auf einer Margerite Beute gemacht. © B. Schwarz

Auch seltenen Wiesenbrütern wie Braunkehlchen (Saxicola rubetra), Bekassine (Gallinago gallinago) und Wachtelkönig (Crex crex), deren Brut durch frühes Mähen gefährdet wären, bieten die Streuwiesen mit ihrem vielfältigen Nahrungsangebot geeignete Bedingungen. Braunkehlchen nutzen gerne Schilfhalme als Singwarten. Der Wachtelkönig ruft nachts vom Boden aus nach seinem Weibchen. Diese Arten lassen sich fast nur noch in den wenigen, meist als Schutzgebiete ausgewiesenen Streuwiesen beobachten.

Bekassine (Gallinago gallinago) stochert gut getarnt in feuchter Stelle nach Nahrung. © H.-J. Fünfstück/www.5erls.naturfotos.de.

Spiritueller Proviant

„Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“ (Hl. Franziskus, Sonnengesang)

Die franziskanische Schöpfungsspiritualität betont, dass der Mensch immer in Beziehung steht – mit anderen Menschen, mit den nicht-menschlichen Mitgeschöpfen und mit Gott. Franziskus nennt „Mutter Erde“ seine Schwester und betrachtet so nicht nur alle Mitmenschen, sondern die gesamte Schöpfung als seine Familie. Beziehungslosigkeit führt zu Ruhelosigkeit, Unachtsamkeit bis hin zu Brutalität. Der achtsame, aufmerksame Blick auf das Umgebende ermöglicht das Lob Gottes und führt zu wahrer Freude.

Welche Beziehungen sind mir besonders wichtig? Wo darf ich aufblühen?

Autor: Benjamin Schwarz

Quellen: Alpenbiotopkartierung; LfU, Bioland, Demeter & Naturland, Streuwiesen nutzen – Artenvielfalt erhalten; Franziskus von Assisi – Sämtliche Schriften.

Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

Über uns Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

Der Katholische Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen e. V. bietet mit seinen umfangreichen Bildungsangeboten und Projekten Zugang zu einer Welt der Vielfalt. Das Kreisbildungswerk will damit die Wahrnehmung unserer kulturellen und natürlichen Umgebung schärfen und so unser Leben bereichern. Es versteht Bildung aber auch als Chance, in dieser Welt den eigenen Lebensweg zu finden und zu gestalten.
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