Auf dem Pilgerweg „Via Romea“ – Station 9 des Franziskus-Pilgerwegs

Artenreiche Magerrasen am Wankfuß mit Blick zur Burgruine Werdenfels © B. Schwarz

Via Romea © Jochen Heinke

Der Philosophenweg, auf dem Sie sich hier befinden, ist Teil der „Via Romea“, einer sehr alten Pilger- und Handelsstraße, die von Trondheim über Oslo, Hamburg, Gotha, Augsburg, Innsbruck, Bozen bis nach Rom führte. Aus dem Reisebericht eines Abtes von Stade (bei Hamburg) von 1236/37 geht hervor, dass die Route im Werdenfelser Land über Ettal, Oberau, Farchant, Partenkirchen, Klais und Mittenwald verlief. Aber auch schon 2.500 Jahre v. Chr. gab es eine Handelsroute für Bernstein zwischen der Elbmündung und der Adria durch das Loisachtal. Diese wurde später auch von den Römern genutzt. In Farchant wurden Scherben aus der Bronzezeit zwischen 1.700 und 1.500 v. Chr. gefunden.

Der Mensch hat also schon früh seine Spuren in diesem Tal hinterlassen. Die Weidewirtschaft, die spätestens seit dem Mittelalter betrieben wurde, hat wesentlich zur Artenvielfalt in dieser Region beigetragen. Dadurch entstanden parkartig aufgelichtete Wälder mit Kiefern, wie sie auch heute noch hier zu finden sind. Der Talboden war in früheren Zeiten deutlich unwegsamer und nasser als heute. Hier am Hangfuß des Wank finden sich auf den kleinen Rippen, Mulden und Felsbuckeln aus Plattenkalk trockenheitsresistente Arten. Aufgrund des steinigen Untergrundes und der geringen Humusauflage wachsen hier z.B. keine Buchen, sondern v.a. Kiefern.

Spargelerbse (Tetragonolobus maritimus) © S. Lefnaer, Wikipedia

Schwarzviolette Akelei (Aquilegia atrata) © B. Schwarz

Auf den extensiv beweideten Flächen kommen die Schwarzviolette Akelei (Aquilegia atrata), die Buchsblättrige Kreuzblume (Polygala chamaebuxus) und der Berg-Klee (Trifolium montanum) vor. Eine Besonderheit ist die submediterrane Spargelerbse (Tetragonolobus maritimus), welche hier aufgrund der häufigen Föhnlagen gedeiht und eine botanische Verbindung über die Alpen zum Mediterranraum herstellt.

Auch die Reichsstraße „Augsburg – Venedig“ verlief hier auf der „Via Romea“, an der der Herzog Otto v. Meranien aus dem einst mächtigen bayerischen Grafengeschlecht der Andechser um 1200 n. Chr. zum Schutz des Talkessels und der Reichsstraße die Burg Werdenfels baute. Die Burg befand sich zwischenzeitlich in der Hand des Hochstifts Freising und des Hochstifts Augsburg, bevor sie im 17. Jahrhundert bereits stark verfallen als Steinbruch diente, u. a. für den Bau der neuen Garmischer und Farchanter Kirchen. Die Ruine der Burg, auf die man von hier aus blickt, ist ein Zeugnis für die bereits im Mittelalter blühende Kultur des Tals. Derartige Bauwerke werden heute als kulturelles Erbe bewahrt. Ebenso lässt sich die vom Menschen durch seine Nutzung über Jahrhunderte gestaltete Landschaft und die damit verbundene Artenvielfalt als Kulturerbe verstehen, das es zu erhalten gilt.

Spiritueller Proviant

„Beachte, o Mensch, in welch erhabene Würde Gott der Herr dich eingesetzt hat, da er dich dem Leibe nach zum Bild seines geliebten Sohnes und dem Geiste nach zu seiner Ähnlichkeit erschaffen und gestaltet hat.“ (Hl. Franziskus, Geistliche Weisungen).

Ein Pilgerweg versinnbildlicht das Unterwegssein des Menschen in seinem Leben. Die dem Menschen verliehene Gabe und Würde, Gottes Abbild zu sein (vgl. Gen 1,28), ist eine lebenslange Aufgabe. Der Mensch soll Gott in der Welt vergegenwärtigen. Allzu oft aber verschließt sich der Mensch dem Auftrag, Gottes Liebe auf Erden zu repräsentieren. Franz von Assisi war bestrebt, durch sein Leben, Gott Raum zu geben und sich selbst zum Werkzeug Gottes zu machen.

Wonach suche ich auf meinem Lebensweg? Welcher Spur folge ich?

Autor: Benjamin Schwarz

Hinweis: Geführte Touren auf der „Via Romea“ werden vom Pilgerverein „Via Romea“ angeboten. Kontaktperson für die Etappe durch das Werdenfelser Land ist Henny Schübel, Tel.: 0151-55145574.

Quellen: Alpenbiotopkartierung; Brandner, Joseph – Farchanter Drei-Föhren-Chronik; Geerlings, Wilhelm – Die Tränen der Schwestern des Phaëton – Bernstein im Altertum. In: Ganzeleski, Michael & Slotta, Rainer, Bernstein – Tränen der Götter; Lang, Amei & Schwarzenberg, Heiner – Der hallstattzeitliche Brandopferplatz auf dem Spielleitenköpfl bei Farchant. In: forcheida. Heft  16; Franziskus von Assisi – Sämtliche Schriften.

Katholisches Bildungswerk Garmisch Partenkirchen

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Der Katholische Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen e. V. bietet mit seinen umfangreichen Bildungsangeboten und Projekten Zugang zu einer Welt der Vielfalt. Das Kreisbildungswerk will damit die Wahrnehmung unserer kulturellen und natürlichen Umgebung schärfen und so unser Leben bereichern. Es versteht Bildung aber auch als Chance, in dieser Welt den eigenen Lebensweg zu finden und zu gestalten.
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