Wasser für Augsburg

Wasser als Energieträger hat im Zuge einer Abkehr von fossilen Rohstoffen für die Energiegewinnung in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Doch die Idee ist selbstverständlich keineswegs neu, man denke nur an alte Getreidemühlen und sonstige Einrichtungen wie sie über Jahrhunderte lang verwendet wurden.


Darstellung des Hochablasses um 1850, dieser Bau wurde 1910 bei einem Hochwasser zerstört.

Auch die Stadt Augsburg, weit über das Mittelalter hinaus eine freie Reichsstadt, setzte selbstverständlich auf Wasser. Die Stadt wird von zwei Flüssen flankiert. Der Wertach sowie dem Lech. Um trotz der sich stetig veränderten Wassermassen, wie es ein im Gebirge entspringender Fluss so mit sich bringt, eine stabile Versorgung der Stadt sicherstellen zu können wurden bereits im Hochmittelalter, eine Erwähnung gab es etwa 1346, Wehranlagen errichtet um das Wasser stetig in die Kanäle der Stadt leiten zu können. Diese wurde über die Jahre natürlich verändert und nach Hochwasserschäden auch öfter neu aufgebaut. Über die Geschichte und den Status diesen sogenannten Lech oder auch Hochablasses im Jahr 1850 Berichtet Franz Joseph Kollmann.

Seit 850 Jahren erinnert man ſich, daß hier Bauten zum Zweck einer geregelten Waſſereinleitung ober eines Ablaſſes vorhanden waren. Anfangs mögen die Schlueßen mangelhaft genug geweſen seyn, aber ob auch der wilde Strom, oder feindlich Ueberfälle, ſie zerstörten, nichts ſchreckte die Reichsſtadt ab, das nützliche Werk wieder herzuſtellen, […].

Laut Kollmann diente das Wasser, welches an dieser Stelle dem Lech entzogen und in die städtischen Kanäle geleitet wurde, insgesamt 71 Werken zum Betrieb. Es wurde damals also noch keineswegs Strom am Wasserwerk selbst produziert, dieses diente lediglich dazu das Wasser zu den eigentlichen Verbrauchern zu befördern. Zu diesem Zweck gab es eine Unmenge an Kanälen quer durch die Stadt wovon viele auch heute noch existieren, wie etwa der Hauptstadtbach, oder aber zumindest an den Straßennamen nachvollziehbar sind. So erreichte dass Wasser schließlich Betriebe wie die Metall- und Holzdreherei (von Georg Schlöder eröffnet 1840) oder auch die Schwallmühle zum Mahlen von Getreide.

Außerdem war es zusätzlich möglich bei geöffneter Schleuse, über die Kanäle auch bis in die Stadt zu fahren was insbesondere für den Holztransport regelmäßig genutzt wurde. Am Wehr vorbei führte zudem ein Floßkanal durch welche auch Fische und andere Wasserlebewesen die Schleuse umgehen konnten, wenn auch letzteres von den damaligen Zeitgenossen nicht geplant wurde.

Die Wehranlagen selbst beschreibt Kollman folgend:

Das den Lech zur Stauung des Waſſers durchſchneidende Ueberfall- und Streichwehr iſt 900 Fuß lang, 40 Fuß Breit und 4 Fuß 6 Zoll hoch. In dem Wehr befinden ſich drei 24 Fuß lange und 2 1/2 Fuß tiefe Einschnitte, welche bei Waſſer-Überfluß geöffnet, im anderen Falle aber geſchlossen gehalten werden. […] Auf dem Wehr liegen viele große Bruchsteine, um ſich derſelben als Schutzmittel bei eintretender Wassergefahr für den Wehrdeckel bedienen zu können.

Außerdem gab es beidseitig um das Wehr herum noch mindestens 700 bayerische Fuß (um die 204 Meter) lange Dämme um die Wassermassen beherrschen zu können.
Für die Bedienung der erwähnten Schleusen wurden von der Stadt stets mindestens 2 Gesellen beschäftigt, welche diese Mittel einfachen Drehrädern öffnen und schließen konnten.

Die hier von Kollman beschriebene Anlage bestand bis ins Jahr 1910, in welchem sie aufgrund von Hochwasserschäden durch die noch heute existierende Konstruktion ersetzt wurde.

Quellen:

Kollmann, Franz Joseph: ˜Die Wasserwerke von Augsburg ( 1850 )
Bilder stammen von Wikimedia:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hochablass_Augsburg_Foto_Stadtwerke_Augsburg.jpg
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lechabla%C3%9F_1850.jpg?uselang=de

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 von 5)
Loading...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.