Zeitreise in die Landschaft des Mittelalters: Zu Schongauer Alm und Heidewiese

Schongauer Alm - Milch gibt es hier aber keine mehr. © Johannes Karrer

Schongauer Alm – Milch gibt es hier aber keine mehr.
© Johannes Karrer

Ausgangspunkt: Schongau-West, Wanderparkplatz Zugspitzstraße / Ecke Säulingstraße.

Weglänge und Anforderungen: 4,6 km, keine nennenswerten Anforderungen.

Naturräume: Heidewiese mit Ästiger Graslilie und Schwalbenwurz-Enzian, sowie Weißer Waldhyazinthe und Braunrotem Stendelwurz und Gruppen aus alten Kiefern und Fichten; trockene Kiesterassen mit Traubenhyazinthe, Hang-Quellmoor mit Mehlprimel, Gewöhnlichem Fettkraut oder Langblättrigem Sonnentau an den Hängen des Lechs.

Geologische Besonderheiten: Lechterrassen

Charakter der Tour: Der Rundweg führt durch die Schongauer Heidewiese, eine der inzwischen sehr selten gewordenen halboffenen Waldweide-Landschaften, die heute ein geschütztes Naturdenkmal ist. Der Rundweg verläuft z. T. auf einem Naturlehrpfad mit Informationen zum Wald und seinen Bewohnern.

Wegverlauf und Beschreibung:
Vom Ausgangspunkt folgen wir dem schräg in das Forchet, dem Stadtwald von Schongau, einbiegenden Weg nach Südwest. Der Name Forchet bedeutet Kiefernwald und stammt vom Tiroler „Forche“ für „Föhre“ bzw. Kiefer. Er deutet auf den sprachlichen Austausch entlang des Lechs zwischen Bayern und Tirol hin. Nach 650 m biegen wir scharf rechts in Richtung Burggen ein, und überqueren nach weiteren 600 m die Umgehungsstraße. Hier endet das Forchet und wir stehen vor den Weiden der Schongauer Alm.

Parkartige Landschaften wie die Schongauer Heidewiese sind durch jahrhundertelange Beweidung mit Haustieren entstanden. © Johannes Karrer

Parkartige Landschaften wie die Schongauer Heidewiese sind durch jahrhundertelange Beweidung mit Haustieren entstanden.
© Johannes Karrer

Einzelne große Fichten bieten den hier noch immer weidenden Rindern Schutz vor Sonne und Regen. Sie fressen sich ihre Unterstände förmlich frei, wodurch an den Bäumen die typischen Fraßkanten entstehen. Nach 400 m stoßen wir auf die ehemalige Alm. Als sie noch bewirtschaftet wurde, kamen die Schongauer bei Spaziergängen hier heraus, um ein Glas frische Milch zu genießen.

Dem Weg am Waldrand entlang folgen wir weiter bergab bis zum Beginn der Heidewiese (dabei bleiben wir auf dem Hauptweg und biegen nicht rechts Richtung Burggen ab). Auf der leicht welligen Terrasse oberhalb des Lechs wechseln sich blütenreiche Wiesenstücke mit einzelnen Gruppen aus alten Kiefern und Fichten ab. Solche halboffenen Landschaften inspirierten schon im 18. Jahrhundert englische Gärtner bei der Planung ihrer Landschaftsgärten. Durch das gesamte Mittelalter und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hatten viele Landschaften in Mitteleuropa einen halboffenen Charakter. Der Wald diente nicht nur zur Holzgewinnung, sondern auch zur Streugewinnung und als Allmend-Weide für das Vieh. Alle Bauern hatten gleichermaßen das Recht, ihre Tiere auf die Allmend-Flächen zu treiben. Durch kräftigen Verbiss konnten kaum Bäume nachwachsen und die Wälder wurden immer lichter. Nur im Schutz von Dornensträuchern konnten Bäume so groß werden, dass die Tiere ihnen nichts mehr anhaben konnten. Durch das kleinräumige Mosaik aus schattigen und sonnigen Lebensräumen fanden in diesen halboffenen Landschaften viele Tiere und Pflanzen eine geeignete Nische. So sind Ästige Graslilie und Schwalbenwurz-Enzian hier eher an sonnigen Plätzen zu finden, Weiße Waldhyazinthe und Braunrote Stendelwurz bevorzugen dagegen den Schatten der Gebüsche und Bäume. Seit der strikten Trennung von Land- und Forstwirtschaft sind halboffene Waldweide-Landschaften immer seltener geworden. Die Schongauer Heidewiese ist deshalb ein geschütztes Naturdenkmal. Auf einer Schautafel des Lebensraum Lechtal e.V. ist die Nutzungsgeschichte der Heidewiese erklärt.

Die Besenheide wird vom Vieh verschmäht und kommt deshalb immer wieder zwischen Gräsern und Kräutern vor. Ihr hat die Heidewiese ihren Namen zu verdanken. © Johannes Karrer

Die Besenheide wird vom Vieh verschmäht und kommt deshalb immer wieder zwischen Gräsern und Kräutern vor. Ihr hat die Heidewiese ihren Namen zu verdanken.
© Johannes Karrer

Die Terrassen entlang des Lechs bestehen überwiegend aus grobem Kies, welcher kaum Wasser hält. Deshalb gedeihen hier nur an Trockenheit angepasste Pflanzen wie die Traubenhyazinthe. In kleinen Senken und um die vielen Quellen an den Hängen zum

Der grazile Langblättrige Sonnentau hat auf extrem nährstoffarmen und nassen Standorten einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Pflanzen: Er beschafft sich zusätzliche Nährstoffe über gefangene Insekten. © Johannes Karrer

Der grazile Langblättrige Sonnentau hat auf extrem nährstoffarmen und nassen Standorten einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Pflanzen: Er beschafft sich zusätzliche Nährstoffe über gefangene Insekten.
© Johannes Karrer

Lech hinunter wachsen dagegen Pflanzen wie die Mehlprimel, die etwas mehr Wasser brauchen, oder sogar echte Sumpf- und Moorpflanzen wie Gewöhnliches Fettkraut oder Langblättriger Sonnentau. Neben den wechselnden Lichtverhältnissen ist also auch das Wasser sehr unterschiedlich im Boden verteilt. Deshalb – und dank der von Grundeigentümern, Behörden und Naturschutz organisierten traditionellen Nutzung der Heidewiese – gibt es hier eine besonders große Pflanzenvielfalt.

Wir durchqueren die Heidewiese auf dem Weg, vorbei an der früher von Hirten bewohnten Hütte bis zu einer Sitzbank und können durch die Bäume hinunter auf ein Hang-Quellmoor schauen. Der Weg führt weiter an der Hangkante und biegt etwa 300 m nach der Sitzbank scharf links zur Unterführung der Umgehungsstraße ab. Danach halten wir uns links und folgen dem Weg steil bergauf ins Forchet. Oben angelangt folgen wir wieder der Hangkante. Nach ca. 500 m biegen wir links ab und kehren schnurgerade zum Ausgangspunkt zurück.

Autor: Johannes Karrer, Lebensraum Lechtal e. V.

lechtal-logo

 

 

 

 

 

www.lebensraumlechtal.de

 

 

Für unterwegs: Alle Informationen zu der Wanderung sind auch über die App abrufbar.

 

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Ein Kommentar

  1. Bilder und Text machen Lust gleich los zu laufen.

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