Mit der Eisenbahn kamen die Streuwiesen.

Die Streuwiese ist ein (historischer) mitteleuropäischer Nutzungstyp einer Wiese. Streuwiesen dienen der Produktion von Einstreu für die Stallungen, nicht der Ernährung von Viehbeständen. Prägendes Merkmal für die Nutzung und Ökologie dieser Wiesen ist, dass sie nur einmal jährlich, im Herbst/Winter, gemäht werden.

Die Streuwiese ist ein (historischer) mitteleuropäischer Nutzungstyp einer Wiese. Streuwiesen dienen der Produktion von Einstreu für die Stallungen, nicht der Ernährung von Viehbeständen. Prägendes Merkmal für die Nutzung und Ökologie dieser Wiesen ist, dass sie nur einmal jährlich, im Herbst/Winter, gemäht werden.

Im richtigen Umgang mit technischem Fortschritt wird  die Artenvielfalt nicht bedroht.

Direkt ins Zentrum der Projekt Region Alpenflusslandschaften: Vielfalt Leben von Ammersee bis Zugspitze kommst du mit der Eisenbahn von München über Tuzing nach Kochel. Die Bahn führt uns auch in das Gemeindegebiet von Benediktbeuren und in die Feuchtgebiete entlang der Loisach. Diese Strecke durch eines der spannendsten Voralpengebiete wollen wir nutzen, um uns Gedanken zu machen über technischen Fortschritt, Kulturlandschaft und wie diese ungeplant und spontan zu mehr Artenvielfalt führte.

Vor der Eröffnung der Bahn von Tuzing nach Penzberg im Jahre 1865 und von Penzberg nach Kochel im Jahre 1898 gab es in dieser Region kaum Streuwiesen. Warum wirst du dich fragen? Und was haben Streuwiesen mit der Eisenbahn zu tun?

Bis zum Aufkommen der Eisenbahn war die Landwirtschaft im bayerischen Alpenvorland fast ausschließlich eine Subsidenzwirtschaft (die Bauern produzierten vorwiegend um sich und ihre Familien zu versorgen).  Der Ackerbau nahm daher einen erheblichen Teil der Bodennutzung ein. Die klimatischen Voraussetzung für Getreide- und Kartoffelanbau waren schlecht . Die hohen Niederschläge führten zum raschen Auswaschen der Nährstoffe und auch der Böden wegen der fehlenden Grasnarbe. Die Egartwirtschaft als Feld-Gras Wechselwirtschaft, typisch für das Alpenvorland, beugte diesem Auswaschen von Naturstoffen vor. Das Feld einer  Egartwirtschaft kannst du heute noch im Freilichtmuseum in der Glentleiten sehen. Ein wesentlicher und limitierender Faktor für den Ackerbau im Alpenvorland war damit das Fehlen von organischem Dünger (Kunstdünger stand damals noch nicht zur Verfügung). Der organische Dünger kam vorwiegend vom Vieh. Aus diesem Grund wurden Feuchtstandorte soweit möglich als Futterwiesen genutzt und der organische Dünger auf die Äcker ausgetragen. Das anfallende Streu aus dem Ackerbau wurde im Gegenzug im Stall verwendet. Der Misthaufen gehörte zu jedem Hof. Mit dem Bau der Bahnlinien im 19 Jahrhundert fiel der Zwang zur Selbstversorgung weg. Das Getreide konnte günstiger eingekauft werden und im Gegenzug Milchprodukte verkauft werden.  Der Ackerbau wurde zunehmend zugunsten der Grünlandwirtschaft aufgegeben und der freiwerdenden Dünger aus dem Stall konnte zur weiteren Verbesserung der Futterwiesen eingesetzt werden. Allerdings führte die Aufgabe des Ackerbaus und der einhergehenden Streuproduktion auch zu einem Mangel an Einstreu für den Stall.

Dieser Mangel an Streu für das Vieh im Stall war es, nach dem die Selbstversorgung aufgegeben wurde und damit die Äcker in Grünland verwandelt wurden, der ab 1850 die Entwicklung der Streuwiesenkultur im Alpenvorland ermöglichte. Damit haben technischer Fortschritt und der Bau von Eisenbahnen zunächst aus einer ungeplanten Not heraus einen Beitrag zur Artenvielfalt und Landschaftskultur geschaffen. Ein positives Beispiel vom Zusammenspiel von Natur und technischem Fortschritt. Einhundert Jahre später, seit etwa 1950 verläuft dieses Zusammenspiel von Natur und Technik ganz anders und beschert uns heute den dramatischen Artenverlust durch industrielle Monokulturen und Überdüngung. Hiervon jedoch in einem anderen Artikel.

 

Der Begriff "Streuwiese" ist sehr jung und wurde erst Mitte des 19. Jhr. geprägt. Streuwiesen sind vom Menschen genutze Feuchtgebiete und Moore. Sie sind kultivierte Natur und keinesfall unberührt. Streuwiesen sind eine Form von Landnutzung mit dem wichtigen Nebeneffekt der Steigerung der Artenvielfalt. Umkehr des Artenverlust ist eines der Kernanliegen im modernen Naturschutz. Streuwiesen und ihre Pflanzenvielfalt werden "subjektiv" als "schöne" Landschaft wahrgenommen und sind damit auch Grundlage des Tourismus.

Der Begriff „Streuwiese“ ist sehr jung und wurde erst Mitte des 19. Jhr. geprägt. Streuwiesen sind vom Menschen genutze Feuchtgebiete und Moore. Sie sind kultivierte Natur und keinesfall unberührt. Streuwiesen sind eine Form von Landnutzung mit dem wichtigen Nebeneffekt der Steigerung der Artenvielfalt. Umkehr des Artenverlust ist eines der Kernanliegen im modernen Naturschutz. Streuwiesen und ihre Pflanzenvielfalt werden „subjektiv“ als „schöne“ Landschaft wahrgenommen und sind damit auch wichtig für den Tourismus.

Was ist eine Streuwiese? Standortökologisch handelt es sich bei der Streuwiese um eine ungedüngte, einmal im Jahr und zwar erst im Herbst gemähte Wiese auf wechselfeuchten bis nassen Standorten. Das Grundwasser steht ganzjährig relativ hoch, schwankt aber meist stark. Durch Entwässerung, Düngung und Vorverlegung des Schnitts in die Sommermonate können Streuwiesen jedoch relativ leicht in Futterwiesen umgewandelt werden. Dies ist auch ein Grund dafür, dass es diesen Wiesentyp heute kaum mehr gibt. Nicht rentabel meliorierbare Bestände sind großflächig verbracht, nicht mehr bewirtschaftete Streuwiesen gehen in der Regel rasch in Schilfröhrichte über. Durch Naturschutzvereine, Naturschutzbehörden und Landschaftspflegeverbände werden in manchen Gebieten jedoch Restflächen durch regelmäßige Herbstmahd erhalten.

Weitere Links:

Wikipedia: Streuwiese

Wikipedia: Egartwirtschaft

Wikipedia: Kochelseebahn

Projekt Alpenflusslandschaften: Vielfalt Leben von Ammersee bis Zugspitze

Literatur: Peter Poschlod, Geschichte der Kulturlandschaft, Ulmer 2014 (sehr lesenswert)

 

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