Unsere Berge brauchen keine Geschmacksverstärker

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Stefan Glowacz an der AlpspiX Plattform. (Foto: Neumann)

Nachdem in Tirol ab dem Jahr 2000 eine Aussichtsplattform nach der anderen errichtet wurde, war es nur noch eine Frage der Zeit, wann ein bayerischer Berg mit so einer Installation „verziert“ wird. Am 4. Juli 2010 lud die Bayerische Zugspitzbahn die lokale Prominenz zu feierlichen Eröffnung– aber die nicht geladenen Gäste waren schneller.
Der bekannte Extremkletterer und Abenteurer Stefan Glowacz, aus Grainau stammend, hängte sich frühmorgens zusammen mit Jürgen Knappe auf einem Portaledge unter die Stahlkonstruktion und machte damit dem Versprechen der Betreiber „ungläubiges Staunen ist garantiert“ alle Ehre.

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MW Transparent am Höllentorkopf (Foto: Neumann)

Zeitgleich zur Eröffnungsfeier entrollten Aktivisten von Mountain Wilderness Deutschland am gegenüberliegenden Höllentorkopf ein riesiges Banner, das mit einem Piktogramm die Botschaft „Aussichtsplattform nein danke“ übermittelte.

Die beiden in X-Form montierten Stahlstege sind jeweils 24 Meter lang und ragen 13 Meter über den 1000-Meter-Abgrund. Schon 2009 demonstrierte Mountain Wilderness Deutschland zusammen mit Stefan Glowacz gegen die Realisierung des Projekts. Verhindert werden konnte die Plattform leider nicht, aber sie hat zu einer breit angelegten Diskussion über Sinn und Unsinn solcher Installationen in den deutschen Alpen geführt.

Da eine solche Investition selten alleine kommt, wurden zudem ein 700 Meter langer „Gipfel-Erlebnisweg“ und ein „Genuss-Erlebnisweg“ mit 18 Stationen bis zur drei Kilometer entfernten Bergstation der Kreuzeckbahn angelegt.
Der erste verspricht mithilfe von Informationstafeln über die Umgebung „beim Spaziergang keine Langeweile aufkommen“ zu lassen. Der zweite ermöglicht dem Begeher u.a. „den Duft der Berge einatmen, einen zauberhaften Blick genießen“.
Sieht so die Zielgruppe der Bergtouristen von morgen aus? Menschen, die ihren Aufenthaltsort nur durch die Brille des Weggestalters wahrnehmen? Bieten uns nicht gerade die Berge die Freiheit, sich mit allen Sinnen der Umwelt zu öffnen?
Deswegen stand auf Stefan Glowacz‘ Banner: „Unsere Berge brauchen keine Geschmacksverstärker“ – sie sind einzigartig so, wie sie sind.

Weitere Infos: www.mountainwilderness.de

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