Wildnis mit Fehlern: Die Litzauer Schleife

Ausgangspunkt: 86997 Burggen, Ortsausgang Schwarzkreuzstraße.

Weglänge und Anforderungen: 5,9 km, festes Schuhwerk, v.a. bei feuchtem Boden.

Naturräume: Lechleitenhänge mit traditioneller Weidenutzung, artenreiche Magerwiesen, Relikte von Schneeheide-Kiefernwäldern mit Langblättrigem und Rotem Waldvögelein, Hangwälder mit Türkenbund und Vogel-Nestwurz, aufgelichtete alte Kiesbänke am Lech mit Akeleiblättriger Wiesenraute und Großem Zweiblatt.

Geologische Besonderheiten: Lechterrassen, Lechhalden, Drumlins und Toteislöcher

Charakter der Tour: Der Weg verläuft entlang der Litzauer Schleife, einer der wenigen Abschnitte am bayerischen Lech, in welchen der Alpenfluss noch frei fließen kann. Eine Teilstrecke verläuft entlang des LechErlebnisWeges mit Schautafeln und interaktiven Angeboten zum Thema Biologische Vielfalt am Lech. Danach führt der Weg über mehrere Terrassen durch das Naturschutzgebiet zum Lech hinunter.

Wegverlauf und Beschreibung:

litzauer_schleife

Die Litzauer Schleife bietet zu jeder Jahreszeit faszinierende Ein- und Ausblicke.

Vom Ausgangspunkt gehen wir Richtung Osten und biegen nach 100 m rechts ab, nach 400 m geht es an der Kreuzung links und am Aussiedlerhof vorbei. Nach weiteren 400 m erreichen wir die Hangkante mit überwältigendem Blick über das Halbrund der Litzauer Schleife und auf das rund 70 m tiefer liegende Bett des Lechs. Hier sehen wir einen der letzten noch unverbauten Lechabschnitte unterhalb des Forggensees. Ohne den Einsatz der lokalen Bevölkerung und Naturschützern würde sich auch hier ein großer Stausee ausbreiten. Doch auch in der Litzauer Schleife ist der Lech längst nicht mehr das, was er einmal war. Eine Infotafel zeigt die Entwicklung der Lebensräume nach Bau der Staustufen und die Konsequenzen für speziell angepasste Arten. Ohne größere Hochwässer und den ständigen Nachschub an Kies aus dem Gebirge wachsen die früher größtenteils vegetationsfreien Kiesbänke immer mehr mit Weiden und Grauerlen zu.

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Im Frühsommer werden die niedrigeren Kiesbänke am Lech überschwemmt – große Hochwässer, welche den Flusslauf gestalten gibt es aber seit dem Bau des Forgensees nicht mehr.

An den weniger steilen Leitenhängen etwas westlich weidet gemeinschaftlich und über den ganzen Sommer das Jungvieh der Burggener Bauern – eine uralte Form der Allmende. Durch die gebändigte Kraft nagt des Lech kaum noch am Hangfuß und löst keine Rutschungen aus. Die Rinder erzeugen durch Fraß und Tritt offene Bodenstellen und schaffen somit kleine Ersatzlebensräume für Arten, die ursprünglich an den Rutschhängen lebten.
Wir folgen der Hangkante leicht bergauf nach Osten. Auf der Höhe angelangt schauen wir noch einmal zurück nach Burggen und auf die sanften Buckel und Senken, welche der Lech-Gletscher nach der letzten Eiszeit hinterlassen hat. Wir gehen etwas weiter und stoßen auf das Kiesel-Mobile, eine Station am LechErlebnisWeg. An der Herkunft der Flusskiesel ist zu erkennen, dass der Lech nicht nur einer Vielfalt an Arten Lebensraum bietet, sondern auch „Kieselvielfalt“ schafft. Durch das Fernrohr nach Süden blickend können wir uns an den angeschriebenen Alpengipfeln orientieren und das „Lechtor“ finden. Dort verlässt der Lech die Tiroler Berge und überquert die Grenze nach Deutschland.

Wir folgen dem Weg weiter bergan und verlassen oben angelangt den Fahrweg, indem wir rechts dem Trampelpfad folgen. An einer weiteren Schautafel werden die unterschiedlichen Ansätze im Naturschutz erklärt – je nachdem WAS geschützt werden soll. An den unter uns liegenden Steilhängen sehen wir heute viele dichte Fichtenbestände, früher waren sie aber zum größten Teil von Schneeheide-Kiefernwäldern bestanden. Solche lichten Wälder bieten z.B. Buchsblättriger Kreuzblume, Rosmarin-Seidelbast und vielen Orchideen-Arten Lebensraum und sind unter den mitteleuropäischen Wald-Typen die artenreichsten. Durch gezielte Auflichtungsmaßnahmen werden die Relikte der Schneeheide-Kiefernwälder erhalten und wiederhergestellt.

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Auf der Magerwiese blüht die Knäuel-Glockenblume – hier sollte in den 1950er Jahren eine Staustufe gebaut werden.

Nach einem kurzen steilen Abstieg folgen wir weiter dem Pfad entlang des Waldrandes und der Hangkante bis sich der Blick zum Lech hinunter nochmals öffnet. Wir stehen in einer Magerwiese, die von Frühjahr bis Spätsommer immer etwas fürs Auge bietet. Schlüsselblume, Klappertopf, Knäuel-Glockenblume und viele weitere Kräuter blühen hier. An dieser Stelle sollte in den 1950er Jahren eine Staustufe gebaut werden. Folgt man dem QR-Code auf einer kleinen Schautafel, bekommt man ein Gedicht von Hans Schütz zur damaligen politischen Auseinandersetzung zu hören – vom Dichter selbst in feinstem Lechrainer-Dialekt gelesen.

Nach einer kleinen Geländekante folgen wir dem Fahrweg rechts Richtung Süden. Schon bald geht es bergab und in den Wald. Von Terrasse zu Terrasse streben wir nun dem Lech zu. Unterwegs lohnt sich ein Blick an den Wegrand wo man Frauenschuh, Türkenbund-Lilie und Vogel-Nestwurz entdecken kann. An der untersten Terrasse angelangt genießen wir den Halbschatten der Kiefern und den Blick auf das gegenüberliegende Steilufer mit imposanten gelben Wänden aus Nagelfluh und Moränensand. Auch hier wurde in den letzten Jahren durch verschiedene Naturschutzinitiativen aufgelichtet und somit der Charakter des Schneeheide-Kiefernwaldes wiederhergestellt.

Auf dem Rückweg spazieren wir zunächst wieder auf dem Fahrweg bis nach oben. Wir biegen aber nicht mehr links auf den Trampelpfad ab sondern bleiben auf dem Fahrweg durch Wiesen. Nach 500 m liegt auf der rechten Seite ein eindrucksvolles vermoortes Toteisloch
Kurz danach erreichen wir eine Betonstraße, der wir nach links folgen. Nach 900 m steht an der Straßengabelung eine Gedenksäule zur Via Claudia Augusta – eine Handelsstraße der Römer, die hier vorbei von der Adria bis nach Augsburg führte. Jetzt nur noch bergab bis zum Ausganspunkt zurück.

Autor: Johannes Karrer, Lebensraum Lechtal e. V.

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www.lebensraumlechtal.de

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