Wasserwirtschaft

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Wasserkraft als erneuerbare Energiequelle und Gefahr für die Artenvielfalt innerhalb des Projektgebietes von Alpenflusslandschaften: Vielfalt Leben von Ammersee bis Zugspitze

Die Nutzung von Wasserkraft zur Stromerzeugung schafft in mehrere Hinsicht Konflikte:

  • Auf der einen Seite ist Wasserkraft eine regenerative Energiequelle, die zur Erreichung von Klimaschutzzielen, Minderung von Schadstoffemissionen und Schonung von Rohstoffen beitragen kann. Erneuerbare Energien bieten die Chance umweltfreundliche Energie zu erzeugen und Kern- und Kohlekraftwerke zu ersetzen. 20150627_0087

  • Auf der anderen Seite wird durch den Bau und Betrieb von Wasserkraftwerken aktiv in Fließgewässer eingegriffen und die natürlichen Funktionen gefährdet. Artenreiche Fließgewässer und Auen sind das ökologische Rückgrat unserer Landschaften und Lebensraum von Fischen und Kleinlebewesen. Durch den Bau von Wehranlagen und Triebwerkskanäle und den Einsatz von Turbinen können Schäden am Gewässerbett und an den Ufern entstehen. Zudem können Fische verletzt und getötet werden.

  • Ein Eingriff in die Fließgewässer durch Wasserkraftwerke kann Veränderungen bezüglich des Sauerstoffgehalts, der Durchgängigkeit des Wassers, des Strömungsverlaufs und der Wassertemperatur bewirken.

  • Besonders negative Auswirkungen auf die Natur haben Anlagen im Schwellbetrieb. Dabei werden die Kraftwerke zur Deckung von Spitzenstrombedarfen entweder nur zeitweise betrieben, oder die Stromerzeugung wird durch zusätzliche Turbinen erhöht. So wird aktiv in den Rhythmus der Fließgewässer eingegriffen und es kommt zu Veränderungen von Habitaten und Lebensbedingungen von Tieren und Pflanzen.

Um Klimaschutz und Naturschutz in Bezug auf die Nutzung von Wasserkraft zu vereinen, stellt der Bund Naturschutz e.V. Anforderungen, die hier nachzulesen sind: BN Positionspapier Wasserkraft

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Wasserkraft in Bayern

In Bayern wurden bis 1850 rund 6.400 Wasserkraftanlagen an Bächen und Flüssen errichtet. Durch die technische Weiterentwicklung unterschiedlicher Turbinentypen zur Zeit der Industrialisierung stieg die Anzahl von Wasserkraftwerken bis 1926 auf rund 11.900 mit einer Gesamtleistung von 615.000 kW an. Mitte der 1960ger Jahre verlagerte sich die Stromerzegung zunehmend auf Kohle-, Öl- und Kernkraftwerke, das führte zum Rückbau und zu Stilllegungen von Wasserkraftwerken. Im Jahr 2015 existieren in Bayern 4.192 Wasserkraftwerke, die eine Gesamtleistung von 2.943.000 kW zur Verfügung stellen. Aktuell gibt es also so weniger Wasserkraftwerke als 1850, die jedoch sehr viel effizienter sind und deshalb auch mehr Strom erzeugen. Bemerkenswert ist, dass rund 200 Großkraftanlagen 92% des Stroms aus Wasserkraft in Bayern bereitstellen, während die restlichen 4.000 Kleinanlagen nur 8% beitragen.

Naturschutzorganisationen wie Greenpeace und der Umweltschutzverband Bund Naturschutz e.V. betonen, dass die Potentiale zur Wasserkraftnutzung in Bayern bereits voll ausgenutzt sind und dass eine Leistungssteigerung nur noch durch die Modernisierung von bereits bestehenden Anlagen möglich ist.

Im Hotspot-Gebiet des Projektes „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ befinden sich einige Wasserkraftwerke, die die Flüsse zum Teil erheblich negativ beeinflussen. „Sie sind dadurch in einem Zustand, der sich auch ohne weiteren Ausbau kontinuierlich verschlechtert – mit allen negativen Folgen für uns Menschen, Ökosystemdienstleistungen, die Lebensräume und ihre häufig hochspezialisierten Arten.“ (Artikel zum Hotspot-Projekt). Gerade deshalb müssen die Flusslandschaften geschützt werden.

Weitere Informationen zur kritischen Auseinandersetzung mit der  Wasserkraftnutzung unter:

Bund Naturschutz e.V.

Greenpeace Thema Wasserkraft

Bayerisches Landesamt für Umwelt

Aktuelle venGo Artikel und Hinweise zum Thema Wasserkraft in Bayern:

 


Fluss und Aue gehören zusammen

Das Nahleauslassbauwerk – ein langer Name für ein besonderes, etwa 300 m langes Streichwehr am Leipziger Flüsschen Nahle Dieses Bauwerk ist nach dem schweren Hochwasser im Sommer 1954 errichtet worden, um für weitere kritische Hochwasser die in Dämmen geführten Wassermassen wenigstens zu einem Teil in eine Reservefläche (Polder) des nordwestlichen Auwalds…

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Wasserkraftwerk Kammerl an der Ammer

Das Wasserkraftwerk Kammerl war ein altes Laufwasserkraftwerk und wurde 1897-1899 zur Versorgung der Ammergaubahn gebaut. Der Strom wurde direkt in die Oberleitung der Bahnlinie eingespeist. 2013 wurde das Bahnkraftwerk stillgelegt und bis 2015 durch die Deutsche Bahn erneuert. Eine Drehstromturbine und ein Druckrohr wurden neu errichtet. Das Wasser der Ammer wird zur Energiegewinnung abgeleitet und über einen Kanal zum Kraftwerk geführt. Insgesamt kann so eine Leistung von 1,2 Megawatt erzeugt werden. Eine Fischtreppe am Ausleitungsbauwerk ermöglicht den Fischen die Wanderung durch die Ammer…

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Kleinwasserkraftwerk an der Loisach bei Eurasburg

Das Kleinwasserkraftwerk Eurasburg an der Loisach wird privat betrieben. Über den Mühlbach wird das Wasser für die Anlage abgeleitet. Das Kraftwerk wurde 1980 ans Netz geschlossen und hat eine installierte Leistung von 141kW. Im Bereich des Kraftwerks soll außderdem ein Erdwall zum Hochwasserschutz errichtet werden. So kann ein ganzes Gebiet vor Überschwemmungen geschützt werden (Stand 09/2015).

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Wasserkraftwerk Wolfratshausen

Das Wasserkraft in Wolfratshausen wird durch einen privaten Eigentümer betrieben. Die Anlage, auch Weidachmühle genannt, wurde 1991 in Betrieb genommen und erzeugt eine Leistung von 830 kW. Es handelt sich also um eine Kleinwasserkraftanlage, die durch das Wasser der Loisach gespeist wird. Eine Wanderhilfe für Fische besteht hier nicht. Der private Eigentümer aus Memmingen plant die Anlage zu sanieren und eine modernere Turbine einzubauen…

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Isarkraftwerk Bad Tölz

Das Wasserkraftwerk Bad Tölz ist ein Laufwasserkraftwerk und wird von den Stadtwerken Bad Tölz betrieben. Insgeamt können hier etwa 10 Mio kWh pro Jahr erzeugt werden. Das Kraftwerk wurde 1958 in Betrieb genommen und hat 5,7 Mio DM gekostet. Die Anlage liegt im Landschaftsschutzgebiet „Israuen“ und grenzt direkt an das FFH-Gebiet „Oberes Isartal“.

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Wasserkraftnutzung an der Ammermühle bei Rottenbuch

An der Ammermühle bei Rottenbuch wird ein Wasserkraftwerk durch einen privaten Eigentümer aus Garmisch-Partenkirchen betrieben. Die Anlage wurde in den 1990er Jahren an ebendiesen verkauft. Der Standort der Wasserkraftanlage befindet sich im geschützten FFH-Gebiet „Ammer vom Alpenrand bis zum NSG „Vogelfreistätte Ammersee-Südufee““. Aufgrund von Altrechten darf die Wasserkraftanlage überhaupt in dem Schutzgebiet betrieben werden…

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Kleinwasserkraftanlage Steckenberg in Unterammergau

Das Kleinwasserkraftwerk Steckenberg liegt am Rande des Steckenberg Erlebnisberges. Zwischen den Steckenbergliften und dem Schartenlift hat ein privater Besitzer das Kraftwerk im Jahr 1997 errichtet. Zwei Pelton-Turbinen, die zusammen eine maximale Leistung von 220 kW erzeugen können, werden durch Wasser aus zwei getrennten Druckleitungen betrieben. Eine Leitung stammt vom Altmuttermoos, die andere vom Speichersee im Kurztal. Die Stahlgussrohre befördern das Wasser direkt ins Turbinenhaus.

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Kleinwasserkraftanlage bei Ettal

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde bei der Ettaler Mühle eine Francis-Turbine und ein Wasserrad betrieben. Im Jahr 1958 wurde die Anlage samt Turbinenhaus grundlegend erneuert. Dabei wurde der Mühlbach, der aus der Kleinen und der Großen Ammer gespeist wird, als Triebwerkskanal instand gesetzt. Der Stauweiher vor dem Kraftwerk wurde im Zuge der Erneuerung auf 1,6 Hektar vergrößert. Eine neue Kaplan-Turbine erzeugte nun eine Leistung von 81 kW. Die Ettaler Mühle versorgte über eine Fernleitung die Klosteranlage Ettal mit erneuerbarer Energie aus Wasserkraft. Nach einem Brand in den 1990er Jahren musste die Fernleitung stillgelegt werden. Heutzutage wird der Strom direkt in das öffentliche Netz eingespeist. Nachdem ein Generator ausgetauscht wurde, erzeugt das Wasserkraftwerk bei der Ettaler Mühle rund 350 MW elektrische Leistung. Damit können rund 92 Haushalte versorgt werden.

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Wasserkraftnutzung an der Ach

An der Ach nördlich von Uffing gibt es vier Kleinwasserkraftanlagen, die zusammen rund 375 MWh Strom (2012) erzeugen. Insgesamt haben die Anlagen eine installierte Leistung von 74 kW. Eine der vier Wasserkraftanlagen befindet sich im Schutzgebiet „Grasleitner Moorlandschaft“.

Die Ach entsteht durch den Zusammenfluss des Glotzenbachs und des Mühlbachs östlich von Bad Bayersoien. Sie ist etwa 37 Kilometer lang, fließt durch den Staffelsee und mündet dann bei Oberhausen in die Ammer. Die Uffinger Ach unterscheidet sich von den anderen Seitenbächen der Ammer durch das sommerwarme Seeausflusswasser und durch die besondere Fischfauna. Das Gewässersystem der Ach ist weitgehend naturnah erhalten und hat einen hohen ökologischen Wert.

Das nördlichste Kleinkraftwerk der Ach befindet sich bei Tafertshofen. Ein Ausleitungswehr einer Mühle führt ein Teil des Wassers in das Krafthaus zur Energieerzeugung. Eine Wanderhilfe für Fische gibt es dort jedoch nicht. Insgesamt gibt es nur zwei Wanderhilfen an der Ach. Dadurch können die Fische die Querbauten und Kraftwerke zum Teil überwinden.

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Lechstausstufe 6: Dornautalsperre

Die Lechstaustufe 6, oder auch Dornautalsperre genannt, wurde zwischen 1958 und 1960 gebaut und dient zur Stromerzeugung, zum Hochwasserschutz und als Naherholungsgebiet. Das Kraftwerk erzeugt mit vier Kaplanturbinen 16,6 MW Strom und wird von der E.ON GmbH betrieben.

Über den Stausee des Kraftwerks verläuft die Lechtalbrücke. Der Stausee, auch Schongauer Lechsee genannt, ist zwischen dem Kraftwerksdamm und der Lechtalbrücke ein Fischereigebiet. Die Fischer am Lech auf der Höhe von Schongau und Peiting sprechen jedoch von einem „stillen Sterben“ der Fische an den Lechstauseen. Grund dafür ist der voll ausgelastete Schwellbetrieb der Wasserkraftwerke.

Lechtalbrücke
Lechtalbrücke

Beim Schwellbetrieb an der Lechstaustufe 6 wird der Pegel zwei Mal täglich um fast einen Meter abgesenkt. Das hat Folgen für die dort vorherrschenden Tier- und Pflanzenarten. Vor allem die Kieslaicher leiden darunter, wenn die Flachzonen des Lechs noch niedrigere Pegelstände erreichen.

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